Filmsongperlen (9) – Glenn Frey „The Heat is on“

Manchmal mag ich meine Vorgehensweise, den zu behandelnden Songtitel im Beitragstitel zu erwähnen nicht. Hier hätte es sich angebotenen, einfach nur den zugehörigen Film „Beverly Hills Cop“ zu nennen und die meisten hätten jetzt die Synthie-Sounds von „Axel F.“ im Ohr. Da der Beitragstitel allerdings auf Glenn Frey verweist, weiß jeder Leser, dass heute ein anderer Song aus dem poppigen Soundtrack des 80er Klassikers thematisiert wird. Damit Herzlich Willkommen zur zweiten Staffel der Filmsongperlen, in den nächsten acht Wochen gibt es jeden Freitag einen Filmsong und seine Geschichte.

„The Heat Is On“ ist der erste Titel der in dem Erfolgsfilm gespielt wird. Der Song unterlegt das Intro, das neben den Filminformationen Impressionen aus Detroit, der Heimat von Protagonist Axel Foley, zeigt.“The Heat Is On“ wurde von Harold Faltermeyer und Keith Forsey geschrieben. Der Synthesizerspezialist und der Schlagzeuger lernten sich durch die gemeinsame Arbeit bei Giorgio Moroder kennen und prägten mit ihren Kompositionen, sowohl im Team als auch Einzeln, die Filmsongs der Achtziger Jahre. Auf Forseys Konto gehen unter anderem auch der Simple Minds Superhit „Don´t You“ und Ray Parker Jr. „Ghostbusters“. Der Song wurde explizit für den Film „Beverly Hills Cop“ geschrieben. Die Titelphrase kann als eine metaphorische Bezeichnung für Zeitknappheit oder Gefahr gedeutet werden. Der Song mit dem markanten Saxophon war soweit fertig, es fehlte nur jemand der den Song einsingen sollte. Bei einem frühen Screening des Films war der ehemalige Eagles-Frontmann Glenn Frey zu gegen, sodass er gefragt wurde, ob er den typischen 80er Pop-Rocksong einsingen möchte. Für 15,000$ sang Frey den Song ein und steuerte ein Gitarrensolo für den nun knapp sechs Minuten langen Song bei.

Auch aufgrund des enormen Erfolg des Films, erreichte „The Heat is On“ Platz Zwei der Billboardcharts. In Deutschland erreichte der Song immerhin Platz Vier. In beiden Ländern und auch weltweit war die Auftragsarbeit Freys mit Abstand größter Solohit.

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Schräg, aber gut (68) – Texas „I don´t want a lover“

Heute dreht sich „Schräg, aber gut“ um eine Frage: Kann ein Film einen Song beeinflussen? Natürlich wird der aufmerksame Leser sagen, viele Filmsongs entstehen erst aufgrund eines Films. Von daher präzisiere Ich: Kann ein Film einen späteren Song beeinflussen? Ja und das Paradebeispiel ist „I don´t want a lover“ der 1989er Debüthit der schottischen Band Texas.

Gegründet von Bassist John McElhone lebte das urspüngliche Quartett von Sängerin Sharleen Spalteri. Die damals achtzehnjährige hatte kurz zuvor einen Song geschrieben, dessen Text nach der Dickköpfigkeit einer Achtzehnjährigen schrie: „I don´t want a lover“. Als die Band mehr als zwei Jahre nach Gründung einen Majorplattenvertrag überarbeiteten McElhone und Spalteri den Song. Wie schon bei der Bandgründung erinnerten sie sich an einen ihrer Lieblingsfilme: „Paris, Texas“ von Wim Wenders. Der Bandname der Glasgower rührt vom Titel des Preisträgers der Goldenen Palme. „Paris, Texas“ beginnt mit einer Wüstensequenz, die mit einer eigenwilligen Musik unterlegt ist. Für den speziellen Sound ist die Slide-Gitarre verantwortlich. Spalteri ist sich sicher, so eine Slide-Gitarre braucht ihr Song auch. Gitarrist Alistair McErlaine konnte die Slide-Gitarre jedoch nicht spielen, sodass Spalteri kurzerhand selbst das charakteristische Intro einspielt. Schnell gesellt sich zur Slide-Gitarre die durchgängige Bassdrum bis Splateris Gesang über ihre Unabhängigkeit von Männern singt. Im Januar 1989 wird „I don´t want a lover“ zum Top Ten Hit in Großbritannien, auch aufgrund seines markanten Intros. Der weitere Song ist ein solider Pop-Rock Grower, der von Bassdrum dezenten Keyboardflächen und Splateris Gesang getragen wird und mit einer ungewöhnlich starken Bridge aufwarten kann.

Die ungewöhnliche Single sollte Texas eine langjährige Karriere mit einigen Hits sichern. In Deutschland war ihr größter Hit die 2000 veröffentlichte Single „Summer Son“, dessen Geschichte ich sicher auch noch erzählen werde. Texas veröffentlichen noch heute, wenn auch mit leicht veränderter Besetzung Alben und touren regelmäßig. Dennoch ist Texas sicher eine der meist unterschätzten Pop-Rock Formationen der letzten dreißig Jahre.

Ad Astra – Zu den Sternen

Inhalt

In Zukunft: Roy McBride (Brad Pitt) eifert seinen verschollenen Vater (Tommy Lee Jones) nach und ist Weltraumingenieur. Sein neuester Auftrag führt ihn allerdings nah an seinen Vater heran. Er lebt wahrscheinlich noch am Rande des Sonnensystems und sucht immer noch nach intelligentem Leben. Die Reise wird den stillen, verschlossenen Roy vor große Probleme stellen.

Kritik

In den letzten Jahren lässt sich ein eindeutiger Trend bei Science-Fiction Filmen erkennen. Sie haben ein viel größeres menschliches Element, ein Trend den „Ad Astra“ auf die Spitze treibt. Im Grunde handelt es sich hier um ein Charakterdrama mit Weltraumsetting. „Ad Astra“ ist sicher kein Film für die breite Masse und mit einem Budget von 90 Millionen Dollar ist 20th Century Fox seinerzeit ein großes Risiko eingegangen. Im Zuge des Disneydeals wurde Ad Astra vom Frühjahr in den September verschoben. Selbst wenn man nicht vom Film begeistert ist, sollte man dankbar sein ihn sehen zu können und gerade bei Disney sind in Zukunft solche Filme nicht zu erwarten.

Genug zu den äußeren Umständen des Films, hin zur Auseinandersetzung. Wie schon erwähnt ist „Ad Astra“ eher ein Film, der ohne das Science-Fiction Setting ähnlich funktionieren würde. Dennoch ist das Setdesign beeindruckend gut. Die Kälte des Weltraums wird eingefangen, die Farben sind teilweise unterkühlt, es wird auf starke Kontraste gesetzt und Hoyte von Hoytemas Kamera fängt großartige Bilder ein. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Szene, die die Kapitalisierung einer Mondstation zeigt. Auch die drei Szenen mit Actionanleihen sind virtuos gefilmt, so erinnert die kurze Mondverfolgungsjagd an „Mad Max: Fury Road“ (bzw wirkt wie eine Valium-Version der dort gezeigten Action).

Erzählerisch nimmt der Film andere Anleihen, so wird „Ad Astra“ oft auch als Variation von „Apocalypse Now“ gesehen. Auch wenn ich diese Ansicht nachvollziehen kann, würde ich den Film eher mit „2001 – Odyssee im Weltraum“ (auch wenn „Ad Astra“ im Vergleich gradlinig verläuft) und „Der Schmale Grat“ vergleichen. So nutzt Regisseur James Gray Mittel wie Voice-Over, die auch bei Terrence Malick überhand nehmen. „Ad Astra“ fordert sein Publikum heraus, denn das Erzähltempo ist sehr langsam. Das Gefallen am Film steht und fällt mit der Identifikation mit Brad Pitts Roy McBride, denn diese Figur ist Ankerpunkt des Films, in jeder Szene zu sehen und Triebfeder der Handlung. Technische Erklärungen bleiben dagegen aus. McBride ist ein schwieriger Charakter, still, eigenbrötlerisch, verschlossen, gefühlskalt und entwickelt eine schwierige Beziehung zu seinem Vater. Brad Pitt subtiles Spiel (Pitt wird mit über fünfzig tatsächlich noch zu einen hervorragenden Schauspieler) unterstützt dies, jedoch kann ich mir vorstellen, dass viele Zuschauer McBrides Verhalten und Handlungen nicht nachvollziehen können, mich hat Pitt und hat der Film jedoch gekriegt. Ich konnte mich mit McBride, der nur in seinen Gedanken seine wahren Empfindungen ausdrückt und auf der Reise sich grundlegend verändert, sich vermenschlicht, sehr gut identifizieren. Allerdings erspart der Film nicht einen Voice-Over Monolog am Ende, der mir zu sehr das vorkaut, was der Film in den davor 120 Minuten ausdrückt.

Fazit

Brad Pitt spielt hervorragend in einen Science-Fiction Film, der sich als langsames Charakterdrama entpuppt. Fantastisches Setting, tiefgründige Gedanken, jedoch ein misslungenes Ende. 8/10

Daten & Fakten

Originaltitel: Ad Astra

Regie: James Grey

Drehbuch: James Grey, Ethan Gross

Darsteller: Brad Pitt, Tommy Lee Jones, Donald Sutherland, Ruth Negga uw

Länge: 122 Minuten

Genre: Science-Fiction, Drama

Neulich auf Prime Video: Mid90s & Womit haben wir das verdient?

Mid90s

Genre: Coming Of Age, Dramedy

Regie & Drehbuch: Jonah Hill

Darsteller: Sunny Suljic, Katherine Waterston, Lucas Hedges uew

Länge: 84 Minuten

Kurzkritik

Natürlich kann „Mid90s“ vorgeworfen werden, dass er mehr eine Stimmung denn eine Handlung abbildet. Allerdings muss man festhalten, dass er dies hervorragend macht, wer mal die Neunziger aus der Sicht eines 13-Jährigen Skaterboys sehen will, muss diesen Film sehen und alle anderen können auch bedenkenlos einen Blick wagen. „Mid90s“ lebt vor allem von seinen Darstellern. Sunny Suljic, der den Knirps Stevie spielt, um den sich der Film dreht, ist hervorragend, entweder er dreht vollkommen durch oder er hat eine große Karriere vor sich. Sowohl die Unsicherheit nirgendwo dazuzugehören als auch die Freude Freunde zu finden, bildet Suljic charmant ab, umso schockierender wie ein Konflikt mit seiner Mutter im Auto eskaliert. Lucas Hedges spielt den harten Bruder und im Gegensatz zu „Ben is Back“, wo ich meine Probleme mit ihm hatte, überzeugt hier in einer für ihn ungewohnten Rollencharakterisierung. Des weiteren schneidet „Mid90s“ Gruppendynamiken auf unterhaltsame Weise an, so zeigt sich wie fragil die Gruppe an Freunden, die Stevie da gefunden hat, ist. Konflikte bauen sich auf, werden nicht angesprochen, lösen sich nur schwer auf wodurch auch ein kritischer Blickwinkel in diesen nostalgischen Film geworfen wird. Auch in Details überzeugt „Mid90s“, so lassen Setting, Kamera (vor allem die Körnung) und Format keinen Zweifel, dass wir mitten in die Neunziger eintauchen. 8/10

Womit haben wir das verdient?

Genre: Komödie

Regie & Drehbuch: Eva Spreitzhofer

Darsteller: Caroline Peters, Chantal Zitzenbacher, Simon Schwarz ua

Länge: 92 Minuten

Kurzkritik

„Womit haben wir das verdient?“ ist eine österreichische Komödie, die Anfang des Jahres auch in die deutschen Lichtspielhäuser kam und jetzt überraschend auf Prime Video verfügbar ist. Die Prämisse ist simpel aber interessant, die 16-Jährige Tochter Nina rebelliert, indem sie zum Islam konvertiert. Mutter Wanda, Feministin und Religionsverweigerin, kann diesen Weg ihrer sich jetzt Fatima nennenden nicht akzeptieren. Daraus entwickelt sich auch dank sehr guten Schauspiels von Caroline Peters und Chantal Zitzenbacher eine leichtfüßige clevere Komödie. Sobald der Film jedoch nicht mehr auf der Prämisse rumjammen kann, wird er ungleich schwerer und schwächer. Zu sehr wird der moralische Zeigefinger gehoben, zu sehr versucht der Film mehr zu sein als er ist. Der Film verliert seine Leichtigkeit und findet sie erst in der Endszene wieder. 5/10

Schräg, aber gut (67) – Eric Prydz „Call On Me“

Schon als Kind sorgt Eric Sheridan Prydz für Aufsehen, er brach in seine Schule ein und stahl Keyboards. Fortan lebte Prydz in einem Internat für schwer erziehbare Kinder. Geprägt von der Musik der New Wave Band Depeche Mode. Sein Bekannter Steve Angello, der mit der Swedish House Mafia für Furore sorgen sollte, ermutigte Prydz eigene Mixes zu erstellen.

Wie die Jungfrau zum Kinde kam Prydz zu seinem Durchbruch „Call On Me“. Ursprünglich von DJ Falcon und Daft Punk Mastermind Thomas Bangalter, der mit „Music sounds better with you“ schon einen House Hit vorzuweisen hatte, abgemischt und als White Label veröffentlicht. Der Song hatte da schon die markanten gesampelten Vocals aus dem Stevie Winwood 80er-Hit „Valerie“ sowie einen großen Teil der Struktur. Die Rechte für die Samples konnte sich jedoch das Musiklabel „Ministry of Sound“ sichern, das Label für das Prydz mixte. Er legte den Feinschliff an dem Song an und bekam Unterstützung von Sänger Winwood. Der ehemalige Frontmann der Spencer Davis Group war vom Song so begeistert, dass er die spärlichen Vocals für die 2004er Veröffentlichung nochmals einsang.

Zur Vermarktung des Clubhits wurde ein erotisches Aerobicmusikvideo gedreht, welches polarisierte und somit zum Erfolg des Songs beitrug. „Call On Me“ war nach Jahren die erste Dancenummer, die die Spitze der britischen und deutschen Singlecharts einnehmen konnte. In Prydz schwedischer Heimat war der Song da schon längst auf der Spitzenposition angekommen. Mit dem Aufkommen der Downloads sorgte „Call On Me“ für einen Rekord: Mit 23.519 verkauften Singles in der Woche war „Call On Me“ am 17.Oktober 2004 die Single mit den geringsten Verkaufszahlen, die es auf Platz Eins schaffte. Diesen Rekord sollte man in der Folgewoche nochmals unterbieten, heutzutage wären 23.000 physische Singles ein Traumwert. Dennoch schaffte es „Call On Me“ im Gespräch zu bleiben, bis heute wird der Song auf Partys und im Club gespielt und bei Spotify erreicht „Call On Me“ bisher knapp 132 Millionen Streams weltweit.

Eric Prydz sollte mit „Proper Education“ und „Pjanoo“ zwei weitere Hits, die jeweils Platz Zwei der britischen Charts erreichten haben und arbeitet immer noch als Remixer und DJ.

Parasite

Ich war gestern in der Sneak Preview und habe den südkoreanischen Film und Goldene Palme Gewinner von 2019 „Parasite“ gesehen.

Inhalt

Familie Kim lebt in einer koreanischen Stadt vom Existenzminimum bis sich durch einen Freund des Sohnes eine Gelegenheit bietet sich bei einer reichen Familie auf den Hügeln einzunisten. Der Sohn gibt der Tochter Englisch Nachhilfe und stellt seine Schwester für die Kunsttherapie des Sohns der Familie vor, auch die Eltern werden im Verlauf eine Anstellung bei Familie Park erhalten.

Kritik

Bong Joon Hoo gilt seit längerem als einer der Anführer des koreanischen Kinos, manche Stimmen gehen inzwischen so weit es als das „beste Kino der Welt“ zu bezeichnen. Für „Parasite“ konnte Hoo die Goldene Palme holen, jene Goldene Plame die im Vorjahr „Burning“ noch verwehrt blieb. Ich persönlich habe zu koreanischen Filmen, zugegeben ich habe bisher auch sehr wenige Filme aus Südkorea gesehen, eine ambivalente Beziehung. So übertreiben sie mir oft gewisse Punkte, wodurch sie sich selbst um die Höchstqualität berauben.

„Parasite“ ist da leider keine Ausnahme. Nach Neunzig Minuten war ich mir absolut sicher, dass das der beste Film des Jahres sei. Sehr gutes und feines Schauspiel, brillante Regie, ein detailreiches, extrem cleveres Drehbuch, ein paar schnicke Wendungen und wohl dosierte Sozialkritik ließen den Film bis dahin zu einer perfekten Mischung aus Drama, Komödie und Gesellschaftssatire werden, die durch Thrillerelemente (ich sag nur Bunker) angereichert wird. Bis zu der Stelle an der Familie Kim im Notfallager landet war „Parasite“ perfekt, ein Film den man ohne zu zögern jetzt schon als Klassiker bezeichnen könnte. Dann lädt Familie Park jedoch zu einer Geburtstagsparty ein und der Film hat einen Stilbruch, keinen der sich organisch einleitet, sondern einen sehr radikalen ähnlich wie beim neuesten Tarantino, nur dass „Parasite“ dadurch deutlich bei mir einbüßt. Zunächst wird der Film auf einmal langweilig, nur um dann eine sinnfreie Eskalation der Party und einen Epilog zu zeigen, der mir jeglichen Spaß sowie jegliche Bereitschaft daran geraubt hat, den Film zu interpretieren.

Hatte ich mir schon nach Neunzig Minuten eine mögliche Interpretation, die durch ein mögliches Ende unterstützt worden wäre, dreht Bong Joon Hoo das gezeigte komplett um und gibt unbefriedigende Rätsel auf. Manchmal fragt man sich bei Kritikerlieblingen, ob die denselben Film wie man selbst gesehen habe. In diesem Fall frage ich mich, ob alle Kritiker den Film überhaupt zu Ende gesehen haben, denn alle gelesenen Lobeshymnen würde ich für die ersten neunzig bis hundert Minuten unterschreiben, danach empfand ich „Parasite“ schon fast als Zumutung. Wie dem auch sei, der Film hat den „Auslandsoscar“ wohl schon in der Tasche und hat auch gute Chancen in anderen Kategorien.

Fazit

Neunzig Minuten ist „Parasite“ ein cinematisches Meisterwerk, brillant gefilmt, famos gespielt, clever geschrieben, doch mit dem Stilbruch beginnt der Abstieg des Films, der in einem absurden Ende mündet. Dennoch sollte man sich von „Parasite“ unbedingt ein eigenes Bild machen. 7/10

Beeinflusst (61) – Sydney Youngblood „If Only I Could“

Es gibt zwei Arten von Songs innerhalb dieser Beitragsreihe, die schon bald das Rentenalter erreicht hat (was natürlich nicht heißt, dass sie dann auch in Rente geht): Jene, die ich ewig vor mir her schiebe und jene, bei denen ich auf einen triftigen Grund warte. Glücklicherweise hatte ich Samstag zufällig „Das Supertalent“ gesehen, wo das Spätachtziger Two-Hit-Wonder Sydney Youngblood sich vor Bohlen und Co wagte. Wer die Show gesehen hat, weiß, dass Youngblood eigentlich Sydney Ford heißt und nach seiner Armyzeit in Deutschland geblieben ist und eine deutsche Frau geheiratet hat. Der, wie er auch auf der RTL-Bühne unter Beweis, passionierte Tänzer gründete im Südwesten Deutschlands eine R & B Band, durch die er den Sprung zu einem Soloplattenvertrag schaffte.

Seine zweite Single „If Only I Could“ sollte einer der größten Hits des Jahres 1989 werden, zumindest in Kontinentaleuropa. Die Single, die ähnlich wie einige Hits von Whitney Houston und Billy Ocean oder auch später Londonbeat R&B Klänge mit Synthpop verband, war ein tanzbarer Radiohit. Der Text handelt davon, dass man alleine die Welt nicht groß verändern könne, zusammen jedoch eine Menge erreichen könnte. Die Melodie wurde perfekt auf Youngbloods soulige Stimme angepasst, sodass der Song auch zum Diskothekenhit wurde. „If Only I Could“ erlang untert anderem in Deutschland die Goldene Schallplatte geriet jedoch langsam (völlig zu unrecht) in Vergessenheit. Dennoch tingelte Youngblood mit seinem Hit und dem wesentlich schwächeren Nachfolger „Sit & Wait“ durch Fernsehshows (wie dem ZDF-Fernsehgarten) oder 80er Festivals. 2018 ging er dann ins Dschungelcamp, wo er als Heulsuse nochmals Bekanntheit erlangt hatte. Eigentlich schade, dass Youngblood nur ein Hit vergönnt war, aber immerhin ist der zeitlos gut…

Streamingrückblick September: Von Haien, einem Erdmann und Keyser Söze

Der September hatte Filmtechnisch weniger Masse als die Vormonate bei mir zu bieten. Auch qualitativ gab es einige Enttäuschungen, doch der ein oder andere Film entschädigt:

Netflix
Der Weiße Hai (Jaws)

8/10 Steven Spielbergs endgültiger Durchbruch und Geburt des modernen Blockbusterkinos gilt ja inzwischen als Klassiker. Kurz gesagt: Zu Recht. Spielberg zeigt hier alle inszenatorischen Tricks um eine simple Geschichte effektiv zu erzählen. So packt „Jaws“ trotz gemächlichen Tempos von Anfang an zu. Natürlich kann man den Film auch philosophisch sehen und hinterfragen, warum ausgerechnet der Arbeiter sterben muss, aber dafür ist der Film als Haithriller zu faszinierend.
Einfach zu haben (Easy A)

7/10 Ein Film mit Emma Stone in der Hauptrolle kann ja schon mal keine Katastrophe sein und tatsächlich ist „Easy A“ eine rasant erzählte, lustige Coming Of Age Story über eine Schülerin, die sich durch Gerüchte den Ruf der Schlampe erarbeitet ohne mit irgendwem zu schlafen. Da wird an die großartigen John Hughes Klassiker (Breakfast Club, Das darf man nur als Erwachsener, Pretty in Pink und Ferris macht Blau) referiert und zum Schluss der großartige Song „Don´t You (Forget about me) gespielt, ohne eine iegne Identität zu opfern. Auch wenn „Easy A“ längst nicht so frech ist wie vielleicht erwartet, ist er ein sehenswerter Film, auch dank der kuriosesten Elternfiguren, die ich bestaunen durfte.
American Psycho

9/10 Was für ein Trip. „American Psycho“ führt einen brachial in die gestörte Psyche eines 80er-Jahre Yuppies. Christian Bale verkörpert diesen Patrick Bateman derart meisterhaft, dass einem wirklich Angst und Bange wird. Daneben besticht „American Psycho“ durch eine clevere Regie, einigen wirklich schaurig-schönen Musikmonologen sowie einem Endkniff, der statt einer dumpfen Auflösung Interpretationsspielraum bietet. Unbedingt anschauen!
Gravity

5/10 „Gravity“ läuft knapp zwanzig Minuten und ich denke zum ersten mal ganz schön langweilig das Ganze, das ändert sich leider auch nicht wirklich. Visuell ist dieser Weltraumfilm beeindruckend, aber inhaltlich ist der hier schon arg leer, sodass sich der Film trotz gerade mal 83 Minuten Nettolaufzeit viel zu lang anfühlt. „Gravity“ ist ein technisches Meisterwerk, aber Alfonso Cuaron schafft es seit „Children of Men“ nicht mehr seine technischen Fähigkeiten mit einer erzählerischen Wucht zu verbinden.
Brügge sehen und sterben (In Bruges)

7/10 Ich hatte Martin McDonaughs Debütfilm über zwei Auftragskiller, die einen Job vergeigen, noch etwas stärker in Erinnerung, jedoch ist er manchmal zu behäbig. Gerade das Protagonistenduo mit ihren konträren Ansichten über die belgische Stadt macht Laune und natürlich ist Ralph Fiennes wie immer großartig. Dennoch fand ich „In Bruges“ nicht durchgehend sehr gut. Ein schwarzhumoriger unterhaltsamer Film ist er natürlich dennoch.
High Society

4/10 Iris Berben, Katja Riemann, Emilia Schüle und Jannis Niewöhner sind in dieser Vertauschungskomödie vollkommen verschenkt. Der Plot istr denkbar simpel, Rich Kid und Asibratze wurden bei der Geburt vertauscht, daraus entwickelt sich ein grotesker Plot mit manchen guten Szenen aber auch vielen katastrophalen Szenen, wie den abstoßenden Prolog, wodurch „High Society“ zu einem Film wird, dessen Konsum nicht empfohlen werden sollte, trotz guter Schauspieler.

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Glass (geliehen für 0,99€)

4/10 M Night Shyamalans Comeback „Split“ hier also die Vermählung von jenem und seinem 2000er Geniestreich „Unbreakable“. Auch wenn „Glass“ teilweise an den zweiten Film des Regisseurs erinnert, ist er einfach nur katastrophal. „Glass“ liefert genug Potenzial für einen absoluten Topfilm und wird dank Shyamalans zu große Ego und wegen eines fehlenden Korrektivs zur Luftnummer. Alle Schauspieler sind potenziell gut, aber gerade James McAvoys Show ist vollkommen drüber. Der Film muss wohl aus Budgetgründen nahezu ausschließlich in einer Nervenklinik spielen. Dies führt zu einer viel zu langsamen Erzählweise (ernsthaft ich bin eingeschlafen) ebenso wie zu zwei hanebüchenen Twists, die das letzte Pflänzchen Hoffnung auf einen guten Abschluss begruben. Es ist fast schon faszinierend, wie ein Film mit so viel Möglichkeiten so schlecht sein kann.
Toni Erdmann

5/10 Wenn ich mir Filmkritiken und Letterboxdbewertungen ansehe, ist „Toni Erdmann“ ein klassischer Love or Hate Film. Ich empfand für diesen Film beides. Ein paar Szenen sind hervorragend und wirken echt (die Geburtstagsfeier, die Barszene, die Discoszene, selbst die Nacktparty) aber dem gegenüber steht viel Geschwurbel, ein Look der an die schlimmsten RTL Scripted Realitys erinnert sowie eine fürchterliche Inkohärenz. Dabei wird Toni Erdmann von hervorragenden Performances von Sandra Hüller und Peter Simonischek gerettet, mit schwächeren Darstellern wäre das tatsächlich ein Debakel geworden.
Die Üblichen Verdächtigen (The Usual Suspects)

4/10 Filme die auf einen großen Endtwist setzen tuen dies oft um die eigene Schwäche zu kaschieren. Bei diesem Vertreter merkt man spürbar, dass das Ende Ausgang der Planungen war. Dadurch ist „Die Üblichen Verdächtigen“ ein Kriminalfilm, der langweiliger als die schlechtesten ARD-Schmunzelkrimis ist und nur durch Kevin Spacey (Oscar wäre aber für Sieben angebrachter gewesen) vor den untiefen der miesen Filme bewahrt wird. Der Schlusstwist soll das ganze spannend erscheinen lassen, jedoch funktioniert der auch nicht mehr, da dies Film Nr.1 ist, der genannt wird, wenn es um Endtwists geht, vor allem weil Christopher McQuarrie (für das Drehbuch verantwortlich) sich zu sehr auf diesen Wechselmoment verlässt.
Terminator 2: Tag der Entscheidung (…Judgment Day)

9/10 Manchmal mag man Filme nicht besonders, erkennt aber ihre hohe Qualität an. „Der Pate“ ist da mein Paradebeispiel, „Terminator 2“ lässt sich auch in diese Reihe hinzufügen. Deutlich besser als der erste Teil ist dieser als Actionmeisterwerk gefeierte Film wirklich sehr gut. Hohes Tempo, starke Regie-/Kameraarbeit, eine technische Topleistung, aber zur großen Liebe, hat es bei diese Film bei mir nicht gereicht, dennoch ein Film, den man gesehen haben sollte.
Der Hauptmann

8/10 Robert Schwentke hat in Hollywood einige stumpfsinnige Auftragsarbeiten abgeliefert, zurück in Deutschland liefert er mit der wahren Geschichte über den jungen Willi Herold eine Köpenickade, die durch Mark und Bein geht. Stilsicher in Schwarz-Weiß gedreht weiß „Der Hauptmann“ durch starke Schauspielleistungen, behutsamer Regie und ergreifendem Thema zu überzeugen.
The Player

8/10 „The Player“ ist mein erster Robert Altman Film. Der Regiealtmeister hat hier eine clevere Satire auf Hollywood geschaffen. Der von Tim Robbins verkörperte Filmproduzent, der über die Finanzierung der ihm vorgelegten Drehbücher entscheidet. Als er massiv mithilfe von Postkarten samt Botschaften bedroht wird, geht er nicht zur Polizei, sondern sucht selbst den Täter. Bei der Konfrontation tötet er den vermeintlichen Täter, wodurch ihm die Polizei auf den Versen ist. Daneben stellt sich heraus, dass er den falschen getötet hat. Mit zahlreichen Cameoauftritten gespickt, stellt Altman Hollywood fast schon bloß, ebenso arbeitet er sich am Zuschauer ab, den er spätestens mit dem Ende kritisch hinterfragt. Getragen vom famosen Tim Robbins ist „The Player“ eine chter Treffer.

Sonstige
Das Geheimnis meines Erfolgs (The Secret of my Success)

7/10 Aus der Reihe ganz nette Filme, die von ihrem Hauptdarsteller aufgewertet werden. Michael J Fox lässt fast vergessen, dass das hier eine zu materialisierende Ode an den American Dream und holt mehr aus der Figur heraus, als das Drehbuch vermuten lassen würde. Daneben ist die Inszenierung stylisch und das Tempo in dieser Komödie sehr hoch.
Hereditary

7/10 Ari Aster hab ich neulich für seinen neuen Film Midsommar sehr gelobt. Sein Erstlingswerk ist gradliniger, hat dennoch alle Anzeichen eines Asters, ist aber doch deutlich schwächer. Dabei ist die Idee ein Familiendrama in Gewand eines Horrorfilms zu zeigen mutig, doch spätestens das quatschige Ende entwertet den Film leider. Dennoch sehenswert und um Längen besser als der übliche 08/15-Horrorfilm.
Rogue One: A Star Wars Story

6/10 Kritiker von „Rogue One“ vor allem unter den Star Wars Fans bemängelten, dass der Film zu wenig „Star Wars“ DNA trage. Eine Kritik, die ich zu keinster Weise nachvollziehen kann. „Rogue One“ ist von seiner Machart ein klarer Star Wars Film, viel mehr als „Solo“ im Folgejahr. Der Cast ist gut, bekommt aber keine Möglichkeiten zu glänzen, das Tempo ist langsam, das Finale macht den Film dann deutlich besser, aber richtig überzeugt war ich von „Rogue One“ nicht.

Wie immer die Fragen: Welche Filme habt ihr gesehen? Welche wollt ihr sehen? Wo seid ihr nicht meiner Meinung?

Kinostarts Oktober: Goldener Löwe und Goldene Palme

03.10

Gemini Man 40%

Der neue Film von Ang Lee, dessen Werke ich noch nicht gesehen habe (selbst Life of Pi und Brokeback Mountain) mit Will Smith, produziert von Jerry Bruckheimer. Der Trailer verspricht Agentenaction sieht aber auch ungeheuer künstlich aus.

Enzo und die wundersame Welt des Menschen 65%

Verfilmung des Bestsellers „The Art of Racing in the Rain“, welcher sowohl als Hunderoman als auch als Lehrstück übers Autorennfahren funktionierte. Wenn der Film das auch kann, ist das mehr als sehenswert.

Deutschstunde 30%

Das kann richtig gut, aber auch richtig schlecht werden. Die Verfilmung eines der wichtigsten literarischen Werke der Nachkriegsgeschichte ist immer ein heißes Eisen.

10.10

Joker 100%

Joaquim Phoenix als „Joker“ in einem Film der den Goldenen Löwen gesehen hat, muss ich sehen. Todd Philipps Film soll ja eher an Scorsese Filme als an Superheldenfilme erinnern.

Dem Horizont so nah 60%

Deutsches Liebesdrama mit Luna Wedler (großartig in „Das Schönste Mädchen der Welt“) und Jannik Schümann. Kann was werden und alleine wegen Wedler werde ich wohl einen Blick wagen.

Dora und die goldene Stadt 0%

Verfilmung der Kinderserie. Der Trailer ist grottenschlecht und der Film interressiert mich null.

17.10

Maleficent – Mächte der Finsternis 0%

Fortsetzung zu „Disneys Maleficent“. Der Vorgänger war schon nicht meins, da muss Disney dafür kein Geld geben.

Parasite 80%

Der Gewinner der Goldenen Palme und aktuell haushoher Favorit auf denn „Auslandsoscar“. Diejenigen, die Parasite gesehen haben, sagen, je weniger man weiß, desto besser.

Ich war noch niemals in New York 40%

Musicalverfilmung mit den Songs von Udo Jürgens, ich schwanke noch, ob ich mir das antue.

24.10

Brittany runs a Marathon 30%

Lief beim Sundance Festival ganz passabel, aber auch wenn da oft gute Filme ihr erstes Publikum finden, reizt mich der Film bisher kaum.

31.10

Terminator: Dark Fate 40%

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das gut wird. Die Chance ist im Gegensatz zu „Rambo 5“ zwar vorhanden und Tim Millar kann schon was, aber hier warte ich die Kritiken ab.

Das perfekte Geheimnis 85%

Ziemlich genau ein Jahr nach „Der Vorname“ wieder eine kammerspielartige Komödie aus deutschen Landen mit vielen bekannten Gesichtern (M´Barek, Schwarz, W.W. Möhring und anderen). Hab ich extrem Lust drauf.

Was schaut ihr euch im Oktober im Kino an? Welche Filme lasst ihr aus und holt sie später nach?

Mein Lieblingssong von…Roxette

Nach ewiglanger Pause krame ich mein verschollenes Musikformat aus der Archivkiste und präsentiere eine brandneue Folge von „Mein Lieblingssong von…“. Heute geht es um das schwedische Pop-Rock Duo Roxette bestehend aus Gitarrist, Autor und Sänger Per Gässle sowie Sängerin Marie Fredricksson (nebenbei die Frau, der der Pixie-Cut am besten steht und eigentlich auch die einzige Frau der das steht). Gegründet Mitte der 1980er kommt mit dem ersten Studioalbum  „Pearls of Passion“ der Durchbruch in Schweden. Das zweite Album „Look Sharp“ enthält dann nur noch englischsprachige Songs und wird dank des Studenten Dean Cushman (die Geschichte dazu findet ihr hier) auch in den USA erfolgreich. Von da an beginnt 1989 eine mehrjährige Erfolgsperiode die erst mit Fredrikssons Krebserkrankung 2001 endet. Roxette steht für eine Mischung aus emotional ergreifenden Balladen getragen von Fredrikssons Stimme sowie rockigen Popsongs, die vom Wechselspiel der beiden Gesangsstimmen leben. So wie bei meinem persönlichen Lieblingssong der Band „Dangerous„.

Diesen habe ich erst entdeckt als ich im Sonderangebot eine Best Of CD der Band gefunden und gekauft habe. Der Song war die vierte Singleauskopplung aus dem Erfolgsalbum „The Look“ und wird vom gitarrenbasierten Ton getragen. Während der Großteil der Strophe von Gässle mit leicht rauchiger Stimme vorgetragen wird, werden die letzten immer gleichen Zeilen: „Hey where’s your work? What’s your game?
I know your business but I don’t know your name“ von Fredriksson vorgetragen, bevor beide gemeinsam den Refrain singen. Es existieren zwei Versionen von „Dangerous“, die sich im wesentlichen im Beginn unterscheiden. Während die auch auf meiner Best Of vorhandene Version mit einer Akustikgitarre startet, die dann von der E-Gitarre und weiterem Klangumerat abgelöst wird, startet die andere Version mit einem A-Capella der Leadphrase und steigt dann mit E-Gitarre und Co ein. Aus musikalischer Sicht gefällt mir der mir zu erst bekannte Anfang besser, während aus textlicher Perspektive der andere Beginn besser ist.

So kommt nämlich der warnende Charakter der Lyrics besser durch, thematisch geht es in „Dangerous“ nämlich um einen Mann, der seine Partnerin mit einer Arbeitskollegin betrügen könnte, worum sich die Ehefrau sorgt. Der leicht rockige Song landete in mehreren Ländern in den Top 10 und in den USA als einer der erfolgreichsten Songs der Band auf Platz 2. Danach konnte das Nachfolgealbum „Joyride“ sowie der Pretty Woman Soundtrack „It must have been love“ an die Erfolge von „Look Sharp“ anknüpfen.

Habt ihr einen Lieblingssong von Roxette und wenn ja, welchen?