Inhalt

Sieben Monate nach dem gewaltsamen Tod ihrer Tochter, die beim Sterben vergewaltigt und dann verbrannt wurde, mietet Mildred Hayes (Frances McDormand) drei Werbetafeln am Stadtrand ihrer Heimat Ebbing. Die provokativen Botschaften sollen dem Fall wieder mehr Aufmerksamkeit bescheren und darauf folgendem Druck auf die örtliche Polizei erhöhen. Diese sei lieber mit Diskriminierung der Schwarzen und den Einsatz gegen Achtjährige Slateboarder beschäftigt. Eine Welle an Ereignissen um Hayes, Polizeichef Willoughby (Woody Harrelson) und Officer Jason Dixon (Sam Rockwell) beginnt…

Kritik

Der Film ist für sieben Oscars nominiert, hat vier Golden Globes gewonnen, ebenso etliche weitere Filmpreise abgeräumt. Mit Recht!

Der Film ist alles andere als einfach, vulgäre Sprache, unerwartete Plotentwicklungen, tiefschwarzer Humor sowie unerwartete Charakterentwicklungen. Aber, das ist alles so gut getimt, so clever ausgearbeitet, dass man diesen Film, der irgendwie so fern vom Leben scheint und doch so nah dran ist, eigentlich lieben muss. Zumindest, wenn man die genannten Eigenschaften nicht als Ausschlusskriterium betrachtet. Hier geht es nicht um einen Kriminalfall, hier geht es um Charaktere, ihre Entwicklungen, die Auswirkungen auf eine Kleinstadt, um Liebe, Hass, Hoffnung, Leid. Kaum ein Film lässt seine Protagonisten so viel durchleben, so viele Charakterzüge und Gefühle offenbaren. Die technische Arbeit ordnet sich dem herunter, es wird mit kleinen Akzenttuierungen wie dem immerselben Hosenanzug Mildreds oder der behutsam eingesetzten Musik gearbeitet. Alles ordnet sich den Charakteren unter, die sich mit fortlaufendem Plot weiterentwickeln, diesen immer wieder in eine Richtung lenken, die der Zuschauer nicht vorhersieht.

All das wäre nichts Wert, wären da nicht die Darsteller. Das Ensemble ist überragend, doch die drei Oscarnominierten Schauspieler stechen heraus. Frances McDormand seziert eine Frau nah am Amoklauf, nah am Zusammenbruch, die ihre Trauer in Wut unterdrückt. Woody Harrelson spielt beeindruckend den wertorientierten Polizeichef, der mit Leib und Seele seinen Beruf liebt und doch sein Leben nicht vergessen hat. Doch der Oscar muss an Sam Rockwell gehen, welcher eigentlich auch ein Hauptdarsteller ist. Er nutzt das grandiose Drehbuch, um seine Figur zu zeichnen ohne sie zum Opfer verkommen zu lassen.

Deswegen ist Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ein außergewöhnlicher Film, der den Mensch als solches so seziert, wie kaum ein anderer Film. Für diesen Film ist die Bezeichnung Charakterdrama geschaffen. Unterhaltsam ist er dabei auch, durch die erwähnten Plottwists, das offene Ende sowie dem schwarzen Humor. 10/10

9 Kommentare zu „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

  1. Wow, hätte ich nicht gedacht, dass er Dir sooo gut gefällt. Ich bin ja auch der Meinung, dass Sam Rockwell den Oscar gewinnen müsste. Hauptsache die 3BB-Jungs stechen sich nicht gegenseitig aus. Frances hat ihn aber auch definitiv verdient. Leider gehen die Meinungen über den Film auseinander, ich würde mir sehr wünschen, wenn auch der Film gewinnt.

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    1. Ich glaube, die Chancen stehen nicht so gut, auch wenn ich glaube, dass er der beste Film sein wird, hab ja noch nicht alle Favoriten gesehen. Allerdings befürchte ich, dass Frances den Oscar nicht bekommen könnte, weil sie ja schon einen hat. Vor allem, wenn Lady Bird oder Shape of Water Best Picture abräumen, dann könnten die Schauspieler für Hawkins oder Ronan stimmen. Rockwells Performance ist so gut, die muss mit dem Oscar belohnt werden. Ich würde so weit gehen zu sagen, dass das einer der 10 besten Filme ist, die ich in meinem bisherigen Leben gesehen habe…

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      1. Zunächst einmal bin ich wirklich überrascht, wenn Du sagst, es wäre einer der 10 besten Filme, die Du bisher gesehen hast. Nach Deiner Auflistung letztens (mit „The Help“, Hidden Figures“ und „The Blind Side“) bekomme ich das schwer zusammen. :)) 3BB hat ja nun einige vorwiegend Kritiker-Preise gewonnen, außerdem den so wichtigen Publikumspreis in Toronto und den SAG-Award BP. Aber ohne eine Regie-Nominierung wird es halt schwer, daher ist er auch nicht mehr ganz mein Favorit auf den Oscar-Gewinn. Aber, die Oscar-Saison ist ja sehr dynamisch. Zunächst ist 3BB außerhalb der Schusslinie, was gut ist, mal sehen, was die Briten als ihren Lieblingsfilm beim BAFTA wählen. „Lady Bird“ kann es nicht sein, weil der nicht nominiert wurde. Später ist dann ja die Frage, ob es ein Film in der ersten Runde schafft, über 50% zu kommen. Wenn nicht, gewinnt der Film, den alle mögen oder auf den sich die meisten einigen können.
        Frances hat erst kürzlich den zweiten SAG-Award gewonnen, sogar Meryl hat noch keine zwei SAGs und meine Beobachtung ist, dass sie sehr beliebt in der Branche ist.

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        1. Es ist einfach so, dass mir verhältnismäßig viele Filme gefallen, so bewerte ich grundsätzlich eher hoch. Allerdings ist Hidden Figures für mich ein guter Film, vor allem wenn ich sehe was zum Teil alles in der Oscarhistorie ausgezeichnet oder nominiert wurde. Aber 3BB ist einer dieser Filme, die einen bewegen, die einen Anspruch haben, die etwas wichtiges zu sagen haben. Deswegen sollte er gewinnen, aber bei den Oscars gewinnt selten der beste Film des Jahres…
          Ich verstehe auch nicht, warum McDonagh für die Regie nicht nominiert wurde. Wie dem auch sei, am besten er gewinnt, Frances gewinnt, Rockwell sowieso und das Drehbuch auch noch. Ich kann mir wahrlich nicht vorstellen, dass einer der nominierten Filme mich so anspricht wie dieser hier.

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          1. Stimmt, 3BB hat auch eine Botschaft, auch wenn sie subtiler ausfällt. Vielleicht in der Hinsicht mit Get Out zu vergleichen. The Shape of Water hat halt einen cineastischen Anspruch und natürlich auch eine Botschaft, aber halt keine SAG-Nominierung BP, das schreckt mich derzeit am meisten davon ab, dass er – ohne die Zustimmung der größten Branche innerhalb der Academy – auch den großen Preis gewinnen kann. Ich gehe davon aus, dass ein Regisseur gewinnt, aber nicht zusammen mit seinem Film. Wie es auch in den letzten Jahren so war. Ich finde es zwar sinnlos, (weil wer hat denn den Film inszeniert?), aber ist halt so, dann müssten sie auch bis zu 10 Regisseure nominieren. Vielleicht sollte auch das preferential voting system wieder zurückgenommen werden, das finde ich am meisten verwirrend.

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            1. Das Oscarsystem, ich glaube darüber lasse ich mich auch mal in nem Blog aus…
              Wer gewinnen wird, weiß ich auch nicht. In den letzten Jahren hat mich mein früher Riecher nicht getäuscht, aber The Post wird es ganz sicher nicht und 3BB auch eher nicht.

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