Irgendwie schaffe ich es nicht, den Blog so zu pflegen, wie ich es gerne machen würde. In den letzten Tagen habe ich kaum geschrieben, ein nahezu fertiger Artikel liegt seit zwei Wochen brach. Letzte Woche konnte ich das mit der Mottowoche an unserer Schule und der Geburtstagsfeier meines besten Freundes entschuldigen. Dennoch mangelt es mir nicht an Ideen, sondern an deren Umsetzung. Ich würde gerne über Musik oder Film schrieben, aber irgendwie kriege ich aktuell nur das hin, was ich zunächst am meisten geächtet habe: Über mein Empfinden zu schreiben.

Da ich heute eh nichts vorhatte, bin ich auf das Angebot meines Vaters eingegangen mit ihm nach Düren zu fahren. Früher hatten wir das öfter gemacht, doch seitdem ich Freunde habe, mit denen ich mich mal treffe, ging sein Interesse spürbar zurück. Das erste Geschäft, welches er ansteuerte, war ein Modegeschäft. Er steuerte auf die Herrenabteilung an, sah sich ein paar Minuten um und fragte „Brauchst du hier etwas?“. Abgesehen davon, dass selbst Steve Wonder gemerkt hätte, welches Desinteresse ich daran hatte, zeigt er mir mal wieder, dass er nicht gewillt ist, mich so zu akzeptieren, wie ich bin. Dieser Prozess, der in den letzten Wochen, je näher das Abitur rückt, sich immer weiter aufdrängt, belastet mich. Letztendlich läuft es darauf hinaus, dass mein Vater auch sein viertes Kind verlieren wird. Abgesehen davon trage ich die Last mit mir rum, dass ich eigentlich für Klamotten Geld zurücklegen wollte. Stattdessen plane ich weitere Ausgaben, die den versprochenen Shoppingtrip mit meiner besten Freundin in weite Ferne rücken lassen.

Ich habe einmal zu meinem besten Freund gesagt „Meine Eltern haben euch einen Bärendienst erwiesen.“. Je länger ich darüber nachdenke, desto vehementer bejahe ich diesen Satz. Denn Kern meines Charakters, so wenig ich versuche das zu zeigen, ist, dass ich von so vielen Menschen wir möglich als vielschichtiger Charakterer akzeptiert und gemocht werde. Dieser Zug ist durch das Verhalten meiner Eltern deutlich ausgeprägter als angeboren. Ich versuche meinen Freunden Luft mehr zum Atmen zu geben, weniger schnell eingeschnappt zu sein, diese schlechten Charakterzüge von mir zu reduzieren. Denn auch wenn ich mich hin und wieder für keinen schlechten Menschen halte, habe ich unglaublich viele Schwächen. Vielleicht habe ich auch mehr Stärken, aber ich traue mich das nicht zu beurteilen. Meine Marotte sehr viel zu reflektieren, wurde durch die letzte reguläre Schulwoche verstärkt. Wenn ich überlege, welcher Charakter die gymnasiale Oberstufe begonnen hat und welcher sie abschließt, stelle ich viele Veränderungen fest. Mein Freundeskreis hat sich gewandelt, wen ich wirklich dazu zähle, schwankt je mach Laune, ich habe mich weiterentwickelt, arbeite an meinen Schwächen und meinen Stärken, aber ich habe auch festgestellt, dass ich einige Fehler gemacht habe. Einige Personen habe ich zu nah an mich rangelassen und bei einigen habe ich nicht gesehen, dass sie mich tief in ihrem Herzen mögen. Bei anderen Personen habe ich den Versuch versäumt, sie näher kennenzulernen und eine Freundschaft aufzubauen. Alle meine Freundschaften sind eigentlich durch Zufall oder besondere Umstände zusammen gekommen. Eine große Schwäche bleibt, ich bin immer noch sehr zurückhaltend. Ich kann kaum lockere Gespräche mit Personen, die ich als Freund bezeichnen würde, führen. Ausgerechnet auf den eingangs angesprochenen Geburtstag hatte ich mal so eine Situation. Wie immer hat der Zufall eine kräftige Rolle gespielt. Eigentlich war ich daran interresiert öfter die Tischtennisplatte zu nutzen, nur stand sie auf der Tanzfläche, bis sie deswegen eingeklappt wurde. Danach wollte ich tanzen, bis die (sehr gute) Musik runtergedreht wurde. Tanzstimmung ade und meine Freunde waren entweder in Gesprächsrunde versammelt oder waren müde. Also beschäftigte ich mich in einem lockeren Gespräch mit einer Person, die ich kaum kannte und die vor allem als Freund von einem Mitschüler da war. Einer derjenigen, bei denen ich mich ärgere nicht netter gewesen zu sein, weil ich ihn eigentlich mag und er einer der Personen sein wird, die ich Aufgrund der Eigenarten vermissen werde. Mein bester Freund stellte gegen Ende des Abends fest, dass ich Also wegen diesen beiden, die relativ früh gehen mussten, gute Laune hatte, obwohl normalerweise alle Faktoren für schlechte Laune standen. Vielleicht half die Faktoren, dass ich sie nicht so oft wiedersehen werde und sie mich überhaupt nicht kannte, denn ich hatte mich tatsächlich amüsiert. Unvergänglich im Smalltalk, normalerweise nicht gerade meine Stärke.

Denn eine meiner größten Schwächen hat es Dinge zu wichtig zu nehmen und wenig einfach geschehen zu lassen. Vielleicht sollte ich nicht erwarten, dass mir Menschen Rückmeldung zu dem Blog geben. Vielleicht erschlage ich sie auch mit Informationen. Vielleicht sollte ich einfach froh sein, dass sie ihn lesen oder mich so akzeptieren wie ich bin. Denn, das ist schon schwierig genug.

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2 Kommentare zu „Zwischen Reflexion und Smalltalk

  1. Ich möchte mal dazu sagen: Du hast weder mehr Fehler wie alle anderen noch bist du ein schlechter Mensch. Auch wenn man Menschen als Individuum sehen muss pauschalisier ich das jetzt mal. Jeder hat seine Eigenheiten und es gibt eine Normalverteilung an guten und an schlechten Eigenschaften, welche natürlich durch Ausläufer geprägt sind. Diese Mischung macht jede Person aus und bringt jeden ins Gleichgewicht. Du bist aber keiner von diesen Ausläufern, was schlechte Eigenschaften betrifft. Meiner Meinung nach bist du prinzipiell sogar einer der ausgeglichensten. Mindestens dein Wissen in allen Bereichen und dein Verständnis für Metaebenen sind Dinge weshalb sich JEDER, der mal mit dir geredet hat, sich an dich zurück erinnern wird. Du bist einzigartig in deiner Art, deinem Wissen, deiner Fürsorge und ausgeprägten Interessen. Aber nicht einzigartig wenn es um exorbitante Höhen bei der Menge von schlechten Eigenschaften sind (tut mir leid wenn ich dich da mit der Masse vergleiche). Ich weiß nicht was daraus wird aber prinzipiell möchte ich den Kontakt mit dir nicht verlieren. Auch wenn du manchmal nervst bzw ich Gewissensbisse habe weil/wenn ich dir so oft absage bist du doch ein guter Jung. Ein einzigartiger mit seinen Interessen/Eigenschaften etc aber weder ein einzigartiger Versager noch ein schlechter Mensch!
    Grüße aus Stolberg (Rhld.)

    Gefällt 3 Personen

  2. Du machst dir in der Tat bisschen viele Gedanken über dich selbst, das ist jedoch an sich nichts Schlimmes, solange sich diese Gedanken mit deinen Taten die Waage halten.

    Wenn du schon selbst erkennst, dass du mit deinem Blog nicht so vorankommst, wie du selbst es gerne hättest, dann kannst du auch mal einen Schritt weiter gehen und dich fragen: Was muss ich denn machen, damit es so wird, wie ich es will?

    Bezüglich Smalltalk: Lass dich so oft wie möglich damit konfrontieren. Ich schätze, mit der Zeit taut man auf. Aus meiner Sicht befindest du dich bereits in diesem Prozess – also, wieso machst du dir noch weiter Sorgen darüber?
    Lass es einfach mal auf dich zukommen:)

    Liebe Grüße
    KatharinaHohenfels

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