Irgendwie ist es ja ein Szenebegriff: „Be Yourself“ oder klassisch Deutsch „Sei du selbst“. Neben dem pädagogischen „Du bist einzigartig“ und dem „sei authentisch“ (was letztlich eigentlich auch sei du selbst bedeutet) aktuell einer dieser hippen Sprüche. Bevor ich jetzt weitermache muss ich anmerken, dass ich normalerweise die Überschrift zum Ende einfüge, was manchmal dazu führte, dass ich sie zunächst ohne Namen veröffentlicht habe. Diesmal ist das anders, denn die griffige Überschrift hat mir ein Freund in einer Snapchatkonversation um die Ohren gehauen. Wenn er es liest, weiß er genau, dass er mich zu dieser Überschrift inspiriert hat.

Bevor ich darauf Bezug nehme, könnte ich erwähnen, dass wir mehrere soziale Rollen haben und diese Unbewusst umswitchen oder sie sich durch die Beziehung zu Menschen definieren. Ich möchte das nicht in Kern erläutern, dafür ist mein Fachwissen zu gering. Ein Beispiel ist, dass ich mit meinen Freunden außerhalb der Großereignisse nicht über Fußball rede, da die sich alle kaum für Fußball interessieren. Mit meinen Vater rede ich oft über Fußball. Solche trivialen Dinge sind ein Teil dieser sozialen Rollen oder verhält ihr euch bei euren Eltern genauso wie bei euren Freunden?

Dennoch ist „Sei du selbst“ keine inhaltsleere Phrase, denn es gibt Menschen, die dieses Verhalten auf die Spitze treiben.

Finde ich das schade? Ja!

Kann ich es verstehen? Ja!

Mache ich es auch? Leider!

Manchmal unbewusst, wenn ich immer noch die Fassade aufsetze. Manchmal bewusst, um keinen Klinch mit meinen Vater heraufzubeschwören.

Erschwert mir also die Transsexualität das „Ich-selbst-sein“? Nein, aber der Umgang mit ihr. Ich mache mir nichts vor, mein Vorgehen ist feige. Denn, nur weil mein Vater das Thema totschweigt, muss ich es nicht machen. Aber, da ich weiß, dass ich mit meinen Freunden im Blog oder in der Therapie darüber reden kann, muss ich das nicht mit meinem Vater machen, dessen erste Reaktion war „Bist du denn wahnsinnig?“. Stattdessen plane ich meinen Abgang mit Beginn des Studiums, in eine andere Stadt, um endlich offen damit umzugehen. Das ist auch eine Sache, die meine Freunde belasten könnte oder die sie stören könnte. Allerdings möchte ich nicht jeden Tag Streit provozieren oder eine hypersture Reaktion meines Vaters heraufbeschwören. Wie gesagt, ich bin feige, netter formuliert vorsichtig.

Setze ich deswegen meine Fassade bei meinen Freunden auf ? Nein, denn die ist so klein geworden, dass sie keine Relevanz mehr hat. Außerdem muss ich mich vor ihnen nicht verstellen. Wann setze ich die Maske auf ? Wenn ich über Sport rede, wenn ich arrogant wirke, wenn ich zwanghaft lustig sein will. Sonst nicht, deswegen kennen mich mehr Leute, wie ich bin, als diejenigen, die das Geheimnis kennen. Denn nur weil die Erscheinung nicht passt, muss der Charakter auch nicht passen…

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