Meine bewegte Schulzeit ist endgültig vorbei. Die letzten Wochen hielten noch einmal alles bereit, was Schule zu bieten hatte. Das fing bei der Bekanntgabe der Abinoten an. Deutsch und Geschichte drei Punkte unter der Vorleistung, Mathe zwei Punkte unter der Vorleistung. In Mathe gab es eine Petition wegen zu großem Aufgabenumfang, in Deutsch und Geschichte wohl seltsame Erwartungshorizonte, sodass meine Schuld wohl gering ist. Statt des fest eingeplanten 1,x Schnitts, stand dann doch eine 2,0 da. Zum Glück gab es die Möglichkeit dies in einer mündlichen Nachprüfung zu korrigieren, was mir trotz minimalistischen Arbeitseinsatzes gelang. So wurde ich zum vierundzwanzigsten Schüler mit dem 1,x Schnitt.

Danach konnte befreit der Abistreich mitgestaltet werden. Um ehrlich zu sein, produktive Arbeit konnte ich wie die meisten nicht leisten, während die Abiwandmaler die ganze Nacht beschäftigt waren. Es hatte aber ein befreiendes Gefühl auf dem Schulhof Bier (obwohl es später pisswarm war) zu trinken und mit allmöglichen Menschen zu quatschen. Der Abistreich wurde dann auch mit den obligatorischen Wasserpistolen durchgezogen, wobei ich sagen muss, ich hatte nur einmal eine Pistole in der Hand um Rache für ein gemeines Manöver zu nehmen. Freitag war dann der Abiball, ein Mitgrund, weswegen die meisten Kategorien auf dem Blog diese Woche ausgefallen sind.

Die in der Woche zuvor am häufigsten gestellte Frage war, was ich denn zum Abiball anziehen würde. Die Frage war einfach beantwortet, ein altes Sakko mit Stoffhose und Streifenhemd. Es war die Lösung, ich sehe nicht ein Geld dafür auszugeben. Die Alternative wäre gewesen leger underdressed zu erscheinen, so oder so in den Klamotten wohl gefühlt hätte ich mich nicht.

Das dieser Tag sehr emotional für mich wurde, war ab dem Mittag klar. Als ich Abibücher an die Sponsoren abgeliefert habe, hat mich mein eigener Vater nicht gesehen, der gerade vom einkaufen mir entgegen kam. Als er dann hörte, dass der Bürgermeister erscheinen würde und man während der Zeugnisvergabe drinnen sitzen müsste, hatte er sich endgültig entschlossen, nicht hinzugehen. So kam es, dass ich als einzige Person keine Verwandten dabei hatte. So sehr ich überspielen wollte, dass mir das an die Nieren gegangen ist, so sehr hat es dann an mir genagt. Spätestens in der Abimesse habe ich gemerkt, wie sehr. Zwei mal schossen mir die Tränen in die Augen, konnte sie allerdings gerade noch unterdrücken. Bei der nicht nur gefühlt ellenlangen Zeugnisvergabe, schließlich wurden noch allerhand reden gehalten, war ich dann froh als alles vorbei war. Das Abizeugnis in den Händen, welches dann im Auto meiner besten Freundin deponiert wurde, wo es bis jetzt immer noch liegt.

Doch spätestens nach dem Essen, war meine Stimmung irgendwo im nirgendwo. Jeder hatte gesagt, feiert richtig, aber da war irgendwie eine Blockade. Ich war auch mit allem unzufrieden, die Anlage zu basslastig, die Menschen zu aufgedreht und aufgebrezelt, das Catering semigut, das Bier schmeckte mir nicht, die Musikauswahl des DJs gefiel mir nicht. Hätte ich nicht diesen dämlichen Locationvertrag mit unterschrieben, wäre ich wohl schon um elf gegangen, hätte mich davongeschlichen. Wahrscheinlich habe ich deswegen vor Monaten in weißer Vorraussicht gesagt, dass ich den Vertrag unterschreibe. So musste ich mich am Riemen reißen, wollte niemanden in ein Gespräch zwingen, auch wenn es gut getan hätte, sondern wollte den Ratschlag meines Musiklehrers (Feiert heute Nacht bis zum abwinken) beherzigen. Ich wollte mich nicht mit Moralfragen herumplagen (Sag ich den Mädels, dass sie im Kleid gut aussehen, obwohl ich sonst immer meinen Mund darüber gehalten habe, schließlich waren sie auch so schön und immer auf die eine Seite reduziert zu werden, ist ja auch nicht das wahre) sondern tanzen. Als ich mich dann leicht erholt hatte, spielte der Dj weiter Arschwackelmusik, also Musik mit der ich nichts anfangen konnte. Als er dann Helene Fischer spielte, wollte ich darauf nicht als erstes tanzen. Ich wartete also auf das Lied das mich in Stimmung bringt und gegen 1:20 war es soweit, Uptown Funk ertönte und ich stürmte die Tanzfläche. Von da an ein Wandel, wie ein positives HB-Männchen tanzte ich oder bewegte mich, den bis auf 30 Sekunden Crashkurswiederholung Discofox mit meinem besten Freund hatte mein Gehopse und meine Bewegungen wenig mit tanzen zu tun, selbst als Macarena ertönte.

Die restlichen Stunden des Abiballs verflogen und als dann Angels von Robbie Williams ertönte war zum ersten mal eine schöne Melancholie in mir. Ich hätte gerne einigen Menschen gesagt, was sie mir bedeuten, hab es bei den wenigsten geschafft, aber einige sehe ich bestimmt wieder…

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6 Kommentare zu „Es ist geschafft

  1. Na, da sag ich doch gerne Herzlichen Glückwunsch!!! 💜
    Ich kenne die Feststellung, dass die Abiklausuren etwas schlechter als die Vorleistungen sind (Geschichte, räusper), aber solange eine 1 vorm Komma steht, ist es doch super, die Details interessieren im Studium eh keinen mehr…
    Meine Phobie gegenüber Wasserpistolen hatte ich ja bereits erwähnt 🙈😂😂
    Nur dein Abizeugnis solltest du vielleicht mal aus dem Auto befreien, es könnte beim Bewerben für die Uni eventuell nützlich sein 😉😊
    Dann bin ich mal gespannt, wo es für dich hingeht und wie weit es von meiner zukünftigen Uni-Stadt (ich wechsle im Oktober für den Master) entfernt ist, damit ich dich mal – schockierende random Ankündigung – besuchen komme 😉😇😆

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      1. Das klingt nach Ausland 😂 Oder eventuell ganz weit an der nördlichen Grenze oder ganz weit an der südlichen… Ich lass mich überraschen 😉

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      2. Ist mir auch recht, ich wollte schließlich schon immer mal nach Aachen wegen Karl dem Großen und Dom und so. Könnten wir bei Gelegenheit mal tun, so ein Historikerausflug, allerdings nicht vor November wegen meiner Bachelorarbeit und Master organisieren und so weiter 😇

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        1. Zunächst einmal freut es mich, dass du mich besuchen möchtest.
          Aber die Kaiserstadt Aachen hat ne Menge zu bieten für einen Historikerausflug, genauso wie die Umgebung. Der Weihnachtsmarkt ist eindeutig der schönste in Deutschland.

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