In dieser Woche hat die Oscaracademy einige Änderungen bekannt gegeben. Die Reaktionen sind gemischt und das zurecht.

Der Reihe nach: Die erste Änderung kann eindeutig begrüßt werden. Die Verleihung wird vorverlegt. Ab 2020 wird die Verleihung auf Anfang Februar vorgezogen. Der Vorlauf zwischen den anderen Filmawards und dem Oscar wird kürzer. Gerade für Filmfans, die das ganze intensiv verfolgen von Vorteil und auch für den Ottonormalinterressierten, da die Filme näher am Erscheinungsdatum sind. Die deutschen Verleiher müssen aber so reagieren, dass die deutschen Filmstarts nominierter Filme nicht erst nach der Verleihung angesetzt werden. Es kann nicht sein, dass ein Film, der in fünf Kategorien nominiert worden ist, erst anderthalb Monate nach der Verleihung anläuft.

Die zweite Änderung ist kritischer zu beobachten. Die Show soll gekürzt werden, gerade in amerikanischen Heimatmarkt wichtig. Aber, dass dadurch Kategorien in die Werbepause gedrängt werden, ist ein No-Go. Müssen wirklich alle nominierten Stücke in der Kategorie Bester Filmsong Live aufgeführt werden oder sollte dies nicht dem Gewinner vorbehalten sein? Ich glaube es gibt andere Lösungen um Sendezeit zu minimieren.

Obwohl ich die These vertrete, dass der Oscar mehr auf den Massengeschmack eingehen muss, kann dir Lösung nicht sein, eine eigene Kategorie zu schaffen. Wofür gibt es die MTV Movie Awards? Um die populären Filme auszuzeichnen. Das wird dazu führen, dass die Studios weniger Geld in kleinere Filme investieren wollen, obwohl die Chancen für den großen Coup auf den Hauptpreis selten besser standen. Vielleicht sollte die Academy einfach einsehen, dass man Filme wie The Dark Knight, Gone Girl oder Rush besser berücksichtigen sollte, denn diese Filme wurden von Kritik und Zuschauern goutiert. Jetzt geben sie stattdessen einen Oscar an Black Panther oder Infinity War und nominieren für den Hauptpreis keinen Film, den der gängige Massenzuschauer kennt oder ins Kino zieht oder noch schlimmer, sie kommerziallisieren den Hauptpreis. Der Oscar schafft sich eventuell selbst ab, denn heute gelten Oscarfilme schon zu sehr als Snobfilme und statt daran zu rütteln sagen einige, dass Forrest Gump die größte Fehlentscheidung der Academy war. Der erfolgreichste Best Picture Winner eine Fehlentscheidung! Das ist grotesk, aber The Artist oder LA Crash kennt heute keiner mehr. Beide haben übrigens den Hauptpreis gewonnen, werden bis heute von der elitären Gruppe geliebt.

Was passiert mit einer deutlich verjüngten Academy? Welchen Weg schlägt sie ein? Schafft sie den Spagat aus Tradition und Zeitgeist? Ich wage es zu bezweifeln.

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9 Kommentare zu „Quo Vadis, Oscar?

  1. „Filme wie L.A. Crash kannt heute niemand mehr“. Ich muss gerade grinsen, weil der 2015 Pflichtthema im Englisch-Abi war 😀 Ich hatte zwar Englisch nicht als schriftliche Prüfung, das war bei mir Latein, aber ich hatte es natürlich trotzdem als 4-Stünder in der Oberstufe und da habe ich dann auch L.A. Crash gemacht. Ein sehr schöner Film! Verwobene Handlungsstränge, starke Figuren (wie Sandra Bullock als Jane Cabot) und eine tolle Message über Schwarz-Weiß-Denken, Rassismus und Gesellschaft im modernen Amerika. Hat uns damals alle berührt…
    Wenn du mal jemanden brauchst, der darüber eine Filmkritik schreibt, herzlich gerne 😂😂

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      1. 😂😂😂 Findest du ihn nicht so toll?
        Wir haben ihn halt auf Englisch gesehen, immer ein Stück und dann darüber diskutiert. Arbeitsblätter ausgefüllt, Figuren charakterisiert, Entwicklungen erarbeitet, das was man halt in der Schule so macht. Deswegen kann ich auch nach drei Jahren noch im Ansatz so drüber reden. Hätte ich den nur einmal am Stück im Fernsehen gesehen, wäre wahrscheinlich auch einiges untergegangen und hätte mich überfordert…

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  2. Mit meiner ersten Prognose zu den Oscar-Nominierungen werde ich dazu natürlich noch detaillierter Stellung nehmen, bis dahin kennt man wahrscheinlich auch mehr Fakten zu den Änderungen.

    Die Oscars sind nur für ein Nischenpublikum, daher ist es völlig unwichtig, wie viele Zuschauer sich die Show anschauen. Außerdem gibt es – im Gegensatz zu früher – die Möglichkeit, die Show über das Internet zu gucken und auch sämtliche Aufnahmemöglichkeiten, die es früher nicht gab – das alles wird bei der Berechnung der Zuschauerzahl nicht mit einberechnet. Aber egal, die Academy muss sich endlich davon befreien zu denken, dass es sich um einen Beliebtheitswettbewerb handelt. Die Oscars sind ein elitärer Preis für Filmschaffende und nur für die (einige der stark Filminteressierten, Journalisten und ein paar Mode- und Promi-Interessierte) relevant. Warum sollten andere die Show gucken, ich guck mir doch auch nicht die Leichtathletik-EM oder andere Sportveranstaltungen außerhalb des Massensports (Fußball oder Tennis) an? Und da es ein so besonderer Preis ist, sollten sie auch jedem Preisträger die Chance geben, live im TV Danke zu sagen. Ich wüsste, wie man die Show sinnvoll kürzen könnte, man bräuchte nur die ständig sich wiederholende bekloppte Werbung wegzulassen. Wird natürlich nie passieren, aber dann wäre die Verleihung nämlich auch nur 3 Stunden und die Leute wären eher geneigt, mal reinzuschauen.

    Die meisten Kinozuschauer weltweit werden nie die Chance haben, alle wichtigen Filme vor der Verleihung zu schauen. In Deutschland sowieso nicht, aber für Deutsche sind die Oscars eh irrelevant, deshalb wird sich an dem Kinostart auch nichts ändern. In Deutschland kann man kein Geld mit den Oscars machen, daher ist es als Marketing-Instrument wenig entscheidend.

    Die Academy macht sich gerade komplett lächerlich mit ihrer Verzweiflungstat der Einführung des „popular film“. Das ist direkt von den MTV Movie Awards abgeschaut. Aber gut, dann hätte La La Land tatsächlich den Oscar als Bester (populärer) Film gewonnen, den Trostpreis sozusagen, und Moonlight hätte nach wie vor Bester Film gewonnen. In der Zukunft wird ein Blockbuster, den man irgendwo als künstlerisch wertvoll betrachten kann automatisch die popular vote (was im Prinzip Nichts in der Academy heißt) bekommen und ein anderer Film gewinnt den richtigen Oscar. Ich möchte mal wissen, wer genau auf diese Idee kam. – Aber gut, das fliegt Ihnen ja seit Tagen um die Ohren.

    Die Academy hat sich bislang nur vage zu den Änderungen geäußert, einen shitstorm losgelöst und steht jetzt in der Erklärungsnot. Zeit sich wieder zu entspannen. Ich bin auch noch nicht im Oscar-Modus. 🙂

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    1. Wie immer habe ich großen Respekt für diese fundierten Ausführungen sehe es aber leicht anders. Ich glaube nicht, dass der Oscar nur für ein Nischenpublikum ist, dafür hat er sich eine zu starke Reputation erarbeitet. Jeder andere Award sowie die Filmfestivals sind eindeutig Nische. Wenn man den Sportvergleich anstellt, dann ist das wie die Olympischen Sommerspiele.
      Abgesehen davon würde ich nicht behaupten das Tennis mehr Massensport als Leichtathletik ist, aber ich weiß was du meinst.
      Jeder Preisträger soll Live im Fernsehen zu sehen sein, da stimme ich absolut zu, ich hoffe der Beitrag spiegelt das wieder. Das die Oscars in Deutschland kaum relevant sind finde ich schade, vor allem weil der Superheldenfilmmarkt hier nicht besonders ausgeprägt ist. Ich empfinde inzwischen eine Antistimmung, der Film war bei den Oscars erfolgreich, der ist per se nichts. Das war früher anders, American Beauty haben über vier Millionen Deutsche im Kino gesehen und das war nicht der Mainstremaffinste Oscargewinner. Das kann doch nicht sein und ich rede hier nicht von Popcornfilmverrückten sondern von Menschen die jegliche Art von Film lieben. Ich glaube immer noch, dass die bei den Oscars nicht verstehen, dass sie den besten Film auszeichnen sollen, ums drastisch zu formulieren. Während die früher oftmals populäre Filme einen natürlichen Vorteil gaben (Rocky, Der mit dem Wolf tanzt oder Forrest Gump mal als Beispiele) ist das heute umgekehrt, wie La La Land oder die Nolanfilme zeigen. Das darf nicht sein.

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  3. Olympische Sommerspiele sind für mich – ehrlich gesagt – auch „Nische“. Selbst kenne ich zwar tatsächlich ein paar Leute, die so etwas gucken, aber letztlich sind es überschaubar wenige. Das ist nichts für die breite Masse. Eigentlich ist in Deutschland auch nur Fußball massentauglich, wollte nur eine weitere Sportart nennen (früher mit Graf und Becker war es auch mal Tennis aber das ist wahrscheinlich vorbei, ich verfolge es auch nicht). Für andere Sportarten interessiert sich kaum jemand. Genauso wenig wie für die Oscars. Es sei denn, sie sind selbst in der Film- oder Entertainment-Branche, im Marketing, PR oder der Mode-Welt tätig oder sie zählen zu dem übersichtlichen Kreis der Oscar-begeisterten Filminteressierten. Ich habe selbst zuvor in der Filmbranche gearbeitet, selbst da hatte sich keiner sonderlich für die Oscars interessiert. Man kann in Deutschland mit den Oscars nicht gewinnbringend werben. Es ist interessiert sich, wie gesagt, (kaum) einer für die Oscars.

    Die Academy sollte sich überhaupt nicht darum scheren, welche Einschaltquoten ihre Show erreicht. Einschaltquoten gehen bei allen Veranstaltungen in den Keller. Die Quoten waren zwar früher immer gut, wenn ein Film ausgezeichnet wurden, der Massen ins Publikum gezogen hat („Titanic“ „The Lord of the Rings“), aber die Zeiten haben sich auch geändert. Früher hat man auch noch regelmäßig Fernsehen geschaut. Die Leute von Heute gucken kaum noch Fernsehen, man guckt Netflix oder andere Streaming-Anbieter, wenn man tatsächlich etwas im TV gucken will, schaut man irgendwann in der Mediathek oder im Internet nach. Die Oscars kann man auch über das Internet gucken, oder am nächsten oder übernächsten Tag sich nur Teile der Show anschauen. Es ist also der heutigen Zeit und der vielseitigen Technik geschuldet, dass kaum einer die Oscars guckt.

    „Ich glaube immer noch, dass die bei den Oscars nicht verstehen, dass sie den besten Film auszeichnen sollen…“

    Genau, das machen sie, sie zeichnen aus verschiedensten Gesichtspunkten den besten Film aus. Und – nach wie vor – es gibt kein DIE, habe ich schon mal gesagt. DIE ACADEMY gab es früher als sie hauptsächlich aus über 65 Jahre alten, weißen Männern bestand, das ist schon länger vorbei. Die Academy-Mitglieder habe sich aber auch damals nicht in einer Sitzung zusammengesetzt und für den besten Film abgestimmt. Jedes einzelne Academy-Mitglied entscheidet selbst, für sich, geheim, dann wird es eingeschickt (heutzutage auch online) und irgendwann ausgezählt und der Film, der von den meisten Mitgliedern am Ende gewählt wurde, hat gewonnen. Entsprechend brauchen SIE BEI DEN OSCARS auch nicht zu verstehen, dass SIE DEN BESTEN FILM AUSZEICHNEN SOLLEN.

    Wenn die Oscars der breiten Masse nichts bedeuten, warum sollte die Academy dann an der breiten Masse interessiert sein? Dafür haben wir doch die MTV Movie Awards. Die breite Masse wird auch dann nicht an den Oscars interessiert sein, wenn „Ihre“ Filme eine eigene Kategorie bei den Oscars bekommen. Dieser Oscar (popular film) bedeutet quasi nichts. Blockbuster brauchen keinen Oscar, diese Filme haben eh schon wahnsinnig viel Geld eingespielt. Außerdem darf man nicht vergessen, dass durch so eine Öffnung für den Mainstream-Markt, der Oscar an sich an Prestige und Wert verliert, daran kann doch niemand wirklich Interesse haben.

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    1. Hallo Mrs. Flight Attendant 😀
      Habe mich auf deinem Blog umgesehen, ist ja super, dass jemand neben dem Beruf immer die Serien und Ferien gucken kann… Ich sollte mir mal einen WP-Account erstellen, dann kann ich bei dir auch kommentieren. Danke für die Kritik zu The Incredibles 2, den will ich unbedingt gucken. Ich bin nur im Dreieck gesprungen, als jemand sagte, Cars sei nur was für die Kleinen. Ich hab den zweiten Teil als Teenie im Kino gesehen, so vor 8 Jahren mit 14 müsste das gewesen sein, und fand ihn besser als den ersten! Ein klasse Agenten-Film mit FinnMacMissile (so ein toller Charakter 😍)!
      Übrigens, die Analogie zwischen Edna und Linda Hunt ist ja mega 😂 Als Krimiserien-Freak kenne ich natürlich Navy CIS:LA und Edna verbindet wirklich viel mit „Hetty“ 😊😊

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      1. Hi, danke fürs Vorbeischauen. Neben dem Beruf können ja viele Filme gucken, während der Arbeitszeit ist die Kunst. 🙂
        Na unrecht hat meine Blog-Freundin ja nicht, wenn sie sagt, „Cars“ sei was für die Kleinen, gemeint ist halt eher nichts für Erwachsene. :)) Mit 14 hätte ich „Cars“ bestimmt auch geguckt. Mich haben diese PIXAR-Filme nie angesprochen, schon vom Trailer her.
        Ja, Edna Mode sieht wirklich Linda Hunt sehr ähnlich. :))

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