Mein Vater meinte letztens zu mir, dass ich viel zu Ernst sei und gar keine Träume mehr habe. Wenn man unter Träume versteht, im Lotto zu gewinnen und dann einen Abflug zu machen, hat er womöglich Recht. Wenn man unter Träume Ziele versteht, dann ist er derjenige, der nicht mehr träumt, weil er Träumer geworden ist.

Als Kind hatte ich eine rege Fantasie und hohe Träume. Ich träumte davon olympisches Gold zu gewinnen, egal in welcher Disziplin, Hauptsache gewinnen. Ich träumte davon ein Sportidol zu sein. Doch mein mangelndes Sporttalent hat mir meinen kindlichen Traum genommen. Ich fing an, jeglichen Sport im Fernsehen quasi Live zu kommentieren, eine Angewohnheit, die ich bis heute habe, um vielleicht mal über die großen Sportereignisse berichten zu können, auch wenn ich das immer wieder abstritt.

Ich hatte jedoch noch einen anderen großen Traum. Ich wollte Musik machen, hatte ich doch früh meine Liebe für sie entdeckt. Ich wollte singen, zur Not die Kehle aus dem Leib, doch in der dritten Klasse sagte mir meine damalige Musiklehrerin, dass ich von Natur aus zu hoch singen würde und das nicht richtig korrigiert kriege. Ich war wie weggetreten, ich fing an mich zu hören und es war immer schief. Das hielt mich davon ab, ernsthaft zu singen. Als mein Musiklehrer zu mir meinte, ich müsste meinen musikalischen Input mit Output ausgleichen, dabei hatte ich meinen musikalischen Traum längst aufgegeben. Instrumente lernen hab ich versucht und schnell abgebrochen, weil mir der Ehrgeiz fehlt. Singen kann ich nicht und durch die Pubertät hat sich meine Gesangsstimme eh noch weiter verschlechtert. Ich wäre gerne in den zwischenzeitlich existierenden Schulchor gegangen, nur wenn ich nicht singen kann, hab ich da nichts zu suchen. Das alles wurde mir nochmals bewusst, als ich anfing Glee zu schauen, schließlich geht es da um den Aufstieg eines Showchors. Es wird Zeit die alten Träume zu beerdigen.

Doch was sind meine aktuellen Träume? Über allem steht der Wunsch als Frau zu leben, daneben der Wunsch für sich selbst zu sorgen oder einfach mal mit den besten Freunden in den Urlaub zu fahren. Und an Tagen wie heute, fühlen sich selbst diese Träume so weit entfernt an, wie jene in meinen Kindertagen…

4 Kommentare zu „Träumst du noch oder lebst du schon?

  1. Nur Mal kurz zum Singen. Meine Stimme ist jetzt auch nicht gerade engelsgleich aber ich finde auch man sollte Sachen die einem einfach Spaß machen… Ich habe kein besonders Talent zum Ballett tanzen mache es trotzdem. Genauso ist es beim Singen. Learning bei doing.
    Manchmal kommt es hauptsächlich darauf, dass man Spaß hat

    Gefällt 1 Person

    1. Das Problem ist ja, wenn ich weiß, dass es eigentlich nicht gut werden kann, ich auch überhaupt keinen Spaß mehr daran empfinde. Singen wurde so zur Leidenschaft, mit Betonung auf Leiden…

      Gefällt mir

    2. Also ich würde es auch toll finden, Deutschland mal beim ESC zu vertreten, ich kann aber genauso wenig singen 😂 Trotzdem mache ich es gerne, wenn YouTube läuft. Oder beim Haare föhnen. Ich föhne ausgiebig Haare, weil sie ja schulterlang sind und ich hab als Teenie angefangen, dabei zu singen, weil mir der Föhn mit seinem Geräusch auf die Nerven ging – heute bin ich 22 und singe immer noch gerne beim Föhnen 😂😂

      Gefällt 1 Person

  2. Hi EcceHomo,
    das ist schade, dass sich deine Kindheitsträume aufgelöst haben, aber ich glaube, so geht es den meisten Menschen, da man als Kind oft noch wesentlich unrealistischere Träume hat als als Erwachsener – oder viel simplere, je nach dem.

    Träume bleiben dennoch wichtig. Keine Träume zu haben ist eigentlich einem leblosen Schweben gleich. Keine Träume bedeutet keine Motivation – und wieso sollten wir dann überhaupt noch tagtäglich aufstehen, krass gesagt?

    Was ich vor kurzem gelesen habe, allerdings noch nicht so eingehend studiert, ist, dass sich der Mensch sehr glücklich fühlt, wenn er „im Flow ist“, wie man es auch sprichwörtlich sagt. Mit Flow ist dabei gemeint, einen Punkt oder eine Tätigkeit zu finden, bei der man weder unter- noch übermäßig überfordert ist.

    Hat man sowas erstmal gefunden, wird das schnell zur Leidenschaft – und erzeugt in einem auch den Wunsch nach dem Erreichen bestimmter Ziele.

    Mit dem Singen warst du mehr als nur überfordert – dir wurde von Anfang an die Möglichkeit oder Motivation genommen, weiter daran zu arbeiten.

    Auch mit dem Sport hat es wohl nicht geklappt.

    Aber ich hoffe für dich, dass du etwas findest, was dich regelmäßig in den Flow versetzt…

    Liebe Grüße
    Katharina Hohenfels

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s