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Zwei Familien wollen 1979 per Heißluftballon aus der DDR gen BRD fliehen. Nachdem ein erster Versuch scheitert, entwickelt sich ein Katz-Maus-Spiel mit der Stasi…

Kritik

Bei kaum einen anderen Film, habe ich so auf die Regiearbeit geachtet, wie bei diesem hier. Der Grund liegt auf der Hand, Ulkkönig Michael Bully Herbig hat dieses Thrillerdrama inszeniert. Wer vorher an den Fähigkeiten Herbigs gezweifelt hat, wird eines besseren belehrt. Seine Regieleistung ist fabelhaft. Der Film strotzt vor mutigen Einstellungen, cleveren inszenierten Momenten, sowie einem cinematischen Look. Dort, wo viele deutsche Filme scheitern, brilliert Cineast Herbig, der sowohl Jump-Scare Anleihen, Lichteffekte und Wettereffekte perfekt für sich nutzt. Einzig den sehr dick aufgetragenen Score empfand ich teilweise unpassend. Das Szenenbild hebt sich genauso vom üblichen Niveau ab, wie die Ballonsszenen.

Wer meine Kritiken ließt, wird wissen, dass eine perfekte Inszenierung für mich wenig Wert hat, wenn die Geschichte nicht stimmt (Mad Max: Fury Road & The Shape of Water dienen als jüngste Beispiele). Glücklicherweise erweist sich hier auch das Drehbuch als temporeich und durchdacht. Einzig die stiefmütterlich behandelte Liebschaft zwischen Sohn & Nachbarstochter fällt da negativ auf. Obwohl der Ausgang der Flucht bekannt ist, fiebert man als Zuschauer mit. Von der Darstellerriege brilliert vor allem Friedrich Mücke, der bisher in seichten Filmen verschenkt war. Mücke bietet eine facettenreiche Performance des Vaters, der bereit ist, für ein besseres Leben ein horrendes Risiko einzugehen. Der von Thomas Kretschmann gespielte Oberstleutnant ist zwar der eindeutige Antagonist, doch schon seine erste Szene zeigt, dass seine Figur das Regime sowie seine Aufgabe mehr hinterfragt, als der Führungsriege recht war. Dieses ambivalente in der Figur hilft dem Film meiner Meinung nach, auch weil Kretschmann der einzige ist, der auf Mückes Niveau agiert. Auch das System DDR wird gezeigt, sodass auch in diesen Film das Unrechtsregime demaskiert wird. Dafür sind die Motive der Hauptfiguren ein wenig zu knapp ausgefallen, was jedoch durch den Westfernsehen schauenden Stasinachbar oder dem ambivalenten Oberstleutnant leicht aufgewogen wird.

Von daher ist Herbigs Dramathrillerdebüt, trotz kleinerer Schwächen, ein gelungener Film, weswegen man nur begrüßen kann, wenn die einstige Ulknudel nun ernstere Themen anpackt. Vor allem cinematisch hebt sich Ballon deutlich vom deutschen Kinostandard. 9/10

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2 Kommentare zu „Ballon

  1. Gut zu lesen, dass es scheinbar wieder einen recht guten deutschen Film gibt. Mich kostet es immer viel Überwindung, einen deutschen Film zu gucken. Konnte mich die Tage nicht mal überwinden, den deutschen Beitrag für die Oscars zu gucken…jedenfalls nicht, nachdem ich gelesen habe, dass er länger als 3 Stunden ist und nicht wirklich gut sein soll. 🙂

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    1. Deswegen habe ich den neuen deutschen Oscarfilm auch nicht gesehen, abgesehen davon, dass ich kein großer Fan von Donnersmarck bin. Wenn ich deutsche Filme im Kino sehe, habe ich immer das Glück gute Filme zu sehen, auch weil ich filtere.

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