Über Instagram wurde mir letzte Woche ein Video zugeschickt, in dem Luke Mockridge zusammen mit Faisal Kawusi Teile des Musikvideos des Instantklassikers „All the things she said“ nachstellen. Diejenigen, die das Video nicht kennen, werden nicht verstehen warum ich auf einmal belustigt war sowie beschlossen hatte, diese Woche über jenen Song zu schreiben.

t.A.T.u wurde 1999 vom Musikproduzenten Ivan Nikolaievitsch als Retortenprojekt gegründet. Jelena Katina und Yulia Volkova sollten die russische Antwort auf Britney Spears sein. Mit einem homoerotisch angehauchten, verruchten Lolitaimage sollte der weltweite Musikmarkt erobert werden. Dafür musste der Name, der übrigens „Die eine liebt die andere“ bedeutet, auch die in der eigentümlichen Schreibweise niedergeschrieben werden. Tatu war schon von einer australischen Band besetzt. Nach ersten Achtungserfolgen in der Heimat wurden t.A.T.u. 2001 von Universal für eine weltweite Vermarktung unter Vertrag genommen.

Der weltweite Erfolg stellte sich mit der Verpflichtung von Mastermind Trevor Horn, der schon Frankie goes to Hollywood zum Erfolg führte, ein. Die erste Single des zweiten Albums namens „All the things she said“ sollte sich über sechs Millionen mal verkaufen und einer der erfolgreichsten Songs des Jahres 2003 werden. Der vom russischen Markt geprägte Sound wurde dezent angepasst. Die Synthies waren zu Beginn melodisch und spielen ein Instrumental gegen Ende. Dazu wurden harte Gitarrensounds sowie ein langsames Tempo gewählt. Auch das kontroverse Musikvideo, in dem die Sängerinnen im Regen stehend hemmungslos knutschen und es fast schon wild treiben sorgte für den Erfolg. t.A.T.u. waren ein Phänomen mit kontroverser Marketingstrategie sowie guten Songs.

Die lesbische Beziehung der Sängerinnen stellte sich mehr und mehr als Kalkül heraus, sodass die liberale Moral des Musikvideos immer mehr in Vergessenheit geriet. Spätestens nachdem t.A.T.u. beim ESC 2003 „nur“ den dritten Platz belegten war das Duo auf den absteigenden Ast. Heutzutage wäre eine solche Band aus Russland undenkbar, Volkova betonte 2014, dass sie sich für eine Lesben einsetzen würde, einen schwulen Sohn aber verstoßen würde. Heute gilt „All the things she said“ als Meilenstein, die Protagonisten und ihre Geschichte sind jedoch als reine Inszenierung in Vergessenheit geraten.

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3 Kommentare zu „Schräg, aber gut (35) – t.A.T.u. „All the things she said“

  1. Bin ja so gar nicht für ESC zu haben. Aber an den Song und den einhergehenden „Skandal“ kann ich mich noch bestens erinnern. Den Song fand ich recht gut 😊

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  2. Ich hab Luke und Faisal auch gesehen! Wie die Passanten geguckt haben 😂😂 Die Frage ist: Wegen dem Kuss oder weil es mitten auf der Straße war? 😂😂

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