Manchmal sind Songs vor allem wegen ihres Interpreten schräg. Bruce Springsteen war zwar immer schon variabel, was seinen Sound angeht, aber als er von Jonathan Dumme gefragt wird, ob er den Titelsong für dessen neuen Film schreiben möchte, geht er einen neuen Weg und schreibt einen einzigartigen Song.

Demme wusste haargenau, weshalb er Springsteen den Auftrag gab einen Song für sein Aidsdrama „Philadelphia“ zu schreiben. Springsteen beherrsche es wie kein anderer menschliche Dramen in Songs zum Ausdruck zu bringen. Songs wie Born in the U.S.A., Hungry Heart, I’m on fire oder auch die erst durch Coverversionen bekannt gewordenen For You und Blinded by the Light bewiesen dies. Springsteen ließ sich von Demme den Filmanfang zukommen und war entschlossen den richtigen musikalischen Background zu liefern. Demmes Film beginnt mit einer Montage von Straßenzügen Philadelphias, in dem Elend, Leid Verzweiflung und Kummer zum Ausdruck kommen. Springsteens „Streets of Philadelphia“ stellt ein Klagelied dar, was in dem von Demme gedrehten Video, in dem The Boss durch die besungenen Straßen läuft, hervorgehoben wird. Musikalisch dominiert ein Drumcomputer und ein atmosphärischer Synthesizer in dieser Ballade. Keine Gitarre, kein richtiges Schlagzeug, kein typischer Springsteensong, aber dennoch ein phänomenales Lied. Charakteristisch ist Springsteens dem Sprechgesang ähnliche Art den Text zu singen und zu interpretieren.

Das lässt „Streets of Philadelphia“ für mich zu einem besonderen Stück Musik werden, bei dem ich immer Gänsehaut bekomme. Der Song ist eine großartige Ballade und wurde 1994 auch Bruce Springsteens erster Nummer 1 Hit in Deutschland und seine bis heute meistverkaufte Singleauskopplung.

Springsteen bekam für Streets of Philadelphia auch den Oscar, worauf er in seiner Dankesrede Scherzahaft meinte, jetzt wo er einen Filmsong geschrieben habe, ginge es nur noch bergab. Die Alben des 20-fachen Grammypreisträgers verkaufen sich jedoch bis heute prächtig.

2 Kommentare zu „Schräg, aber gut (44) – Bruce Springsteen „Streets of Philadelphia“

  1. Ich war nie ein Fan von Springsteen und bin es auch bis heute nicht. Aber „Streets…. „ fand ich immer gut, vermutlich, weil er musikalisch so wenig Springstern war. Natürlich war auch der Film damals ein echtes Erlebnis.

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