Inhalt

Der leicht pummelige Hans-Peter Kerkeling (Julius Weckauf) zeigt in seiner Kindheit schon komödiantisches Talent, welches er vor allem einsetzt, um seine Mutter Margret (Luise Heyer) aufzuheitern. Als diese ihren Geschmackssinn verliert, verliert sie nämlich auch ihren Lebenswillen. Daneben muss Hans-Peter den Tod seiner Oma Änne (Hedi Kriegeskotte) verkraften…

Kritik

Für mich gab es zwei Gründe diesen Film zu sehen, zum einen lache ich mich bis heute über Hape Kerkelings Aktionen kaputt, zum anderen mochte ich den Oscar-prämierten Film „Nirgendwo in Afrika“ von Regisseurin Caroline Link sehr. Letzteres lässt sich darauf zurückführen, dass ein Familiendrama vor historischer Kulisse ausgetragen wird. In gewisser Weise lässt sich das auch über „Der Junge muss an die frische Luft“ sagen, hier setzt das Drama der Familie Kerkeling im Ruhrgebiet der frühen Siebziger Jahre an.

Während Bühnenbild und Kostümierung in meinen Augen gelungen sind, hätten ein paar mehr zeitgemäße kulturelle Anspielungen den Film garnieren können. Link fokussiert sich hier eindeutig auf das persönliche Schicksal Kerkelings, was dem Film ein paar Längen beschert. Vor allem wenn das Drama überwiegt sind nicht alle Szenen so ergreifend wie gewollt. Das liegt auch an der in meinen Augen zu stark eingesetzten Filmmusik. Dennoch ist „Der Junge muss an die frische Luft“ ein sehr guter Film. Das liegt zu aller erst an den großartigen Julius Weckauf, der den ganzen Film über so war, wie man sich Hape Kerkeling als Kind vorstellt, knuffig, witzig, mit einem herrlichen Dialekt und mit einem Gefühl für Komik. Daneben zeigt das Drehbuch, was für ein exzellenter Beobachter des Alltags der junge Hans-Peter war. Die Szenen in denen er gerade gesehenes parodiert waren mit die besten des Films und hinreißend witzig. Neben Weckauf spielen Luise Heyer als Mutter Margret mit einer nuancierten ruhigen Leistung sowie Hedi Kriegeskotte als liebenswerte Oma Änne groß auf. Jede Szene mit Änne war zum genießen, wie zum Beispiel eine Szene, in der sie dem jungen Hans-Peter sagt, er solle machen was er will, egal was die Leute denken würden. Die ergreifendste Szene war eine Bettszene, es war die erste Szene seit meinem „La La Land“ Besuch, bei der ich beinahe Heulen musste.

Dadurch fällt der Film bis kurz vor Schluss auch in eine deutlich dramatischere Stimmung als zuvor, was dem Film die oben erwähnten Längen beschert. Technisch war der Film solider Kinostandard, während der Abschluss ungewöhnlich aber passend ist. Deswegen ist „Der Junge muss an die frische Luft“ ein sehenswerter Streifen über die Kindheit Hape Kerkelings, der vor allem mit einem herausragenden Jungdarsteller aufwarten kann, den sicher auch nicht Fans Kerkelings positiv aufnehmen werden. 8/10

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2 Kommentare zu „Der Junge muss an die frische Luft

  1. Ich kenne das Hörbuch ja in- und auswendig. Wenn ich unterwegs bin ist es eines der Bücher, die ich mir anhöre, um im Flieger einzuschlafen. Klingt frech, ist aber ein Kompliment, weil ich bei uninteressanten oder schlecht gesprochenen Hörbüchern nicht schlafen könnte. Mittlerweile kenne ich das Buch aber komplett. 🙂 Den Film will ich mir auch irgendwann anschauen. Vom Trailer her fand ich den Jungen sehr glaubwürdig als Hape.

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