Kaiserstadt, Jodelhauptstadt, Universitätsstadt: Das alles ist Aachen oder besser gesagt Bad Aachen. Um im deutschen Städteverzeichnis an erster Stelle zu stehen wurde das Bad jedoch geopfert, heute erinnert daran nur noch die gerade wohl renovierte Carolus Therme, der ich einen Besuch abstaten sollte. Jetzt frisch nach Aachen gezogen, möchte ich eine Einführung geben in eine Stadt , für die ich eine Hassliebe empfinde.

Schon Karl der Große war von Aachen begeistert, sodass er sich hier zum Kaiser krönen ließ. Sonst fristete Aachen in der Geschichte ein Schattendasein, aber immerhin waren die Aachener „lous“ (öcher Platt für schlau) genug, um den Teufel zu linken. Was das alles mit dem Aachener Dom zu tun hat, kann man hier nachlesen. Ergebnis der Geschichte ist der Lousberg, von dem man zwar die gesamte Stadt überblicken kann, der aber sonst eher einen morbiden Charme hat. Einen maroden Charme hatte der alte Aachener Tivoli. Dieses Fußballstadion hatte die einmaligste Atmosphäre in ganz Fußballdeutschland, Uwe Seeler sprach von einer Stimmung „wie im Maracana“, der Sportreporter Sven Pistor schrieb, dass nichts an den Aachener Tivoli herankomme. Zu dieser Stimmung gesellte sich das immer nasskalte Wetter. Eine alte Regel besagt, regnet es zwischen zwölf und ein, regnet es den ganzen Tag. Wenn mal nicht ein so dürres Jahr wie 2018 ist, ist dem auch so. Dann kann auch der Öcher Bend (zweimal im Jahr stattfindende Kirmes) zu einem matschigen Vergnügen werden. Direkt daneben befindet sich das Lindtwerk, was an sich keine große Sache wäre, hätten die keinen günstigen Werksverkauf. Wenn man von da aus weiter fährt landet man kurz vor einer der zahlreichen Grenzen zur Niederlande (im südlichen Teil der Stadt auch Belgien) beim Universitätsklinikum. Ein Bau, dessen Hässlichkeit kaum in Worte gefasst werden kann, was keine große Sache ist, im Gegensatz zu den im Erstentwurf vergessenen Toiletten.

Nicht nur das Klinikum kann mit einer absurden Baugeschichte auftrumpfen, auch das Super C ist vor Baufehlern nicht gefeilt. Aachener Architekten haben die Idee für das Informationszentrum der Technischen Hochschule so umgesetzt, dass dieses Gebäude mit dem unterirdischem Teil von der Seite aus wie ein C aussieht. Dumm nur, wenn in den Konferenzraum nur fünfzig Leute reindürfen, da sonst die Einsturzgefahr zu groß wird. Ein weiteres Beispiel Aachener Baukunst ist der Bau eines Einkaufszentrum an Aachens tiefster Stelle, dem Kaiserplatz. An sich ist so ein Einkaufszentrum am Rand der Innenstadt keine schlechte Sache, aber wenn das Parkhauskonzept ein tiefe Einfahrt an der tiefsten Stelle einer regnerischen Stadt vorsieht, dann sollten Überflutungen dort logisch sein. Eigentlich ist es verwunderlich, dass das Parkhaus nicht öfter geschlossen werden musste. Dem ganzen die Krone aufsetzend heißt das Einkaufszentrum „Aquis Plaza“. Vielleicht haben sich deshalb zunächst die Bürger gegen den Bau eines Einkaufszentrums an der Stelle ausgesprochen. Genauso wurde die Campusbahn in einem Bürgerreferendum abgelehnt. Allerdings erscheint da der Grund noch einleuchtender, nicht, dass Aachen keine Straßenbahn benötigen würde, der Verkehr platzt aus allen Nähten, die Busse sind zu Stoßzeiten vollkommen überlastet, aber in den 1970ern wurde ohne Not die Straßenbahn eingestellt sowie nahezu alle Schienen entfernt. Stattdessen fahren einige Buslinien, welche die Namen von den Straßenbahnen übernommen haben, diese Strecken ab. Wer also nach Aachen kommt, muss sich auf sehr volle Busse und wenig Parkplätze einstellen, aber das ist ja in jeder Großstadt so.

Obwohl Aachen mehr als 250.000 Einwohner hat wirkt die inzwischen von den Studenten geprägte Stadt nicht wie eine richtige Großstadt, was der Stadt einen ureigenen Charme gibt. Neben dem oben erwähnten Pannen, dem häufigen Regen spielt auch der „Öcher Platt“ eine Rolle. Wenn man so tun will, als ob man aus Aachen stammt, muss man an fast jeden Satz „Au Hur“ heranhängen, außer man empfindet Mitleid, dann sagt man „Och Herm“. Der Dialekt hat natürlich noch mehr Facetten, einige sind noch aus dem frühen 19. Jahrhundert als Napoleon einmarschierte, wie zum Beispiel das Plümmo (Bettüberzug). Wer in Aachen ist, sollte den Dom besichtigen (Anm. Ich hab den Dom noch nie von innen gesehen), um festzustellen, dass er der schönste Dom ist. Nebenan findet einmal im Jahr das Domspringen auf dem Katschhof statt, bei der sich die Weltelite des Stabhochsprungs trifft. Neben dem CHIO, dem legendären Reitturnier, und den Volleyballdamen sowie der inzwischen viertklassigen Alemannia ein sportliches Highlight in der Region. Wer gerne Weihnachtsmärkte besichtigt, kommt an den wunderschönen Aachener Weihnachtsmarkt rund um den Dom nicht vorbei. Sollte akute Shoppingnot bestehen, kann man im Spinnennetz der Einkaufsstraßen der Lust frönen.

Kurzum in Aachen ist für jeden was dabei und wer immer noch nicht überzeugt ist, die Nordeifel und das Dreiländereck sind direkt in der Nähe, so ist der von mir aus nächste Aldi im niederländischen Vaals. Von daher kann ich Aachen trotz seiner Schwächen für einen Städtetrip empfehlen. Höchstwahrscheinlich gibt es viel mehr aus der Touristenperspektive zu entdecken, die ich aber kaum einnehmen kann.

5 Kommentare zu „Lohnt sich ein Städtetrip nach Aachen? oder warum mich mit Aachen eine Hassliebe verbindet

  1. Aus deinem Text kommt nicht wirklich hervor, dass du einen Städtetrip empfiehlst. Ebenso sind manche Dinge, wie z. B. die Gründe gegen die Campusbahn ohne jedes Hintergrundwissen aufgeführt. Darüber hinaus wurden die vielen schönen Parks, beschauliche Innenstadt im alten Stil und die Wurm vergessen. Ebenso gibt es tolle Sportangebote und der Stadtwald lädt nicht nur zum Wandern sondern auch zum Mountainbiken ein. Einen der besten Ausblicke über die Innenstadt hat man auch von der Domspitze aus. Bei einem Städtetrip sollte diese auf jeden Fall besucht werden.
    Demnach SEHR subjektiv geschrieben.

    PS: dein Deutschlehrer tut mir Leid..

    Achja: Auch wenn ich mir deine Beiträge gerne durchlese und mit dir übereinstimme trifft das auf deine Bewertung zu Aachen nur teils zu. Am meisten vertete ich aber wie du, dass Aachen sehenswert ist!

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    1. Erst einmal Danke für die Kritik. Schließlich gibt es immer was zu verbessern. Ich hab zumindest eine kleine Bearbeitung vorgenommen, aber ein Blogartikel ist meistens sehr subjektiv geschrieben. Dies ist gerade bei mir der Fall.
      Wieso tut dir mein Deutschlehrer, wobei ich eigentlich immer Deutschlehrerinnen hatte, Leid?

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      1. -Universiätsstadt
        -Besuch abstaten
        -eine Stadt , für
        -begeistert, so dass
        -zu dem […] WCs
        -aus allen Näten
        -Neben dem […] Pannen

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  2. Wunderbar! Städtetrip mit Personare und dir, ich kommeeeeee 😂😂
    @Besserwisser: Willkommen! In deinem ersten Kommentar müsste es heißen: „[…] und mit dir übereinstimme [KOMMA] trifft das […]“. „Auch wenn“ leitet stets einen Nebensatz ein, der vom Hauptsatz durch Kommata abzutrennen ist 😉

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