Inhalt

Gary Hart (Hugh Jackson) ist der designierte Präsidentschaftskandidat der demokratischen Partei für die US-Wahl 1988, er gewinnt die ersten Vorwahlen und liegt auch vor dem republikanischen Kandidat George Bush. Als er jedoch mit einer möglichen Affäre gesichtet wird, wendet sich das Blatt gegen ihn.

Kritik

Jason Reitman hat eine sehr wechselhafte Filmographie hingelegt, bei der die Qualitätskurve seiner Filme zuletzt nach unten zeigte. „Der Spitzenkandidat“ ist zwar ein passabler Film, aber einer dieser Filme, die viel besser sein könnten. Das fängt mit der inzwischen kurzen Laufzeit von etwas mehr als 100 Minuten an. In dieser Zeit schafft es Reitman zwar die drei entscheidenden Wochen in Harts politischer Karriere zu porträtieren, jedoch kratzt er in meinen Augen nur an der Oberfläche.

Der Film konzentriert sich auf die letzten Konsequenzen von Harts Affäre(n), jedoch bietet er zu selten Einblicke in den Hintergrund. Ich hatte nach dem Film mehrere ungeklärte Fragen. Warum wurde ausgerechnet an Gary Hart ein Exempel von Seiten der Medien statuiert? Warum galt Hart als charismatischer Menschenfänger, der Politik greifbar machen konnte? Wie standen seine Parteigenossen zu ihm? Es ist ohne diesen Background schwierig die gesamte Situation zu erfassen, der Film wirkt wie auf ein Minimum reduziert. Die erzählten Fakten erzählt der Film zwar routiniert runter, aber große Spannung baut sich nur selten auf. Dazu kommt, dass die wenigsten Figuren viel Tiefe zeigen, so ist der Washington Post Journalist A.J. Parker (großartig: Mamadou Athie) der greifbarste Charakter. Vera Farmiga als Lee Hart und J.K. Simmons als Wahlkampfmanager wirken in ihren Rollen verschenkt. Daneben halte ich den Australier Hugh Jackman hier für eine Fehlbesetzung, so sieht er zwar dank Perücke Gary Hart einigermaßen ähnlich, jedoch wäre ein Mann wie Christian Bale oder Sam Rockwell eine viel bessere Wahl gewesen. Die erzählte Geschichte hätte einen vielschichtigeren und qualitativ besseren Film verdient. Positiv herauszuheben ist das authentische Setting genauso wie die neutrale Erzählweise.

Fazit

„Der Spitzenkandidat“ ist ein solider Film, der aber durch einen mittelmäßige Hauptdarstellern, fehlender Figurentiefe und einer zu oberflächlichen Erzählung verpasst, zu einem großen Wurf zu werden. 6/10

2 Kommentare zu „Der Spitzenkandidat

  1. Ich fand die Situation leicht zu erfassen. Gute Filme erläutern auch nicht alles haarklein, weil die Autoren und Regisseure dieser Filme ihre Zuschauer nicht für Idioten halten 🙂 In meinen Augen ist Jason Reitman ein spannenderer Film über Journalismus gelungen als Spielbergs Film „The Post“ vom vorherigen Jahr.

    Ich bin ja kein Fan von Hugh Jackman, aber hier fand ich ihn wirklich besser als normalerweise, trotz störender Perücke. Bei Mamoudou Athie kommen wir aber wieder zusammen. 🙂

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    1. Ich hatte das Gefühl, dass der Film nicht fein genug ist. Es muss auch nicht alles haarklein erklären, ich fand den Film nicht wirklich spannend und ich glaube, dass der Film deutlich besser hätte werden können. Wenn wir über gute Journalismusfilme der letzten Jahre sprechen müssen wir „Spotlight“ (den fand ich vorzüglich) als Messlatte nehmen. Ich empfand den Film auch in erster Linie nicht als Journalismusfilm sondern als Charakterdrama. Hugh Jackman hat es geschafft, dass ich in diesem Film dachte, dass Hart sein Schicksal verdient, spricht nicht gerade für eine gute Leistung. Aber es wäre ja langweilig, wenn wir immer einer Meinung wären. Ich hab heute früh BlacKkKlansman nachgeholt und bei dem kommen wir wieder zusammen. Den Film fand ich herausragend, der einzige Film den ich nicht in Kino sah und es in meine Top 10 2018 geschafft hat.

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