Balladen können doch gar nicht schräg sein, oder? Natürlich, denn kein anderes Genre ist so eng gefasst, doch schon in den Sechzigern gab es einen Nummer 1 Hit, der alles anders machte: „Eloise“ gesungen von Barry Ryan, geschrieben von Zwillingsbruder Paul Ryan.

1948 in der Industriestadt Leeds geboren sind die Söhne einer Sängerin mit 15 Jahren ins Showgeschäft eingestiegen. Zunächst bekannt als die „Ryan Brothers“ zog sich Paul ins Songwriting zurück, während Barry davon profitierte. Barry Ryans Stimme, die samtweich klingt schreit nach Balladen und Orchesternummern. Als Paul die Orchestralnummer „MacArthur Park“ von Richard Harris hörte, wollte er eine Ballade in diesem Stil schreiben. Der Text, der von einem lyrischen Ich, welches seine Angebetete Eloise besingt, war simpel gestaltet und sollte Beiwerk sein. Der Schwerpunkt bei der Konzeption lag auf den Stärken von Barrys Stimme sowie dem Orchester.  Orchesterleiter Johnny Arthey schrieb ein auf Paul Ryans Wünschen abgestimmtes symphonisches Konzept in dem ein charakteristisches Interludium eingebaut ist, bevor die Ballade wieder an Fahrt aufnimmt.

Der ungewöhnliche Song, der mit 5:44 Minuten doppelt so lang wie die Ende der Sechziger üblichen Charthits war, toppte unter anderem in den Benelux-Staaten, Deutschland und Italien die Charts, während er in Ryans Heimat knapp die Spitze verpasste, sich jedoch insgesamt drei Millionen mal verkaufte. Einzig der ganz große Erfolg in den U.S.A. blieb „Eloise“ verwehrt, dort erreichte Barry Ryans Song nur Platz 86. Während Ryan in Deutschland noch ein paar kleinere Hits hatte und auch auf Deutsch sang, versank er in seiner Heimat schneller in der Versenkung. Zwillingsbruder Paul schrieb noch für Frank Sinatra, zog sich jedoch auch 1971 aus dem Musikgeschäft endgültig zurück. Bis er mit 44 Jahren an Lungenkrebs starb, leitete er noch eine Friseurkette. Barry tingelt mit seinen Songs, vorwiegend „Eloise“, bis heute durch die Welt und hat in den letzten fünf Jahren zwei neue Alben veröffentlicht.

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