Inhalt

Während eines NBA-Lock-Outs bekommt der Spielerberater Ray Burke langsam Geldprobleme, genauso wie einer seiner Rookiespieler, den er unter Vertrag hat. Die Spielergewerkschaft hat ebenso wie die Vereinigung der Franchiseinhaber kein Interesse den Streik zu beenden, daher fängt Ray an sein eigenes Spiel zu spielen…

Kritik

Normalerweise schreibe ich keine ausführlicheren Rezensionen über Netflixfilme, selbst bei Roma belasse ich es bei einem langem Kommentar am Ende des Monats. Dieser neue Film von Steven Soderbergh schreit jedoch nach einer ausführlichen Bearbeitung.

Dieser, wie der hervorragende „Unsane“ auf iPhone-Kameras gedrehte Film taucht in die komplizierte Welt der Sportpolitik ein. Dabei setzt das teilweise exzellente Drehbuch Fachwissen zum vollständigen Verständnis voraus, alle anderen können den Film auch Folgen, jedoch mit weniger Verständnistiefe. Der Film ist vollkommen aus Ray Burkes Perspektive erzählt, was zunächst positiv ist, da er der Anker für Laien ist und sein Handeln auch äußerst moralisch wirkt. Stellenweise hat der Film mich an Adam McKays exzellenten Film „The Big Short“ erinnert, nur dass Soderbergh und Drehbuchautor Tarell McCraney (Oscar für Moonlight) skrupellose Supereiche, die aus Gier sich ein Sportfranchise halten, im Visier anstatt die Banken. Dabei wird das Vorhaben durch sehr gute Schauspielleistungen unterstützt, neben Hauptdarsteller Andre Holland haben mir Zazie Beetz und in einer kleinen Rolle der bekannte Seriendarsteller Kyle MacLachlan gefallen. Erstaunlicherweise schafft Soderbergh (der auch Kamera und Schnitt übernahm) es, den Film mit der iPhone Optik stark in Szene zu setzen.

Der Film wäre exzellent hätte er nicht zwei grobe Probleme. Zunächst einmal entwickelt sich die Story so weit, dass Burke eine Piratenliga plant, da die vorwiegend schwarzen Basketballer nach der Pfeife von supereichen weißen Teambesitzern tanzen müssen. Der Film entwickelt suggestiv eine Rassismusdebatte und eine Opferrolle für die Basketballer. Dabei wird allerdings vergessen zu erwähnen, dass selbst ein junger durchschnittlicher NBA-Spieler innerhalb eines Jahres zum Millionär wird (womit der Vergleich, der in der letzten Szene gezogen wird fast schon an Beleidigung grenzt). Genauso störend war der zwar zu erahnende Plottwist am Ende, der aber die moralische Instanz des Films als genauso verkommende Person im System NBA präsentiert. Daneben schafft der Film (formale) Parallelen zu Soderberghs Boykott der großen Filmstudios, von daher passt es, dass der Film genauso wie Soderberghs gerade in Arbeit befindlicher Film von Netflix finanziert worden ist. Es ist anzunehmen, dass Netflix plant, sein Angebot wie in „High Flying Bird“ angedeutet auf Sportrechte auszuweiten, was zu einer zu großen Marktmacht des Konzerns führen könnte.

Fazit

Als Sportpolitikthriller ist „High Flying Bird“ ein exzellenter Film, welcher sich jedoch durch seine gewählte Moralebene übernimmt. Die moralische Instanz wird als skrupelloser Geschäftsmann entlarvt, der seine eigenen Interessen unter scheinbar moralischen Interessen vorantreibt, wodurch die schon fragwürdige Debatte innerhalb des Film vollkommen kontrakariert wird. 5/10

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5 Kommentare zu „High Flying Bird

  1. Dafür, dass du so häufig das Wort „exzellent“ verwendest, hätte ich mit einer höheren Bewertung gerechnet 😉

    Habe die moralischen Probleme, die du anschreibst, selbst nicht erkannt (sehen wollen?). Er überlässt es auch am Ende dem Zuschauer, wie man die Beweggründe der Hauptfigur bewertet und ob man sich Der-zweck-heiligt-die Mittel anschließt. Zu keiner Sekunde habe ich es so wahrgenommen, als würde irgendeine Haltung im Film als die „richtige“ verkauft.
    Deswegen empfinde ich ihn einfach nur als guten Film über sportliche Hintergründe, dessen Dialoge nicht ganz an den vergleichbaren Film Moneyball heranreichen, aber wenigstens nicht zum Großteil dazu dient, Brad Pitt einen Oscar zu bescheren.
    Die Rassismusdebatte habe ich auch nur nebenschwellig wahrgenommen. Allerdings ist das nach wie vor ein Problem in den USA, weswegen ich keinem Film böse darum bin, das irgendwie einzubauen. Besonders dann, wenn es um den Sport geht.

    „dass selbst ein junger durchschnittlicher NBA-Spieler innerhalb eines Jahres zum Millionär wird“

    Hat sich das Drehbuch nicht genau deswegen der gerade gedrafteten Spieler angenommen, die durch den Lockout überhaupt keine Kohle bekommen und auch noch nie erhalten haben? Kann man nach wie vor als Luxusproblem sehen, aber empfand das trotzdem als interessante Geschichte. Klar, ein Spieler, der bereits ein, zwei Jahre Gehalt bezogen hat, wird dadurch nicht so stark getroffen worden sein.

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    1. Der Film hat etwas zeitgesitiges, aber im negativen Sinne. Ich fand gerade die unterschwellige Rassismusdebatte manipulitaiv, da der Film dort eine aufmacht, wo es keine gibt. Ich habe es die ganze Zeit sie wahrgenommen als sei der Film ein Aufruf zum Kampf gegen das etablierte System, von daher finde ich das ganze fast schon schäbig.
      Ich kann kein Mitleid für ein Großmaul empfinden, dass sich in Anbetracht eines NBA-Vertrags vollkommen übernimmt. Gerade der Vergleich mit dem Buch in der letzten Szene hinkt völlig.

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      1. Kann man wenig gegen sagen, da ich das Gefühl habe, dass du dich so fühlst wie ich, nachdem ich Passengers gesehen habe. Und dann ist der Film einfach unten durch.

        Doch auch wenn ich es nicht so gesehen habe, dass zum Kampf aufgerufen wurde, ist das System im amerikanischen Sport meiner Meinung nach für den Arsch und dürfte gerne angegriffen werden. Seien es die Franchise-Unternehmen, die reichen Schnösel an der Spitze, die vielen vertraglich verpflichtenden Verhaltensweisen der Spieler, den fehlenden Arbeitnehmerschutz (ein Hoch auf das Bosman-Urteil in der EU!) und das Ausblenden von gesellschaftlichen Problemen (was ein generelles Problem im Sport ist).

        „Ich kann kein Mitleid für ein Großmaul empfinden, dass sich in Anbetracht eines NBA-Vertrags vollkommen übernimmt.“

        Die Jungs sind 18-21 und haben kein Einkommen in einem Land ohne soziale Auffangmöglichkeiten. Klar, kann man das nicht vergleichen mit jemandem, der auch danach keine Chance hat, diese Situation zu verbessern. Nur Leid ist halt nicht vergleichbar.

        Beim Ende gebe ich dir recht, dass das dann doch einen revolutionären Charakter hat (allerdings fand ich auch das nicht aufdringlich). Klar sind die Athleten in der NBA überbezahlt. Aber die USA besteht nicht nur aus Sportlern in den großen Ligen. Wie auch hierzulande gibt es unterklassigen Sport. Daneben gibt es Sportarten wie z.B. die NFL, in der eine durchschnittliche Karriere 2-3 Jahre dauert. Wenn man es nicht schafft, hat man u.U. sogar weniger als jemand, der etwas „gescheites“ gelernt hat.
        Der Sport wird besonders schwarzen Jugendlichen als Ausweg aus einem System vorgelebt, das seit sehr, sehr vielen Jahren einer großflächigen Änderung bedarf. Und das liegt nicht nur am (Alltags-)Rassismus, der die USA nach wie vor durchzieht, sondern auch daran, dass Der Amerikanische Traum nichts weiter als die große Hoffnung ist, um die Leute ruhig zu halten. Und dau braucht es auch schwarze Jugendliche, die es im Sport zu etwas bringen. Als Vorbilder für die Verlorenen.
        Kann man alles anders sehen. Zudem spricht der Film das alles auch nicht explizit an. Man kann ihn sich auch gut als Sportfilm ansehen.

        Nur gegen deine Wahrnehmung wird niemand etwas ändern können. So wie bei mir und Passengers. Über den werde ich mich ewig aufregen können. Und auch dort gibt es genug, die es komplett anders sehen, bzw. mein Problem nie wahrgenommen haben.

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        1. Und da haben wir das Problem, der Film macht auf ein Problem aufmerksam, dass es so gar nicht wirklich gibt, anstatt den Weg zu folgen, wirklich in die Wunde zu gehen, dann hätte ich die Haltung auch vertragen.
          So wirkt das ganze vollkommen verhoben.
          Wenn sie diese moralische Ebene rausgelassen hätten und die Hauptfigur dementsprechend angepasst hätten, wäre es ein sehr guter Sportpolitikfilm gewesen.

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