Im Rheinland ist die narrische Zeit gerade zu Ende gegangen. Ich weiß viele außerhalb der Karnevalshochburgen können mit dem Spaß nichts anfangen, mir ging es ja lange Zeit ähnlich, aber dieses Jahr habe ich mich wirklich auf Karneval gefreut. Nach dem Unistress und dem Bafögstress (der sich erstmal legt) war Karneval für mich Willkommene Ablenkung. Zudem sieht man altbekannte und gemochte Gesichter, die man sonst nicht mehr so oft zu Gesicht bekommt.

Blöderweise hat sich mein bester Freund dem Karneval genau dann abgekehrt als ich mich ihm wieder hingewendet habe, glücklicherweise ist seine „neue“ Freundin karnevalsbegeistert, ergo eine echte Jeckin, blöderweise habe ich es dennoch nicht hinbekommen ihn an Karneval zu Gesicht zu bekommen. Wie er Karneval erlebt hat, ist mir also unbekannt. Mein Karneval war zufriedenstellend, obwohl ich mich nur an zwei Tagen unter die Leute begeben habe. Während ich mich an Fettdonnerstag (auch Weiberfastnacht genannt) mit Teilen der Fachschaft zur Unikarnevalsparty begeben habe, habe ich mich am Rosenmontag aufs Dorf nicht ins klassische Zelt sondern in die Turnhalle zum feiern begeben. Beide feiern hatten ihre Vor-/ Nachteile, jedoch hat das Dorf eindeutig den Vergleich gewonnen, was nicht verwundert fand ich Karneval in Köln damals nicht besonders. Ich hatte an beiden Tagen dasselbe „Kostüm“ als Frau verkleidet zu sein. Mein Kostüm bestand aus einem ausgestopften BH, einen blauen Unitop, einer drübergezogenen Jeansbluse, einer Sternjeans sowie den von meinen Freunden zum 20. Geburtstag geschenkten roten Chucks. Dazu hab ich mich mit Concealer, Lidschatten, Mascara und Lippenstift geschminkt, zumindest Teile davon wende ich sowieso öfters dezent an sowie die Fingernägel passend zur Jeansbluse Hellblau lackiert (auch wenn mich das beides mal fast zur Verzweiflung brachte). Während die nahezu Unwissenden Fachschaftler teilweise mit Respekt (man sieht gar nicht, dass du eigentlich ein Mann bist) bishin zu leichtem Lächeln auf mein Kostüm reagiert haben, haben meine besten Freunde nur mit einem „Alleeees Klar“ reagiert. Ich hab also keine Ahnung wie gelungen sie mein Outfit fanden, jedoch war sich auch die Toilettenfrau nicht sicher, ob ich ein Mann sei. So schlecht kann es also nicht gewesen sein.

Warum die Stadt so abgestunken hat? Der Eintritt war zwar frei, jedoch wurde einem für ein kleines Bier 3 Euro abgenommen, einen unverschämten Preis. Zum Vergleich auf dem Dorf gab es auf dem Dorf zwar fünf Euro Eintritt, aber einen Bierpreis von 1,50 Euro bei etwas größerer Biermenge. Im Endeffekt war ich Donnerstag Nachmittag schon wieder Zuhause, während ich Montag Abend mit ordentlich Intus wegen einer Abmachung um zehn wieder auf den Weg raus machte. Auch hatte das Dorf den Vorteil Bekannte, die ich seit dem Abi eher selten sehe, nochmal zu sehen. Man merkt vielleicht, ich hatte am Montag sehr viel Freude, an meinem Kostüm, an meinem Umfeld und auch an der Musik, sodass der Donnerstag keine Chance hatte.

Zu der Musik ist zu sagen, dass an Karneval deutschsprachiges Liedgut besonders ausgeprägt ist, so habe ich an Donnerstag nur „Cotton Eye Joe“ und „I´m gonna be (500 Miles)“ gehört, am Montag gar nur ersteren. Sonst lief Musik, die ich teilweise sonst gar nicht leiden kann: Karnevalsmusik von Bands wie die Höhner, Brings oder Kasalla, Mallorcamusik wie von Peter Wackel oder Mickie Krause, Stimmungslieder und moderner Schlager wie von Helene Fischer. Hiermit gebe ich offiziell zu, dass ich tatsächlich gerne deutschen Schlager höre und manche Karnevalsmusik höre ich auch gern. Sonst ist Karneval auch schwer zu ertragen oder man endet als Schnapsleiche. In den folgenden Tagen werde ich zwei Songs präsentieren, die mir Karneval besonders in Erinnerung geblieben sind, ein typischer Titel und ein weniger typischer. Karneval hat also nicht nur auf meine Stimmung Auswirkungen, sondern auch auf dem Blog.

Zuletzt möchte ich die gelungensten Kostüme meiner Feiergemeinden würdigen: An Fettdonnerstag fielen mir zwei Rockabillydamenkostümierungen besonders auf ebenso wie ein Harry Potter. Montags hatte ich wieder eine gelungene Rockabillykostümierung zu Gesicht bekommen, ebenso wie einen guten Freund, der aufgrund seiner Körpergröße passend wiederholter maßen als Zwerg ging. Das mit Abstand beste Kostüm hatte mein Lieblingspaar (klingt irgendwie blöd, mir fällt jedoch keine griffige Bezeichnung ein) im Freundeskreis, die sich als Liebespaar aus einem sehr bekannten und mir heiß geliebten Film verkleidet haben. Beschämenderweise habe ich dies jedoch minutenlang nicht erkannt, wofür ich mich wohl noch dreißig Jahre lang schämen werde.

 

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5 Kommentare zu „Freude und Peinlichkeit an Karneval

  1. Ein schönes und interessantes Stimmungsbild der „jecken“ Tage.
    Ich bin gespannt, welche Musikstücke Du unter die Lupe nehmen wirst.
    Obwohl ich ja (wir sprachen drüber) nicht unbedingt der Karnevalist bin, mag ich die (deutsche) Musik dazu sehr gern. Von den Bläck Föös habe ich auch einige CDs, wobei die ja ganz sicher keine reine Karnevalsband sind.

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  2. „Seine ’neue‘ Freundin“ 😂😂😂 Die Anführungszeichen 😂😂😂 Oh, das ist so sensationell geschrieben, ich liege unterm Tisch vor Lachen 😂😂😂
    Ich schwanke beim Tippen gerade zwischen „mein Kommentar klingt jetzt zu böse“ und „er ist im satirischen Rahmen“. Da der Herr mit der „neuen“ Freundin (🤭) ja weiß, wie sehr ich normalerweise für ihn schwärme, sollte dieser Kommentar aber auch mal erlaubt sein 😊 Ich freue mich nämlich weiterhin, ihn im Sommer mal zu sehen, genauso wie dich, aber der Satz ist einfach herrlich 😂😂

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    1. Inzwischen ist seine Freundin gar nicht mehr so neu, sie war nur keinmal Thema bisher. Außerdem war die Info wichtig, da er sich so Karneval geben musste, was bei ihm laut drei Minuten Sprachmemo nicht so schlimm war. Außerdem mag ich seine Freundin.

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      1. Wenn du sie magst, dann wird sie anständig sein und das ist schön zu hören. Hat er sich verdient ^^ (aber nur, wenn ich trotzdem eine Umarmung bekomme haha 😂😂 Eine einzige! 😂😂)

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