Inhalt

Tony Vallelonga (Viggo Mortensen) auch Tony Lip genannt arbeitet in einem Club als eine Art Rausschmeißer. Als dieser für Renovierungsarbeiten schließt, arbeitet Tony widerwillig für den schwarzen Konzertpianisten, der auf Tour durch die Südstaaten geht. Dr. Don Shirley (Mahershala Ali) und Tony Lip nähern sich auf ihrer Reise durch die von Rassismus gezeichnete U.S.A. der 1960er Jahre an…

Kritik

Kaum ein Oscargewinner hat wohl solche Kontroversen ausgelöst wie „Green Book“. Der Film hat alleine schon durch seine Macher ein Laster, nicht nur, dass Regisseur Peter Farelly durch exhibitionistische „Scherze“ in den Neunzigern auffiel, Drehbuchautor und Sohn von Tony Vallelonga Nick Vallelonga hat sich mit xenophobischen Tweets auffällig gezeigt und schreibt dann einen Film über Rassismus. Daneben wird die ganze Machart kritisiert, der Film sei ein typischer „White Savior“ Film. Da fällt es fast schon nicht auf, dass die Familie von Dr. Don Shirley den Film als komplett falsch auf. Da der Film sich auf eine wahre Geschichte als Inspiration beruft, sind kleinere dramaturgische Anpassungen für mich kein größeres Problem, vor allem da die Geschichte kaum bekannt ist.

Fangen wir mal mit den Stärken von „Green Book“ ein, die sind nämlich zahlreich. Zu aller erst ist das Protagonistenduo zu nennen, beide werden ambivalent gezeichnet, wachsen einem jedoch im Laufe des Films ans Herz, obwohl ich gerade mit Tony Lip zu Beginn des Films meine Probleme hatte. Viggo Mortensen spielt diesen mit Lastern behafteten einfachen Mann jedoch ideal. Dennoch empfand ich Mahershala Ali (der für diese Rolle zurecht seinen zweiten Oscar erhalten hat) als noch einen Tick stärker, auch weil er vielleicht eine bessere Grundlage hatte. Dr. Don Shirley wird hier als zerissene Persönlichkeit präsentiert, der aufgrund seines Verstandes seiner Intelligenz und seiner Stellung nicht zur afroamerikanischen Kultur passt, aber auch nicht von den Weißen, für die er spielt akzeptiert wird. Es macht Freude, wie die beiden vollkommen unterschiedlichen Charakteren sich über Chicken Wings, Musik, Briefe (Shirley hilft Tony bei den von Tonys Gattin erwünschten Briefen) und gemeinsamen Erlebnissen annähern. Dass, das ganze vorhersehbar ist bis hin zu einem kitschigen Ende macht hier nichts aus, zu viele Pointen werden genutzt, zu sympathisch sind die Charaktere.

Bei nüchterner Betrachtung täuscht das aber nicht darüber hinweg, dass der Film sich deutlich verhebt, solange der Roadmoviecharakter und die sich anbahnende Freundschaft der Protagonisten im Mittelpunkt steht, funktioniert der Film, sobald er jedoch die rassistischen Probleme anspricht, ist er zu plakativ. Im Exempel funktioniert die einfache Rechnung, dass der Weiße (Tony Lip) erkennt, dass seine Vorurteile falsch sind. Wenn Shirley jedoch auf sein Auditorium trifft, ist das ganze unangenehm, der Ansatz des Films schlägt hier fehl (auch weil es wütendere authentischere Filme gibt). Dann ist es auch unangenehm, dass der Film aus der Perspektive Tonys erzählt wird, als wolle der Film manipulieren. Dazu passt, dass Grüntöne den Film dominieren, so ist auch das Türkis des Autos sicher nicht zufällig gewählt. Wenn der Film dann auch ausschließlich von weißen Machern ist, hinterlässt das einen fadenscheinigen Beigeschmack, auch wenn das während des Films durch die Roadmovieelemente in den Hintergrund rückt. Jedoch wird immer die gesellschaftliche Ebene des Films durch Produzenten und Regisseur hervorgehoben, wodurch der Film einen Anspruch hat, dem er nicht gerecht wird.

Fazit

Hat „Green Book“ mir im Endeffekt gefallen? Ja, aber der Film wird durch seine Macher und die von ihnen herangebrachte Ebene schlechter. Als Roadmovie, die zwei vollkommen unterschiedliche Charaktere aneinander näher bringt, die sich durch gesellschaftliche Konventionen nicht beirren lassen, ist „Green Book“ ein guter Film. Der Oscar als Bester Film wirkt angesichts der Konkurrenz dennoch falsch, dafür ist der Film zu simpel. 8/10

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