Inhalt

Dick Cheney (Christian Bale) ist Ende der Sechziger am Ende, seine Freundin Lynne (Amy Adams) will den Versager verlassen, bis dieser durch ein Praktikum beim Kongressabgeordneten Donald Rumsfeld (Steve Carell) in die Welt der Politik eintauchen kann. In den folgenden vierzig Jahren wird Cheney mächtigen Einfluss gewinnen, aber auch mächtigen Schaden anrichten.

Kritik

Adam McKay hat zunächst Blödelfilme gemacht, bis ihm mit „The Big Short“ ein großer Wurf gelang. Die schwarze Komödie über den Börsencrash 2008 war dicht dran bei den Oscars 2016 als Bester Film ausgezeichnet zu werden. Sein neuester Streich „Vice“ war genauso für den Oscar nominiert und ist auf jeden Fall noch gewagter.

McKay hat in seinen ernsteren Werken einen Stil, den ich so bei keinem anderen Regisseur gesehen habe. Sowohl „The Big Short“ als auch „Vice“ bedienen sich eines schnellen Schnitts, einer vierten Wand Szene sowie einer distanzierten Erzählweise. „Vice“ multipliziert dies jedoch, so gibt es hier einen Shakespreare-Dialog, einem Vocie Over (mit einem scheinbar unbeteiligten Erzähler), mehreren Bildmetaphern, einem Abspann mitten im Film sowie Morphingszenen. Kurz gesagt, der Film hat eine unglaubliche Dichte von filmischen Mitteln, die McKays fast dokumentarischen Stil unterfüttern. Dadurch ist „Vice“ ein schwieriger Film geworden, man ist als Zuschauer immer gezwungen nicht nur aufzupassen, sondern auch sofort zu reflektieren als auch einzuordnen. Es ist fast schon ein kleines Wunder, dass „Vice“ als Film funktioniert, auch wenn das manche Kritiker anders sehen.

Einen gewichtigeren Anteil daran haben die Darsteller, aber wenn man ehrlich ist, war das bei Christian Bale (unglaublich gut), Amy Adams, Steve Carell und Sam Rockwell (hier als dümmlicher US-Präsident George W. Bush) zu erwarten. Auch Tyler Perry überzeugt als Colin Powell genauso wie der Rest des Casts. Der Film hat eine Vielzahl eindrücklicher Szenen wie eine Restaurantszene, in der über das Foltern sinniert wird, eine Szene im Krankenhaus in der Dick Cheney menschlich wirkt sowie einer Szene in der Cheney Donald Rumsfeld nach einer moralischen Linie fragt um ein paar Szenen zu nennen.

Als ich aus dem Kino ging, hörte ich eine Frau sagen, dass es mutig sei, einen solchen Film zu drehen. Ich muss ihr Recht geben, Adam McKays Film ist eine Abrechnung mit Jahrzehnten (republikanischer) Politik, dümmlichen, desinteressierten Menschen und auch mit dem Sender Fox News. McKay macht sich mit diesem Film eine Menge Feinde, allein deswegen sollte man den Film ansehen. McKay verfolgt eine eindeutige Intention, die in der großartigen Post-Crédit Szene auch für den letzten deutlich wird. Dick Cheney wird hier als machthungrige, aber nahezu morallose Persönlichkeit gezeigt. Auch wenn es sicher schwer war, ein differenzierteres Portrait über einem der damals mächtigsten, aber auch verschwiegendsten Männer der Welt, der unter anderem den Irak-Krieg einleitete, zu drehen, fehlt an mancher Stelle irgendeine Einordnung von Cheneys Handeln.

Fazit

Dennoch ist „Vice“ ein Brett von einem Film, nicht ganz so gut wie „The Big Short“ ist jener aber dennoch ebenso effektiv und wirkungsvoll. Trotz einer gewaltigen Menge von filmischen Mittel verliert der Film nie seine Linie. Die Darsteller heben Adam McKays wütenden Film auf eine höhere Ebene, sodass „Vice“ mehr als ein Appell denn als Portrait verstanden werden sollte. 9/10

Ein Kommentar zu „Vice – Der zweite Mann

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