Da ich mir vorgenommen habe, zu jedem Geburtstag meiner Freunde einen Song zu würdigen, den ich mit ihnen in Verbindung bringe, musste ich bei dieser Filmsongperle überlegen. Die einzige adäquate Nummer, die mir einfiel war „(I´ve had) The Time of My Life“ aus Dirty Dancing. Man weiß inzwischen bestimmt, dass ich kein Fan des Films bin, ich finde ihn sogar mies, aber die Musik des Films ist sehr gut. Besagter Freund mag den Film auf drollige Art, schließlich ist er sich seiner Schwächen bewusst, dennoch mag er den Film. So ist es diese offensichtliche Wahl, wie meine beste Freundin vollkommen richtig anmerkte, vielleicht ahnt sie ja, welchen Song ich an ihrem Geburtstag würdige.

Da „Dirty Dancing“ als Tanzfilm auch Filmsongs brauchte wurde Jeremy Ienner beauftragt, Kompositionen für den Film an Land zu ziehen, die neben den Klassikern (der Film spielt in den Sechzigern) im Film eingesetzt werden sollten. Ienner, der als Musikproduzent kaum Songs selbst schrieb, versuchte Franke Previte, der zuvor einige Achtungserfolge erzielte, für das Schreiben und Komponieren von Songs an Land zu ziehen. Dieser sagte nach einiger Überzeugungsarbeit zu, sollte jedoch einen Mambo für eine Tanzszene komponieren. Deswegen fragte er John DeNicola und Donald Markowitz an, die zusagten. Markowitz, in dessen Wohnung die Demoaufnahmen stattfanden, steuerte zu den Song die Schlagzeugrhythmen sowie einige Akkorde bei. Ienner war von der instrumentalen Demoversion angetan und beauftragte Previte den Songtext zu schreiben. Die Leadzeile fiel Previte eigenen Angaben zufolge auf einer Autofahrt ein. Der Song beginnt langsam nahezu a-capella und hat einen sorgfältigen Aufbau. Der Song mixt gekonnt elektronische Elemente mit mambotypischen Klängen. Der Pre-Chorus bremst bevor der Refrain melodietechnisch explodiert, während das Tempo gleichbleibt, die Strophen wirken gefühlt sogar etwas schneller. Der Song hat somit typische Popschemata mit Merkmalen der Filmmusik kombiniert.

Previte wollte den Song selbst einsingen, Ienner jedoch hatte als Produzent das letzte Wort und entschied sich für Bill Medley. Medley war in den Sechzigern als Bariton Teil der Righteous Brothers, deren Hit „Unchained Melody“ (verwendet in „Ghost – Nachricht von Sam“) er seinen Duopartner Bobby Hatfield auf den Leib schrieb. Nach der Trennung der beiden war Medley bis zur Anfrage für „Time of My Life“ abgeschrieben und hatte sich seiner Familie gewidmet. Wegen seiner hochschwangeren Ehefrau, die er nicht allein lassen wollte, wurden die Endaufnahmen von New York nach Los Angeles verlegt. Jeremy Ienner konnte für den vorgesehenen weiblichen Part Jennifer Warnes gewinnen, die zuvor einige Filmsongs unter anderem „Up where we belong“ mit Joe Cocker aufgenommen hatte. Warnes hatte als Solokünstlerin trotz mehrerer Anläufe keinen Erfolg, obwohl ihre stimmlichen Qualitäten überzeugend waren.

„(i´ve had) The Time of My Life“ wurde unter Leitung von Ienner aufgenommen und abgemischt, Medley sagte einmal, es seien die einfachsten Aufnahmen seiner Karriere gewesen, obwohl er seine Duettpartnerin zuvor nicht kannte. Der Song wurde zum Hauptsong des Films und ist der wahrscheinlich kommerziell erfolgreichste Mambo aller Zeiten, der bis heute sich großer Beliebtheit erfreut.

2 Kommentare zu „Filmsongperlen (8) – Bill Medley & Jennifer Warnes „(I´ve had) The Time of My Life“

  1. Ich habe diesen Film (mehr oder weniger gezwungenermaßen 😂) als Kind an die 10mal gesehen 😂 Also, ja, Dirty Dancing ist mir tatsächlich bekannt 😉 Mir geht es ähnlich wie du oder wohl eher wie deinem Freund, denn der Film hat schon Kultfaktor und ist an manchen Stellen witzig, aber wenn man genauer über diese furchtbare Handlung nachdenkt, na lassen wir das… Jedenfalls mag ich den Song (inklusive Hebefigur) recht gerne! Und ich versuche immer Wassermelonen zu tragen, damit die Jungs vorbeikommen XD Spaß beiseite…

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    1. Der Film wirkt auf mich, wie ein auf neunzig Minuten zusammengekürztes Melodram, das noch auf Mainstream getrimmt wurde. Manche Ansätze im Film sind ganz gut und die Musik, die ist sehr gut.

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