Geht es nur mir so oder ist das Blockbusterkino am Ende? Immer wieder dasselbe, kein Mut, keine Innovation, das Blockbusterkino der Zweitausendzehner ist nicht mehr als leicht verdauliche Filmchen, die Zuschauer ins Kino locken sollen. Doch ist dieser subjektive Eindruck von mir gerechtfertigt oder sehe ich das ganze zu negativ?

Man denkt bei Blockbusterfilmen immer an aufwändig inszenierte CGI Gewitter mit hohem Budget, die oftmals auch noch Teil einer Reihe oder bei Marvel eines Filmuniversums sind. Auch wenn die Erstdefinition aus den Fünfzigern sich auf die ansteigenden Budgets für teure Filmsets oder Außendrehs für Filme dessen Erfolg sicher scheint beruft, ist ein Blockbuster vor allem eins, ein kommerziell erfolgreicher Film. Es gibt genug Beispiele gefloppter Blockbusterversuche: John Carter, Heaven´s Gate, Die Piratenbraut, Postman, Sahara oder Green Lantern, daneben Filme die zwar nicht in der Verlustzone landeten jedoch nicht wirklich als Erfolg gelten können wie jüngst Alita: Battle Angel oder das Die Mumie Reboot mit Tom Cruise. Stattdessen sind Filme Blockbuster geworden, weil sie die Zuschauer gefesselt haben. Dank der auch überinflationären Erhöhung der Kinoticketpreise kann man anhand des in Nordamerika üblichen Box Office keinen sinnvollen Vergleich machen, so sind 93 der hundert kommerziell erfolgreichsten Filme aller Zeiten aus dem 21. Jahrhundert (daneben noch Titanic, Jurassic Park, Independence Day, E.T. – Der Außerirdische, Der König der Löwen, Krieg der Sterne und Star Wars Episode 1). Interessanter jedoch ist, dass im Grunde nur drei Genres vertreten sind: Der familientaugliche Animationsfilm, der CGI-(Action)film und  am wenigsten noch Buchverfilmungen ala Twilight oder Harry Potter. Aus diesem Schema fallen einzig Titanic, Alice im Wunderland, Bohemian Rhapsody, Wolf Warrior, Inception, E.T., Maleficent, The Da Vinci Code sowie Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia heraus, wenn man gnädig ist vielleicht noch Skyfall, der neue Jumanji und Mission Impossible: Fallout heraus.

Während die Animationsfilme meistens von großer Qualität sind, sind die anderen Filme in den Top 100 der erfolgreichsten Filme bestenfalls cineastischer Durchschnitt. Von daher muss ich mich bei meiner Thesenüberprüfung auf eine andere Größe verlassen: Den Zuschauerzahlen in Deutschland. Ursprünglich wollte ich dafür alle Filme mit mindestens 2,5 Millionen Zuschauern einfließen lassen, jedoch ist dies ein hoffnungsloses Unterfangen. Gerade in den Neunzigern gab es viele Filme mit so vielen Zuschauern, oft auch mit mehr als fünf Millionen Zuschauer. In den Neunzigern gingen due Menschen scheinbar häufiger ins Kino und vor allem auch in anspruchsvollere Filme. Der mit dem Wolf tanzt, Schindlers Liste, Forrest Gump hatten mehr als sechs Millionen Zuschauer, Matrix und The Sixth Sense mehr als vier Millionen Zuschauer, Das Schweigen der Lämmer, Philadelphia, Der Soldat James Ryan, Der Club der toten Dichter und Speed hatten mehr als drei Millionen Zuschauer, Die Truman Show hatte fast drei Millionen Zuschauer. Heutzutage hätte keiner der genannten Filme mehr als zwei Millionen Zuschauer, was schade ist. Woran ich das festmache? Der wohl beste Blockbuster der letzten Jahre „Mission Impossible: Fallout“ hatte nur 1,5 Millionen Zuschauer in Deutschland, anspruchsvollere Filme wie „Die Verlegerin“ oder „A Star is Born“ hatten kaum mehr als eine Millionen Zuschauer, „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ immerhin knapp 800.000 Zuschauer, aber in den Neunzigern hätten es solche Filme wohl einfacher gehabt, auch wenn Filme wie „Heat“, „Die Verurteilten“ oder „Fight Club“ auch in den Neunzigern nicht ihr verdientes Kinopublikum hatten.

Wichtiger als dieser Fakt ist jedoch, welche Filme die klassischen Blockbuster in den Neunzigern waren und welche in den 2010ern. Die größten Blockbuster der Neunziger waren folgende Filme: Titanic, Independence Day, Jurassic Park, Terminator 2, Stirb Langsam 2-3, Bodyguard, Men in Black, Robin Hood – König der Diebe, Pretty Woman, Armageddon, Ghost – Nachricht von Sam, Staatsfeind Nr.1, Mission Impossible und Das fünfte Element. Auch wenn ich die Blockbuster der Achtziger besser fand wird wohl jeder ein paar Filme finden, die er richtig gut fand und vor allem hatte jeder dieser Filme eine eigene Identität. Ergänzt durch erfolgreiche Anspruchsfilme und Überraschungshits wie Mrs. Doubtfire, Während du schliefst, Cool Runnings, Nicht ohne meine Tochter, Basic Instinct die Kevin Filme und Ein unmoralisches Angebot ergibt sich ein breites Filmangebot, das konsumiert wurde.

Hier liegt der Unterschied zu heutigen Blockbustern, die wohl größten Blockbuster sind die neune Star Wars Filme, die Filme des MCU, Die Hobbit Trilogie, die Fast-Furious Reihe, Twilight, Jurassic World, Transformers, James Bond (die deutlich besser sind als in den Neunzigern), Fifty Shades of Grey und Die Tribute von Panem. Dazu gesellen sich Überraschungshits wie Ziemlich beste Freunde (erfolgreichster Film des Jahrzehnts), Bohemian Rhapsody, Ted und Es und anspruchsvolle Erfolge wie Django Unchained, Inception und The Revenant (dank des DiCaprio Faktors). Gerade die Blockbuster wirken dermaßen stromlinienförmig, dass einem trotz zumindest teilweise vorhandener Qualität einem langweilig wird. Überraschungen und Kinoerfolge für clevere innovative Filme werden weniger und vor allem weniger bedeutend, weswegen sich bei jemanden wie mir das Gefühl einstellt, Blockbusterkino wird immer langweiliger.

Das ist schade, denn ein Blockbuster kann gleichzeitig ein qualitativ hochwertiger Film sein, allerdings ist dies inzwischen viel zu selten der Fall. Die Gründe dafür sind wohl mangelnde Risikobereitschaft der Studios, der endgültige Zerfall des Starsystems und zumindest in jüngeren Jahren die neue Stärke von Serien und Mehrteilern. Während letzteres nicht zu ändern ist, könnten die Studios so agieren, dass das Blockbusterkino wieder besser wird. Wen ein stromlinienförmiger Film das fünffache seines Budgets einspielt, könnte man den Gewinn für einen innovativeren, anders gelagerten Film nutzen. Gelder dafür werden aber nur im vergleichsweise kleinen frei gemacht, außer man heißt Christopher Nolan. Selbst Regisseure wie Denis Villeneuve (außer für den leider gefloppten „Blade Runner 2049“), David Fincher und Ridley Scott bekommen oftmals knappe Budgets für ihre Filme, obwohl sie ihre Fähigkeiten bewiesen haben.

Früher gingen Menschen wegen Schauspielern oder Regisseuren ins Kino, heute machen das nur noch echte Cineasten. Die einzigen Namen, die wohl noch ziehen sind Christopher Nolan, Steven Spielberg und Quentin Tarantino auf Regieseite und auf Schauspielerseite Leonardo DiCaprio und vielleicht noch Julia Roberts. Schauspieler sind heutzutage weniger wichtig als die Rollen die sie spielen, so kann man sagen, dass Avengers Endgame einen gigantischen Cast hat, aber keiner der Namen Leute in einen anderen Film ziehen würde.

Was ich mir wünschen würde? Mehr Mut, schlicht und ergreifend. Filme, die Eigenständigkeit haben und nicht nur den 37. Marvelfilm oder den 12. Jurassic World. Die wenigsten Filmreihen schaffen es mit „More of the Same“ zu unterhalten und besser zu werden, am ehesten sogar Marvel und die Spionagereihen Bond und Mission Impossible, während gerade Star Wars zuletzt heftig federn lassen musste. Vielleicht ein Zeichen, dass die Zeit für mutigere Filme wieder kommen wird und das Blockbusterkino besser werden wird.

2 Kommentare zu „Wo ist das gute Blockbusterkino hin?

  1. Bin absolut deiner Meinung. Nachdem ich aber auch dazu neige, den Studios mangelnde Risikobereitschaft und Profitgier vorzuwerfen, versuche ich die Schuld auch an anderen Dingen festzumachen. Denn es sind definitiv anspruchsvolle und massentaugliche Filme da und auch kreativ getriebene Studios wie aktuell A24. Du hast ja einige Filme genannt, die – gerade auch wieder mal hier in Deutschland – deutlich mehr Zuschauerzahlen verdient hätten. Vielleicht muss man da auch einfach mal den Vorwurf an den durchschnittlichen Kinozuschauer, der aktuell unabstreitbar einfach nach leichter Kost und dem Vertraute verlangt, und aber auch an die Marketing-Abteilung richten, wo in der heutigen Netzkultur z.B. bloß der nächste The Rock-Streifen eine Plattform erlangt und eben andere Sachen total untergehen. Ich habe das Gefühl hier in Deutschland werden bloß der nächste belanglose Blockbuster vermarktet oder eben der nächste Schweiger- oder Schweighöfer-Film, mehr nicht. Mehr schwappt aus den USA nicht hierüber. Gerade beim verwöhnten deutschen Publikum, wo – glaube ich – im Durchschnitt jeder Einwohner keine 2-Mal im Jahr ins Kino geht, wird dann natürlich nicht viel Mut gefasst und man macht es sich leicht damit, den seltenen Kinogänger dann eben für den nächsten Blockbuster zu begeistern, worauf er deutlich besser anspringen dürfte.
    Noch dazu glaube ich auch, dass der unmoralische Einfluss, den Disney auf die Kinos nimmt hier auch in Deutschland dafür mitverantwortlich ist, dass es immer mehr „more of the same“ gibt. Disney brauch sich in seiner Vorherrschaft ja gar nicht mehr große Mühe zu geben, allein die großen Marken die sie besitzen regeln ja schon den Großteil der Anziehungskraft.
    Ich sehe da leider auch noch eine ganze Zeit schwarz, besonders wenn das kreative und originelle Kino immer mehr auf Plattformen wie Netflix stattfindet, da die machen dort freie Hand bekommen, die sie sonst nirgendwo mehr erhalten würden.

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