Ich habe mich die Tage gefragt, ob ich weiterhin Lust auf diese Rubrik, die inzwischen die meisten Beiträge dieses Blogs stellt, habe. Dann sind mir noch ein paar Songs eingefallen, die ich euch gerne präsentieren würde, bevor dieses Format im Sommer in eine Pause geht. Jetzt wird vielleicht jemand herausfinden, dass ich über den Song in der Überschrift schonmal ziemlich zu Beginn meines Bloggerlebens geschrieben habe. Warum ich nochmal, immerhin in einer anderen Rubrik, über „Disco 2000“ schreibe?

Erstens, weil ich meine Fertigkeiten über Musik zu schreiben seitdem doch deutlich verbessert habe, obwohl der Artikel einer meiner besten in der frühen Phase ist, zum anderen weil ich auch noch was neues zu ergänzen habe. Daneben ist Pulps größter Hit einer meiner absoluten Lieblingssongs, mindestens Top 20, und dafür kennen ihn einfach zu wenig Menschen. Damals schrieb ich vorwiegend über den Zufall, wie ich diesen Britpopsong kennenlernte. Seitdem habe ich ihn im Formatradio nur ein weiteres mal auf der Arbeit gehört, aber bestimmt 1000mal per Mp3 oder per Spotify.

Pulp gründet sich schon 1978, das erste reguläre Album des Sextetts erscheint jedoch erst 1992. Drei Jahre später erscheint auf dem Höhepunkt der Britpopära das zweite Album „Different Class“. Der Name des Albums ist Programm, textlich werden der Klassenkampf ebenso wie persönliche Schicksale pointiert aufs Korn genommen. das gipfelt in den beiden erfolgreichsten Songs „Common People“ und „Disco 2000“. Textlich ist dieser knapp fünfzehn Jahre vor der Etablierung des Begriffs „Friendzone“. Das lyrische Ich verehrt Deborah für die er alles tun würde, die ihn jedoch nur als guten Freund mag. Jarvis Cocker, dessen Leistung als Vocalist vor allem durch die Art und Weise, wie er den lustigen Text vorträgt, besticht, singt hier wohl über eine reale Erfahrung die er gemacht hat.

„Disco 2000“ beginnt mit einem auf die Gitarre übertragene Version des Synthieloops des Discoklassikers „Gloria“ von Umberto Tozzi (auch bekannt in der Version von Laura Branigan). Teile davon ziehen sich durch den gesamten Song, während sich die Rhythmusfläche, dezente Synthflächen und Cockers Gesang langsam aufbauen. „Disco 2000“ ist einer der wenigen Songs, die ich sehr mag, die keine besondere Strophe-Refrain Dynamik aufweisen. Die größte Dynamik im Song ist der Rückübergang von Refrain zur Strophe sowie im Bridgeteil.

Ähnlich witzig wie die Lyrics ist das Musikvideo, welches den Texttopoi unterstützt und nebenbei in einem Format gedreht und veröffentlicht wurde, bei dem man denken könne, der Gründer von Instagram habe sich davon inspirieren lassen.

„Disco 2000“ wurde zum international erfolgreichsten Hit für die britische Band, auch wenn der Song in Deutschland nur mit Ach und Krach die Top 50 erreicht hat. Britpop war aber hier auch mehr Nische, als auf der Insel und überm großen Teich. Pulp trennten sich 2001, treten inzwischen wieder gemeinsam auf. Ihre Songs haben eine ganze Generation (britischer) Indierockbands wie Arctic Monkeys, Franz Ferdinand und die Kaiser Chiefs inspiriert. Die Band Keane, bekannt für „Somewhere only we know“, spielen „Disco 2000“ häufig Live, jedoch mit dem Gag statt mit einer Gitarre mit einem Synthie einzuleiten.

 

2 Kommentare zu „Schräg, aber gut (60) – Pulp „Disco 2000“

  1. Gesten durch Zufall auf ndr 2 gehört und das war’s , nach Hause , Alexa spiele ..,
    Boh was war das für Zeit , eines meiner lieblingslieder damals.
    Zig mal über Alexa gestern gehört , meine Frau grinste nur und meinte ,,ja da ging’s noch so richtig ab „ und dann wurde doch noch wie wild gezappelt
    Solch geile Mukke gibts kaum noch

    Gefällt 1 Person

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