Manchmal höre ich auf Spotify auch die von den schwedischen Algorithmen zusammengestellten Playlisten, weswegen ich da auch mal die ein oder andere Perle höre, die sonst an mir bisher vorbeigegangen ist. In der Playlist „Alternative 2000´s“ fand sich neben toller Musik von Bands wie Franz Ferdinand, Muse oder Arctic Monkeys auch ein Song der weniger rockig sondern mehr nach Disco klang: „Blind“ von Hercules & Love Affair.

Hercules & Love Affair ist das Musikprjekt des New Yorker DJs und Musikproduzenten Andrew Butler, der dafür mit verschiedenen Sängern & Sängerinnen zusammenarbeitet. Für „Blind“ sang Antony Hegarty die Vocals ein. Butler hat den Namen bewusst gewählt, da er großes Interesse an der griechischen Mythologie hat. Ebenso gab sich einer seiner Vorbilder der Chicagoer DJ und Chicago House Pionier Marshall Jefferson bei einigen Platten den Künstlernamen Hercules. „Love Affair“ gibt dem Namen etwas romantisches und ist in Anlehnung an die Discoband „The Crown Heights Affair“ gewählt. Damit sind auch die größten prägenden Stile von „Hercules & Love Affair“ genannt. Während die Discomusik einigen ein Begriff sein sollte, ist Chicago House vielleicht etwas weniger bekannt.

Chicago war Ende der Siebziger einer der experimentierfreudigsten Musikmetropolen der Welt, im Warehouse, aus dem sich der Name House ableitete, mixten DJs Funk & Soul mit elektronischen Beats zu neuartiger Musik. Mit dem hinzufügen von Synthie-/Pianoloops entwickelte sich langsam die Ursprungsform der Housemusik mit dem charakteristischen „Four on the Floor“-Beat. Während diese Musik in den Achtzigern noch ein Nischendasein fristete, kam Anfang der Neunziger der Durchbruch im Mainstream, ebenso wie eine immer größere Separierung des Genres.

Immer weniger Acts machten klassischen inzwischen Chicago House genannten House, doch in den Zweitausendern gab es eine Reunion mit dem ersten erfolgreichen Chicago House Titel „Crazy“ von Gnarls Barkley, der die Souleinflüsse genauso wie die Disconote offen zeigte. In dessen Nachwehen kam zwei Jahre später, 2008, das Musikprojekt „Hercules & Love Affair“ zustande. Der erste Song Andrew Butlers zeigte eine sensationelle Mischung aus Disco, Chicago House und Soul und French House Einflüssen. „Blind“ beginnt mit Percussions und darauf mit der Etablierung des „Four on the Floor“ Beats und spielt discoartige Melodien ein, bevor Antony Hogarty mit seiner androgynen Falsettstimme los singt, um diesen Song den letzten Schliff zu geben. Das ganze ist natürlich sehr tanzbar und schafft es ohne große Strophe-Refrain Dynamik mit ein paar Trompetenakzentuierungen in den Bann zu ziehen. Trotz der hohen Repetivität schafft es der Song über fünf Minuten lang in den Bann zu ziehen, weil immer wieder kleine Einspielungen kommen, die sich in das Rhythmus-Harmonie-Gerüst einbringen. Deswegen sollte jeder, der mit House und oder Discomusik etwas anfangen kann, diesen Song mal ganz bewusst anhören.

Ein Kommentar zu „Beeinflusst (53) – Hercules & Love Affair „Blind“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s