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1987 ist Anna (Sasha Luss) drogenabhängig, aussichtslos, schafft es aber in den KGB-Dienst. Unter strenger Hand (Helen Mirren) wird sie zu einer der besten Killerinnen des russischen Geheimdienstes. Als Model in Paris lebt sie ein Doppelleben und ist zunehmend ermüdet von ihrem Leben…

Kritik

„Anna“ wird als stylischer Actionthriller beworben, was meiner Meinung nach nicht zutrifft. Der Film hat im Grunde nur zwei Actionszenen, wovon eine zum Teil im Trailer verbraten wird. Vielmehr ist der Film ein Agentenfilm und wohl unfreiwillig eine Satire.

KEIN Film springt so durch Zeitebenen wie „Anna“, da geht es Monate zurück Jahre voraus, sodass es fast wie eine Art Running Gag wirkt. Oft wird dadurch ein Twist eingeleitet, sodass der Film wie eine Art Satire auf Mission Impossible wirkt, hier wie dort kann man sich nicht sicher sein, wer was im Sinn hat, zumindest nicht bis zur letzten Einstellung des Films.

Natürlich ist der Film bei weitem nicht so gut wie „Mission Impossible“, sondern orientiert sich eher an den Filmen, die Besson schrieb, aber nicht umsetzte, womit „Anna“ viel besser als Bessons letzter Actionfilm „Lucy“ ist. Dabei hilft ein gewisser Pulpfaktor, der Filme wie „Transporter“ oder „Taxi“ schon geholfen hat, wodurch man natürlich kein Meisterwerk erwarten kann. Allerdings ist der Film solide, die Actionszenen sind gut inszeniert, die Schauspielleistungen sind alle gut, was gerade bei Bessons Hauptdarstellerinnen (Mila Jovovich!!!) nicht selbstverständlich ist. Sasha Luss ist tatsächlich eine sehr gute Besetzung für die Rolle des Killermodels, auch wenn sie in Actionszenen gedoubelt wird. Schauspielerisch ist sie mehr als solide, wahrscheinlich sogar zu gut für diesen Film. Ähnliches gilt für Helen Mirren, die exakt so aussieht wie Edna Mode aus „Die Unglaublichen“ (kein Witz). Die Herren spielen solide, sind aber nicht wirklich interessant.

Die Modelszene wird parodisiert, manchmal ist das unterhaltsam, manchmal peinlich und manchmal gefährlich. So verprügelt Anna völlig berechtigt einen Fotografen, der sie zur Weißglut treibt, blöd nur, wenn der Fotograf so schwul ist, dass man Besson Homophobie unterstellen kann. Dies wird durch eine weitere Tatsache belegt, so hat Anna eine Beziehung mit einer kurzhaarigen Modelkollegin Maude. Dabei fällt aber auf, dass nach der Einführung, bei der man denkt, Anna liebt Maude, diese Beziehung nicht mal stiefmütterlich behandelt wird. Maude wird mit in den Urlaub geschleppt, soll nervig wirken und Lesbenklischees zu erfüllen, was strunzdoof ist, weil Maude als Anker für Annas (fehlenden) Lebenswillen genutzt werden könnte. Stattdessen inszeniert Besson Anna als berechnendes Luder, welches sowohl Mitarbeiter des CIAs und KGBs um die Finger wickelt, wodurch man natürlich mehrere Sexszenen mit ihr und entweder Luke Evans oder Cillian Murphy, aber keine mit Anna und Maude. Daneben lässt Besson ein halbwegs sinnvolles Ende verpuffen, vielleicht wegen Homophobie oder weil er sich das nicht als feuchten Traum vorstellen kann.

Dieser vergleichsweise kleine Aspekt hat es den Film verwehrt, ein guter Trashfilm zu sein, aber wahrscheinlich dachte Besson tatsächlich er dreht hier gerade den neuen „Mission Impossible“, wobei der Film so sehr floppt, dass Bessons Regiekarriere wohl bald vorbei ist. Hoffentlich darf Sasha Luss weiter schauspielern. Anna ist eigentlich ein solider Charakter, clever, sexy und mit Potenzial, das so gut es geht von Luss gefüllt wird.

Fazit

Obwohl der Film zutiefst homophob ist, hatte ich irgendwie Freude an „Anna“, der als B-Agentenfilm deutlich besser funktioniert als er sollte. Wenn Luc Besson genauso logische Entscheidungen bezüglich seiner Protagonistin, wie der Inszenierung der Actionszenen getroffen hätte, wäre der Film sogar richtig gut geworden. 5/10

Daten & Fakten

Originaltitel: Anna

Regie & Drehbuch: Luc Besson (u.a. Das fünfte Element, Lucy)

Länge: 119 Minuten

Drasteller: Sasha Luss, Helen Mirren, Cillian Murphy, Luke Evans

Trailer

 

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