Manche eigentlich nicht wirklich wichtigen (unfassbar unwichtigen) Dialoge bleiben bei mir ewig hängen. Einer davon wurde vor Ewigkeiten, als meine Freunde und ich noch regelmäßig in die Disco gegangen sind, gesprochen. Wobei es war fast ein Monolog als Kylie Minogues Superhit „Can´t get you out of my Head“ aus dem Autoradio ertönte, „Orhh, das ist ein Supersong. Da muss ich mal nen Blogbeitrag drüber schreiben.“ Gefolgt mit einem High Five an die Person, in deren Lieblingssongplaylist der damals war. Ich kann nicht mal sagen, wann der Dialog war, aber er muss mehr als ein Jahr zurückliegen aber nicht viel mehr, da wir ja einem Auto saßen. Seitdem hab ich aber aus unerfindlichen Gründen nichts über den Song geschrieben. Das hole ich jetzt nach, schließlich befindest sich Kylies knapp vier Minuten langes Magnum Opus auf einer 2000er-CD, die ich letztes Wochenende als Spontankauf in meinem Einkaufswagen hatte.

2001 war Kylie Minogue kurz davor zum alten Eisen zu gehören. Nachdem sie in den Achtzigern als quakende Soapdarstellerin von der Musikkritik mit ihrem von SAW (Stock Aitken Waterman) geprägten Sound bezeichnet wurde, konnte sie sich spätestens durch das Duett „Where the Wild Roses Grow“ mit Nick Cave auch im Feuilleton Anerkennung sichern, doch ihren Platz im Popolymp sicherte sich die kleine Australierin mit einem Weg, der ähnlich wie der von Cher ein paar Jahre zuvor anmutet. So hatte die inzwischen auch als lebendes Ersatzteillager bekannte Sängerin mit „Believe“ 1998 einen Discohit, der sie in den Folgejahren zur meistgespielten Sängerin in Discotheken werden ließ. „Can´t get you out of my Head“ war Kylies „Believe“: Ein zeitloser Dance-Pop Song, der 1981 wie ein Versprechen aus der Zukaunft geklungen hätte, 1991 wie ein wegweisender Dancetrack, 2001 wie eine Antwort auf die Frage, ob Popmusik noch frisch sein kann und wenn der Song 2019 erscheinen würde, wäre er ohne Zweifel eine letzte Offenbarung der Musik, die durch synthetische Klangerzeuger geprägt ist. Der frühere EMI Chef Tony Wadsworth erklärte die Zeitlosigkeit der Platte, zu seinem Erfolgsgaranten. Dazu gesellt sich aber auch mit Kylie Minogue die richtige Sängerin, die ihr Image mit dem zugehörigen Musikvideo durch eine reife Sexyness neu erfand. Kaum vorstellbar, dass der Song mit Jimmy Somerville (dem Frontmann der 80er Gruppe Bronski Beat) oder Sophie Ellis-Baxter so erfolgreich gewesen wäre.

Der von Kylie schlicht „La La La“-Song genannte Hit sollte sie in jedem Land Europas (außer Finnland) auf Platz Eins der Single Charts führen und zum weltweit erfolgreichsten Song des Jahres 2001 werden. Selten war es so berechtigt wie hier, denn dieser Song, der die urtypischen Synthieklänge mit Motownanklängen vermengt, sowie eine klare Aufforderung ist, die Tanzflächen zu stürmen, darf getrost als einer der besten Popsongs der letzten zwanzig Jahre genannt werden. So konnte Minogue auch nach über zehn Jahren wieder die Top Ten der US-Amerikanischen Billboardcharts stürmen.

Co-Autorin Cathy Dennis hatte in der Folgezeit vermehrt Anrufe von Künstlern und Managern, die auch einen solchen Megahit für ihre Discographie von ihr haben wollten. Sie lehnte meist ab, komponierte aber unter anderem für Britney Spears, Kelly Clarkson und Katy Perry in der Folgezeit Hits. Kylie Minogue bekam 2005 Brustkrebs inmitten ihrer Welttour diagnostiziert, startete jedoch 2007 ein erneutes Comeback mit weiteren Hits wie „All the Lovers“, „Get Outta My Way“ oder im letzten Jahr mit „Dancing“.

3 Kommentare zu „Beeinflusst (60) – Kylie Minogue „Can´t get you out of my Head“

  1. Ich hab Kylie letztes Jahr live gesehen. War ein super Konzert, aber bei ihr durfte man nicht so ganz genau hinsehen. Na, jünger wird halt keiner, außer mir 😊
    Aber nach wie vor ein sehr fröhliche Person, mit toller Ausstrahlung 😚

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