Inhalt

Eifel 1999: Jessica (Luna Wedler) lernt an ihrem 18. Geburtstag den attraktiven Danny (Jannik Schümann) kennen, der sie am Abend dann auch aufgabelt. Die beiden treffen sich immer wieder und werden schließlich ein Paar. Doch Dannys Fassade bröckelt, er und seine Mitbewohnerin Tina (Luise Befort) sind vom Schicksal gepeinigt. Danny, vom Vater missbraucht und mit HIV infiziert, Tina ebenso missbraucht und im Kampf gegen die Drogensucht. Jessica ist bereit um ihre Liebe zu kämpfen.

Kritik

Ich bin bekanntlich kein großer Fan der deutschen Filmförderung, bei „Der Horizont so nah“ zeigt sich mal wieder warum. Ohne Not wurde die Handlung der wahren Geschichte in die Nordeifel verlegt, was aber auch nur durch Nummernschilder(!) gezeigt wird, weil die NRW Förderstiftung ein wenig Geld für diese Studiocanal-Pantaleon Koproduktion übrig hatte. Ich finde es ja potenziell gut, Handlungsorte außerhalb von Berlin, München, Hamburg, Köln für deutsche Filme zu nutzen, dann aber bitte mit Sachverstand.

Außer diesem doch sehr kleinen Sachverhalt kann man „Der Horizont so nah“ gar nicht viel vorwerfen. Die wahre Geschichte wird gut ausgespielt, die Situation wirkt gerade aus der Sicht einer 18-Jährigen glaubwürdig und der Film traut sich Tiefschläge zu zeigen. Man kann die Motivation aller Protagonisten sehr gut nachvollziehen. Egal, ob die doch pubertär-sture Jessica, der zweifelnde Danny, die Verlustängste plagende Tina, die besorgten Eltern Jessicas, alle haben sie nachvollziehbare Motive für ihr Verhalten. Der Film ist technisch solide inszeniert und hat ein paar nette Settings, wie die Kirmes, die Dorfdisco oder gegen Ende die USA-Reise (auch wenn die zugehörigen Bilder in Portugal gedreht worden sind). Dazu werden Details aufgegriffen, so wirkt der Film rund. Schauspielerisch ist vor allem Luna Wedler (Das schönste Mädchen der Welt) das Eintrittsgeld wird. Die junge Schweizerin betonte, sie habe die Rolle in diesem Liebesdrama ausgewählt, da große Gefühle darzustellen ihre größte schauspielerische Schwäche sei. Die Herausforderung hat sie mit Bravour gemeistert. Ich bin gespannt, was dieses große Talent für eine Karriere einschlagen kann. Aufgrund von Wedlers Brillanz fällt aber auch mehr auf, dass Schümann Danny zu kühl und mit zu verschlagenem Blick anlegt. Dies führt auch dazu, dass die Tränenzieher-Momente kaum wirken, obwohl sie gut vorbereitet werden. Der Film nimmt sich einige wichtige Themen zur Brust: Beziehung trotz Aids (im Jahr 1999 sicherlich noch problematischer als 2019), Kindesmissbrauch und dessen Folgen, Beziehungsangst, Verlustangst und das Zerbrechen von Familien-/Freundschaftsbeziehungen. Dennoch hat „Der Horizont so nah“ nicht mein Herz ergriffen, was mich heute, knapp eine Woche nach Sichtung immer noch verwundert.

Fazit

Tim Trachte inszeniert solide ein wichtiges Liebesdrama, das von Luna Wedler getragen wird, leider aber weniger intensiv wirkt, als es die Motive und Themen eigentlich voraussetzen. 7/10

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland

Regie: Tim Trachte

Darsteller: Luna Wedler, Jannik Schümann, Lusie Befort uw

Länge: 117 Minuten

Genre: Liebesfilm, Drama

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