Nachdem die letzten Wochen voller 80er Jahre Songs waren, machen wir heute einen radikalen Schnitt: Neunziger, deutscher Film, Schlager und ein nicht für den Film geschriebenen Song. Dabei spielt ein Auto eine entscheidende Rolle.

Als Opel den Manta einstellt und sein neues Sportcoupe Ende 1989 Calibra nennt, entsteht ein komischer Kult um das Sportcoupe für Jedermann. War man als Manatafahrer vorher noch ein normaler Teilnehmer im Straßenverkehr, entwickelte sich gerade im Ruhrpott eine Ablehnung der „Proletenkarre“, gleichzeitig stieg die Liebe der Mantafahrer zu ihrem Auto rasant an. So rasant, dass Anfang gleich zwei Komödien dazu entstanden. „Manta, Manta“ sollte zum Durchbruch Til Schweigers werden und ist heute auf trashige Art unterhaltsam. „Manta-Der Film“ war etwas ernster, handelt davon wie ein 18-Jähriger den Gewinn des letzten Mantas ablehnt, da er eine „Proletenkarre“ sei. Natürlich ist auch dieser Film keine dramaturgische Offenbarung, aber er versucht wenigstens etwas. Als Fred seine Freundin wegen seines Autos verliert, will er den ungeliebten Gewinn anzünden und dabei setzt der kommerziell erfolgreichste Song des Jahres 1990 in Deutschland ein: „Verdammt ich lieb dich“ von Matthias Reim.

Matthias Reim war 1989 ein Musikkomponist und wollte seinen neuen Song eigentlich an Bernhard Brink vermitteln. Der lehnte wie einige Kollegen den Schlager mit Synthpop und Softrock Einschlag jedoch genauso wie die Electrola Plattenfirma ab. Erst Polydor Records war bereit eine Aufnahme zu finanzieren. Mangels Alternativen sang Reim den Song mit seiner späteren Ehefrau Mago und Heike Neumayer Anfang 1990 ein. Brink vermittelte die Aufnahme an ZDF-Moderator Wim thoelke, der Reim daraufhin bei der Deutschen Schlagerparade auftreten ließ. Innerhalb eines Monats stieg der Song auf Platz Eins der deutschen Single-Charts und sollte den Platz Vier (!!) Monate lang nicht räumen. „Verdammt ich Lieb dich“ wurde zu einem der erfolgreichsten deutschsprachigen Songs aller Zeiten und verkaufte sich mehr als 2,5 Millionen mal.

Reim sag den Song daraufhin auch auf Englisch ein, jedoch war diese Version im Vergleich zu der deutschsprachigen Version nicht gut, sodass „Verdammt ich lieb dich“ als Paradebeispiel für einen Song gelten darf, der nur auf Deutsch funktioniert. Die Dynamik, die der Song mit seinem leisen Auftakt und der langsamen Steigerung hin zum Refrain hat, macht ihn neben seinem für schlagerverhältnisse rau gehaltenen Text aus. Daneben klingt das Lied für einen Schlager ungewöhnlich mit seiner Vermischung aus Rock & Synth Pop Klängen. Reim sollte diese Struktur auch für seinen zweiten Hit „Ich hab geträumt von dir“ beibehalten, danach jedoch mehr mit seinem bewegten Liebesleben und seinen Finanzpleiten für Schlagzeilen in den Boulevardmedien sorgen. Nach einigen gesundheitlichen Rückschlägen startete er immer mal wieder einigermaßen erfolgreiche Comebacks unter anderem mit drei Neuaufnahmen von „Verdammt Ich lieb dich“. Zum 25. Bühnenjubiläum hat er eine fremdschämige Best OF Box erstellt, die Oliver Kalkofe perfekt auseinandernimmt:

 

Egal, wie sehr Reim von seiner Zwei Hit Leistung übergeschnappt ist, sein Song und dazu stehe ich, den finde ich immer noch gut:

2 Kommentare zu „Filmsongperlen (14) – Matthias Reim „Verdammt Ich lieb dich“

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