Wie angekündigt werde ich anstelle eines großen Streamingrückblicks die Kurzkritiken etwas weiter verteilen, unter anderem hiermit: Die Klassikerparade, hier werden Filme gesammelt, die als Klassiker gelten und von mir das erste mal gesehen werden. Heute mit vier Filmen, die schon eine große Bandbreite darstellen.

Die Vögel

8/10 Mein dritter Hitchcockfilm ist der bisher schwächste, dennoch ist „Birds“ (OT) ein auch nach mehr als 50 Jahren sehenswerter Streifen. Die Bedrohung durch die Vögel wirkt natürlich nicht wie damals, ein Nachteil zu zum Beispiel „Psycho“, allerdings führt der Titel auch ein wenig in die Irre. Basierend auf der Kurzgeschichte von Daphne du Maurier erzählt Hitchcock hier die Geschichte einer jungen Frau, die ungewollt in einem Küstenort strandet. Dabei ist Tippi Hedren als Melanie Daniels die typische unterkühlte blonde Frau, wie sie als Archetyp in Hitchcokfilmen vorkommt. Jene Melanie Daniels trifft auf Mitch Brenner und seine Mutter Lydia, womit Hitchcock hier ein zweites elementares Motiv seiner Arbeit aufgreift, eine seltsam intime Mutter-Sohn Beziehung. Auch wenn angedeutet wird, dass diese Figurenkonstellation kein gutes Ende nimmt, vor allem durch die Figur der Anne Hayworth, irgendwann in der zweiten Hälfte übernehmen die Vögel den Film, der ohne wirklich Filmmusik auskommt. Während andere Filme, die sich auf diesen berufen, dann zu reinem Horror werden, bleibt Hitchcocks Film bei der Figurenkonstellation ohne explosives Kapital zu schlagen, stattdessen bestimmen die Vögel einen unbestimmten Ausgang für die Hauptfiguren. Dadurch wirkt dieser Film deutlich unrunder als „Psycho“ oder als „Der Unsichtbare Dritte“. Dank Alfred Hitchcocks Regie aber dennoch eine sehr guter Film.

Der Zauberer von Oz

8/10 Narrativ ist „The Wizard of Oz“ schon dünn, ohne Frage, aber der Film schafft es mit seiner Freude, seiner Musik und seinen Figuren einen zu packen. Das fängt mit der wunderbar naiven Judy Garland an, die einen spätestens mit ihrer Interpretation von „Somewhere over the Rainbow“ verzaubert. Ein dankbarer Kniff war aber auch die Präsentation der Hexe und deren Äquivalent in der Realwelt zu Beginn. Dadurch ist „Der Zauberer von Oz“ ein Film mit klarer Figurenkonstellation und gradliniger Erzählung, die durch gute Musicaleinlagen unterbrochen aber auch ergänzt wird. Gerade die Figur des feigen, weinerlichen Löwens ist für einen 1939er Film mutig. Neben diesen inhaltlichen Komponenten überzeugt der Film mit seiner Optik. Alles ordnet sich dem spektakulären Trick, einen Teil des Films in Farbe zu drehen unter, aber auch sonst ist die kunterbunte Welt von Oz ein optischer Augenschmauß, wodurch der Film endgültig zum Gute Laune Kino, inklusive dem einfachsten Showdown aller Zeiten, mutiert.

Der Clou

7/10 Heutzutage erscheint es ein wenig seltsam, dass ein Film wie „The Sting“ sieben Oscars inklusive Best Picture abgeräumt hat. Wenn man aber sieht, welcher Film neben diesem der große Favorit war, William Friedkins „Der Exorzist“ erscheint die Wahl der Academy wieder deutlich unmutiger. Diese leichtfüßige Gangsterkomödie im Dreißigerjahre Setting lebt vollkommen von Charme und Chemie der beiden Hauptdarsteller Robert Redford und Paul Newman. Den beiden zuzusehen macht Spaß, allerdings ist „Der Clou“ einer dieser Filme, die unnötig kompliziert sind. Da passieren die unglaublichsten Dinge, die abstrusesten Probleme werden inszeniert, der absurdeste Plan zur Rache an einen Gangsterboss wird eingesetzt, sodass ein wenig vom Esprit und Charme der ersten halben Stunde mehr und mehr verloren geht. Inszenatorisch ist das sicher sehr gut und auch die Jazzmusik von Scott Joplin passt, aber ein bisschen weniger wäre (noch) mehr gewesen.

Und täglich grüßt das Murmeltier

8/10 Eigentlich ist „Groundhog Day“ ein zutiefst verstörender Film. Ein Mann beschließt in einer Zeitschleife gefangen, seine junge Kollegin zu stalken, bis sie bereit ist eine Beziehung mit ihm einzugehen. Dabei ist dieser Film jedoch feinfühlig genug einem glaubhaft zu versichern, warum man das gutheißen soll. Der zynische Wettermoderator Phil Connors (Bill Murray) wird durch die Zeitschleife zum besseren Menschen. Er beginnt auf seine Menschen aufmerksam zu werden, positive Gefühle zuzulassen  und Gefühle zu geben. Dabei passieren ihm einige herrlich witzige Missgeschicke, so bleibt die Ohrfeigenkollage, die er sich von seiner Kollegin Rita (Andie MacDowell) einfängt. Andie MacDowells Darstellung ist auch das Highlight des Films für mich. Sie macht aus Rita eine gleichermaßen charismatische als auch liebenswürdige Person und die Handlung liefert auch Gründe, warum sie sich in Phil verliebt. Da kann man über die ein oder andere Länge hinwegsehen.

Welche Filme habt ihr gesehen und wie gut sind sie eurer Ansicht nach? 

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