Ich gebe zu, dieser Beitrag war vorhersehbar. Habe ich mich schon am Dienstag zum Tod von Frontfrau Marie Fredriksson geäußert, habe ich nie einen Hehl aus meiner Liebe zur Musik von Roxette gemacht und habe ich ausgerechnet noch nichts zu „The Look“ geschrieben.

Für das zweite Roxette Album sucht Songschreiber, Gitarrist und Sänger Per Gessle einen kraftvollen Sound, um mit englischsprachigen Songs auch den internationalen Durchbruch zu schaffen. Auf seinem neuen Synthesizer klimpert er ein paar Akkorde, einen ganz simplen Dreiakkorder, tief, wummig, energetisch. Diese Akkorde bilden die Basis von „The Look“. Ein paar Gitarrenklänge und ein Drumset später ist der Midtemposchleifer fast fertig. Gessle schriebt ein paar Phrasen, um den eigenwilligen Rhythmus zu behalten als Lückenfüller, mündend in „She´s got The Look“. Gessle findet den Song mäßig, hat aber seinen Leitsound gefunden. Orientierend an ZZ Tops 1983er Album „Eliminator“ vermengt Gessle wuchtige Synthiesounds mit klassischem Rockinstrumenten zu refrainbetonten Pop-Rock Songs, die von dem gesanglichen Wechselspiel aus ihm und Marie Fredriksson (die in „The Look“ nicht viel mehr als „She´s got The Look“ singt) . Angelehnt an den ZZ Top Megahit „Sharp Dressed Man„, nennt Gessle das Album „Look Sharp“.

In Schweden werden zunächst die Bombastballade „Listen To Your Heart“ und der fröhliche Popsong „Dressed for Success“ ausgekoppelt. Der Austauschstudent Dean Cushman weilt 1988 als Austauschstudent in Schweden und wird Fan der Band, die in seiner Muttersprache Musik macht. Er kauft nach einem Konzert die CD „Look Sharp“ und sendet zurück in Minneapolis das Album an die örtliche Radiostation. Nach ein paar Wochen will er sich seine Platte zurückholen, 1989 hätte er sonst die Platte wohl verloren und nochmal nach Schweden würde er eventuell nicht kommen. Der Studiochef hört sich peinlich berührt doch noch das Album an; „The Look“ sticht heraus, mit seinem markanten Intro erkennt der Radiomann das Potenzial und schickt Kopien des Songs an landesweite Radiostationen. „The Look“ wird trotz seines für Muttersprachler grenzdebilen Textes zu einem der gefragtesten Songs des Landes. Im April steht „The Look“ auf Platz 1 der Billboard Hot 100 und Roxette hat endlich seinen internationalen Durchbruch. Jetzt erst wird der von Marie Fredriksson geliebte Song auch in Schweden veröffentlicht, wo der Song hinter dem internationalen Erfolg zurückbleibt.

Roxette wird in der Folge zu einer der erfolgreichsten Bands aller Zeiten, unter anderem mit vier Nummer 1 Hits in den USA, und definiert den Sound der Neunziger mit. Heute noch kennt (fast) jeder zwischen 8 und 88 „The Look“ und singt am Ende bei „Nanana Nanana“ mit.

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