Ich weiß für meine Verhältnisse war es die letzten Tage unverhältnismäßig ruhig, auch weil sich einige Beiträge noch nicht geschrieben haben, wie die Klassikerparade, die noch folgen wird. Sagen wir es so, es hat seine Gründe, über die ich am Wochenende ein wenig sinnieren werde. Dennoch wollte ich zum Freitag unbedingt einen Song präsentieren und auch wenn ich mir nach einem Kommentarthread vorgenommen habe mehr Geheimtipps oder vergessene Songs zu würdigen, musste ich diesmal einen hochbekannten Song, einen den man wahrlich als Hymne bezeichnen kann, nehmen. Wer den aktuellen Kinofilm „Jojo Rabbit“ gesehen hat, weiß warum ich den Song hier aufliste, da ich nicht zu viel spoilern möchte, sage ich nur, dass ein achronistischer Popsong selten in einen Film so gut gepasst hat wie hier. (Spoiler: Wer bei YouTube „Jojo Rabbit“ Movie Ending eingibt, sieht die Szene, wenn auch ohne den vorherigen Film zu sehen.)

Nun aber zu David Bowie, dessen Song „Starman“ ich schon mal gewürdigt habe. Bowies Musik blieb mir bis zu seinem Tod entrückt, erst nach dem Tod des langen Briten konnte ich mich seiner Musik zuwenden. Seitdem hat sich „Heroes“ zu einem meiner Lieblingssongs von Bowie entwickelt, eine Entwicklung, die seine Filmnutzung momentan extremisiert. Daneben hat „Heroes“ eine hochinteressante Entstehungsgeschichte. Nachdem Bowie die Kunstfigur Ziggy Stardust, die ihn neben Marc Bolan zum Superstar des Glam Rocks machte, sterben ließ, wendete sich der drogensüchtige anderen Musikrichtungen zu. Bowie zog nach West-Berlin, welches er in der Retrospektive als „Welthauptstadt des Heroins“ bezeichnete. Mit Produzent Tony Visconti produzierte er in Berlin drei Alben, sowie zwei Alben für seinen Kumpel Iggy Pop. Während das erste Album „Low“ stark von Bands wie Kraftwerk und Tangerine Dream geprägt ist, entwickelt das zweite Album „Heroes“ einen Sound, der die experimentelle Richtung mit klassischen Rockelementen verknüpft. Der auch in zweisprachigen Versionen (Englisch & Deutsch, Englisch & Französisch) veröffentlichte Titeltrack, verkörpert diese Mischung. So sind sowohl avantgardistische Soundveränderungen als auch poppige Hooklines in der Instrumentalisierung auszumachen. Die Musik evoziert ein Auf und Abklingen, welches an Phil Spectors „Wall of Sound“ erinnert und dies mit Krautrockelementen anreichert. Besonders ist auch der Anfang, der klingt als wäre man schon mitten im Song, klein langsamer Aufbau, stattdessen brettern Schlagzeug, Gitarre und Klavier los und Bowie beginnt zunächst abwesend, lethargisch zu singen und steigert sich mit zunehmender Laufzeit in einen Pathos, der den idealistischen Songtext unterstreicht. Die Lyrics behandeln eine Liebesgeschichte, die sich auf ein Paar bezieht, dass sich an der Berliner Mauer trifft. Nach Jahren gab Bowie zu den Text aufgrund der Beobachtung von Visconti und dessen damaliger Affäre geschrieben zu haben.

Für die Singleveröffentlichung wurde der Song von sechs Minuten auf dreieinhalb Minuten gestutzt, was dem Grundcharakter schadet. Deswegen war der kommerzielle Erfolg zunächst auch vergleichsweise bescheiden, mit zunehmender LIVE-Präsenz entwickelte sich „Heroes“ zur absoluten Bowiehymne. „Heroes“ wurde vom Rolling Stone auf Platz 46 der besten Songs aller Zeiten, beim New Musical Express landete der Song gar auf Platz 15. Auch in Filmen wurde der Song oft verwendet, zum Beispiel in „Chrsitiane F – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ oder in „Vielleicht lieber Morgen“ und nun in „Jojo Rabbit“.

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Ein Kommentar zu „Beeinflusst (65) – David Bowie „Heroes“

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