Elektronische Tanzmusik, vor allem jene, die massentauglich wurde, war in den Neunzigern ein europäisches Gebiet. Von Deutschland, Italien, Schweden, der Niederlande und Großbritannien aus konnten Dancetracks die Welt erobern, die USA, die den Geburtsort der Housemusik (das Warehouse in Chicago) stellten, konnten da nicht mithalten. House und davon inspirierte Stile waren flügge geworden. So wundert es auch nicht, dass einer der amerikanischen Dancesongs der späten Neunziger erst durch den Remix eines italienischen DJs ein weltweiter Hit wurde.

Das Wamdue Project war ein Mitte der Neunziger gegründetes Trio bestehend aus Chris Brann, Chris Clark („Deep C“) und Chris Udoh, welches elektronische Musik produzierte. Die Bandbreite der Drei reichte von Techno über R´n´B bis hin zu Deep House und Drum & Bass. Die 1997 aufgenommene Single „King of my Castle“, für das Gastsängerin Gaelle Adisson an Freuds Traumpsychologie angelehnte Lines einsang, stellte keinen großen Erfolg dar. Nachdem man ein Jahr später mit „Where do we go“ einen Hit in den heimischen Dancecharts hatte, sollte 1999 der internationale Durchbruch folgen mit einem zwei Jahre alten Song „King of my Castle“. Dabei war der Song allerdings vom italienischen DJ Roy Malone dermaßen geremixt worden, dass bis auf die Gesangsstimme von Gaelle Adisson nichts übrig blieb. War die 97er-Version des Trios eine chillige Elektroloungenummer mit jazzigen Deep House Einschlag, sollte die bis heute bekannte Version einen prototypischen Housesong darstellen. Der Remix von Malone beginnt mit einem ellenlangen Intro, beginnend mit einer harten Basedrum, die den gesamten Song hindurch antreibt, es folgen ein paar Synthieeffekte, dann ein immer wiederkehrende Synthton bevor die immer wieder eingestreute Melodie sowie ein neues „Ahau“ von einer souligen Stimme eingestreut wird und sich die Melodie verdichtet. Nach knapp anderthalb Minuten beginnt dann der Gesangspart von Adisson, der auf ein paar Lines zusammengekürzt wurde, welche sich immer wiederholen. Darauf folgt noch eine kurze Gesangsstrophe, bei der die Bassdrum etwas in den Hintergrund rückt, bevor wieder das durch das Intro etablierte Melodie-Rhythmusgemisch übernimmt.

Dieser Remix erfreute sich in Klubs zunehmender Beliebtheit, sodass eine Maxiveröffentlichung angestrebt wurde. Dafür wurde ein Singlemix, der auf einen Großteil des Intros verzichtet und auch das Outro stutzt, der auf eine radiotaugliche Länge von 3:31 Minuten kommt, erstellt und ein Musikvideo geschnitten, das Szenen aus dem Anime „Ghost in the Shell“ erhält. Auch deswegen erfreute der Song sich im Musikvideo einer langen Beliebtheitsperiode und konnte seinen Bekanntheitsgrad erhalten, im Gegensatz zu manch anderem Top 10 Hit der Neunziger und einigen Housesongs der Periode. Dazu kommt hinzu, dass Malones Remix aber auch verdammt gut ist und jetzt bitte das tanzbein schwingen.

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