In der Glut des Südens (Days of Heaven)

8/10 In meiner Kritik zu „Burning“ habe ich geschrieben, dass der Film für mich wie ein Terrence Malick Film wirkt. Nachdem ich das Zweitwerk des „Kinopoeten“ gesehen habe, muss ich zu dem Schluss kommen, dass ich damit absolut Recht hatte. „Days of Heaven“ handelt wie „Burning“ von einer fatalen Dreiecksbeziehung, nur dass dieser Film hier (man mag es kaum glauben) kürzer und gradliniger erzählt ist. Der junge Richard Gere gibt hier eine Talentprobe ab, die improvisierten Dialoge (Malick entschied sich am Set dazu sein Drehbuch nahezu komplett auszulassen und stattdessen die Darsteller improvisieren zu lassen) wirken und schaffen es eine Spannungskurve im Konflikt herzustellen. Daneben sieht der Film unverschämt briliant aus, was angesichts der ungewöhnlichen Methode nur in der Happy Hour (direkt nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang) zu drehen auch zu erwarten war. Die Bilder diktieren jedoch nicht den Film, sie füllen die tragische Geschichte organisch aus. Ich scheine wohl Malickfan zu sein, vielleicht sollte ich mir doch mal seine neuesten Werke ansehen.

Fight Club

8/10 „Fight Club“ ist einer dieser Filme, für die ich die Kategorie führe: „Sehr gute Filme, die aber für mich einen Tick zu überschätzt sind“. Top Ten in der IMDb Top 250, ein unübersehbarer Kultstatus und ich finde der Film gehört nicht mal zu den besten des Regisseurs, ich könnte sagen „Fight Club“ ist David Finchers „Pulp Fiction“. Das liegt aber auch an der unglaublichen Filmographie des Herren (Warum redet keiner mehr über „Zodiac“?). Dabei hatte ich befürchtet, dass mir der Film ähnlich wie „Joker“ überhaupt nicht gefallen würde. Jedoch schafft es „Fight Club“ das Anarchiethema (für die Leute, die den noch nicht gesehen haben, ja es geht eigentlich um Anarchie) und auch die psychische Krankheit weniger plakativ darzustellen. Alles direkt um den „Fight Club“ der erst nach einer Dreiviertelstunde ausgerufen wird, ist eigentlich das langweiligste am Film, weswegen der dritte Akt des Films auch darüber hinaus geht. Dazu ist „Fight Club“ ein handwerklich wahnsinnig guter Film (alleine diese Kamerafahrten) und gerade die Lächerlichkeit von Brad Pitts Figur kommt heute besser heraus als anno 1999. Edward Norton scheint für solche Rollen abonniert zu sein (auch wenn er in „Primal Fear“ das noch einen besser spielen konnte). Ach ja, das Ende ist auch sehr gut geglückt.

Einer flog übers Kuckucksnest (One Flew Over the Cuckoo´s Nest)

8/10 Ein absoluter Klassiker und ein Film, der immer wieder genannt wird, wenn es um die besten Oscargewinner geht. Ich sehe warum, der Film packt ein hochsensibles Thema an und macht daraus einen sehr guten Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte. In den 1970ern war das Verständnis für psychische Erkrankungen weit weniger ausgeprägt als heutzutage und die Zustände in Psychatrien erschreckend. Dies zeigt „Einer flog übers Kuckucksnest“ auf eindrucksvolle Weise, daneben zeigt er auf, wie Gruppendynamiken funktionieren und wechseln können. Komt der Zuschauer mit jack Nicholsons (wieder einmal hervorragend) Randle McMurphy auf die von der rigorosen Schwester Ratched (ebenso hervorragend: Louise Fletcher) geleiteten Station. Die „Bewohner“ wachsen einem ans Herz, einzig die Bootsepisode im Film war unpassend, dennoch sollte man den (mindestens) einmal gesehen haben.

Das Fenster zum Hof (Rear Window)

9/10 Jeder, kennt die Ausgangssituation aus „Rear Window“, einem der bekanntesten Hitchcockstreifen, aber einen gradlinigen Kriminalthriller sollte man nicht erwarten. Der von James Stewart gespielte Jeff Jefferies ist zwar ein Voyeur mit temporärer körperlicher Beeinträchtigung, wie die unterhaltsame Exposition zeigt, jedoch entpuppt sich genau an der Stelle des Mordes der Film nicht als „How to Catch Him“ Thriller, sondern als die ungewöhnlichste Variante eine Liebesgeschichte zu erzählen. Jeffries Beziehung zu Lisa (Gene Kelly) ist Mittelpunkt der Suche nach der Wahrheit, sie will zunächst wie die ehrliche und etwas schroffe Pflegerin Jeffries zunächst keinen Glauben schenken. Jedoch kann er sie von seiner Beobachtung überzeugen und die drei versuchen den Mord aufzulösen. Währenddessen verhandeln Jeff und Lisa ihre seltsame Beziehung und der wahre Konflikt, die Heiratsunlust Jeffs dominiert den Film. Sowohl für den Mord als auch für die Beziehung findet sich am Ende eine Lösung. Daneben spielt „Rear Window“ beeindruckend mit Motiven wie Voyeurismus und der Isolation.

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6 Kommentare zu „Klassikerparade (4) – Fight Club, In der Glut des Südens, Einer flog übers Kuckucksnest, Das Fenter zum Hof

  1. Das ist ja mal ein geiler Vergleich bei Fight Club, muss ich mir merken, denn mir gehts genau so wie dir, dass er für mich Finchers Pulp Fiction ist. Aber muss dem irgendwann noch mal eine Chance geben.. Zodiac war mir zu langatmig und die fehlende Konklusion am Schluss hat mich irgendwie irritiert und unzufrieden zurückgelassen (auch wenn es wie ich im Nachhinein erst erfahren habe auf wahren Morden beruht und genau das Gefühl in einem auch sicherlich hervorrufen soll). Wusste aber auch nie, wohin die Reise im Film gehen soll und dafür hatte er mich zu wenig gecatched, damit ich am Ball bleibe. Vielleicht wirkt auch der bei mir nochmal besser, wenn ich weiß worauf ich mich einlasse.
    Habe tatsächlich noch nie einen Terence Malick Film gesehen, schätze die Wissenslücke muss ich irgendwann mal ausfüllen und eigentlich find ich, dass es ziemlich ansprechend klingt.
    One Flew reift bei mir mit der Zeit immer mehr und mehr in mir heran und jedes Mal, wenn ich von ihm lese, kriege ich wieder Lust ihn einzulegen. Bei der Bootsszene verstehe ich, dass die ein wenig deplatziert wirkt, aber die ist echt wichtig, weil die Figuren dort das einzige Mal schaffen, aus dem geschlossenen System auszubrechen und wie man dann sieht, richtig aufblühen.
    Und Rear Window ist nicht umsonst ein Klassiker, einfach der Wahnsinn. Der ist sehr beliebt, um analysiert zu werden und wird auch immer wieder zum Studieren herangezogen, auch ich hab ihn in meinem letzten Semester behandelt. Mein zweitliebster Hitchcock – meinen liebsten hast du wie ich sehe letztens erst bei Letterboxd eingetragen und bin daher absolut gespannt auf deine nächste Klassikerparade, in der er ja dann wohl auftauchen wird 😀 Spiele auch immer wieder Mal mit dem Gedanken, Vertigo nochmal anzuschmeißen

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    1. Terence Malick ist halt nichts für jeden, ich mag zumindest die Filme, die ich von ihm gesehen habe.
      „Zodiac“ fand ich großartig, da hat alles für mich gespasst, auch wenn der in der zweiten Hälfte schon anders wird, als erwartet.
      Die Erkenntnis brauche ich tatsächlich im Falle des Films nicht, da reichen andere Szenen in der Anstalt für mich aus.
      Inwiefern hast du den denn in deinem Studium (Was studierst du eigentlich?, By the Way) behandelt, das interessiert mich jetzt. Gefühlt ist jeder Hitchcock ein Klassiker.
      Hab jetzt gesehen, dass es „Vertigo“ für 4,99€ als Blu Ray gibt, wird zeitnah gekauft

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      1. Würdest du dann auch empfehlen, bei seinen früheren Werken anzufangen? The Thin Red Line steht auch schon seit langem ganz oben auf der Watchlist, was aber besonders an Hans Zimmers Score liegt 😀
        Wenn ich mich bei One Flew recht entsinne, gibt es aber doch einige Insassen, die auf freiem Fuße in der Anstalt sind und sie jederzeit verlassen könnten, falls sie wollten. Allerdings ist die Anstalt so sehr ihr Alltag geworden, dass sie sich gegen Veränderung sträuben. Und genau für diese Figuren erachte ich die Bootsszene als eine sehr essentielle Szene. Außerdem drückt sie auch nochmal die Menschlichkeit aller aus und macht sie zu mehr, als den sozial geächteten Insassen einer Klapse. Das ist zumindest meine Wahrnehmung dessen, ist aber auch schon wieder eine Weile her 😀
        Ich habe tatsächlich ganz frisch mit Film- und Medienwissenschaften im Bachelor angefangen und komme gerade ins zweite Semester. Rear Window war Teil der Einführung in die Filmwissenschaften, wo wir schon bisschen in die Analyse gegangen sind, aber ihn auch behandelt haben unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten. Da ging es dann um die Thematiken im Film wie u. a. Voyeurismus.
        Ja das stimmt, habe bis jetzt auch noch keinen schlechten Hitchcock gesehen 😀 Rear Window sticht finde ich aber schon hervor, weil seine Prämisse eine sehr originelle war und dann auch gern zitiert wurde.
        Da kann man nichts mit falsch machen 😀

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        1. Ich würde The Thin Red Line empfehlen, nicht nur wegen Hans Zimmers Score (für mich einer seiner besten Scores, wenn nicht sogar der beste), wenn man den nicht mag, braucht man sich die anderen wahrscheinlich nicht angucken.
          Wahrscheinlich kam daneben dann noch 2001, Das Boot und Pulp Fiction dran, das sind zumindest die Filme, die ich mit Filmstudium in Verbindung bringe, aber ja aus The Rear Window kannste ne Menge rausholen auch im Hinblick auf ne wissenschaftliche Arbeit.

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          1. Ja wobei ich auch einfach nicht viel Spaß an Kriegsfilmen habe, wäre dann auch nicht soo aussagekräftig

            Also wir hatten sonst noch Citizen Kane, der zu seiner Zeit eine neue Filmsprache entwickelt hat, weil er Bilder in die Tiefe komponiert hat, und Dark Passage, der, wenn ich mich recht erinnere, der erste Film ist, der über weite Strecken aus der Point of View gefilmt ist (übrigens echt empfehlenswert, kannte ich vorher gar nicht, mit Humphrey Bogart).
            2001 haben wir nicht explizit behandelt, bloß einige Szenen als Beispiele für Begrifflichkeiten.
            Aber da kommt sicher noch einiges dran 😀

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