Wenn man heutzutage auf Länder blickt, die beim Eurovision Song Contest erfolgreiche und auch außerhalb des Contests hörbare Beiträge produziert, wird Norwegen mit Alexander Rybaks märchenhaftem Sieg, Margaret Bergers futoristischer Elektronummer und KeiiNos Gute Laune Publikumssieger bei Norwegen. Das skandinavische Land wird schon vor Songbekanntgabe als Geheimfavorit (hinter den üblichen Verdächtigen Schweden, Russland, Italien, Aserbaidschan) gehandelt. Nach Songbekanntgabe halten sich die positiven Aktien bei den Buchmachern. Zu Zeiten als der ganze Spaß noch Eurovision Grand Prix de la Chanson hieß war Norwegen allerdings ein ewiger Loser. Seit dem Debüt 1960 erreichte Norwegen bei den ersten fünfundzwanzig Teilnahmen einen dritten Platz, aber auch zwei vorletzte und vier letzte Plätze (eine Bilanz, wie sie in den letzten Jahren von Großbritannien präsentiert wird).

Dementsprechend waren 1985 in Göteborg, welches mit 12.000 Hallenzuschauern den bis dato größten Grand Prix präsentierte, auch andere die Favoriten. Da war zum einem Italien, für das das international bekannte Duo Al Bano & Romina Power mit „Magic, oh Magic“ an. Auch wenn der Song nicht an die Qualität der Hits „Felicita“ und „Sharazan“ heranreichte, wäre mit einem Televoting wohl mehr als Platz Sieben drin gewesen. Luxemburg trat mit einer Art Supergroup mit unter anderem Ireen Sheer und Chris Roberts und einem von Ralph Siegel und Bernd Meinunger an. Luxemburg, damals noch Rekordsieger erreichte nur Platz 13. Für Deutschland trat die Band Wind an, deren Song „Für alle“ Platz Zwei belegte, auch weil weder die Jury aus Österreich noch die aus der Schweiz Punkte für den deutschen Beitrag übrig hatte. Dies sorgte in Deutschland für große Empörung. Die Retrospektive sagt jedoch, dass damals der richtige Beitrag gewann. Norwegens Überraschungssieg lässt sich darauf zurückführen, dass im Vergleich zu den balladesken Favoriten die Bobbysocks eine Swingnummer in Eurovisionsschlagerart passend betitelt mit „La det Swinge“ (dt. Lass es swingen) präsentierten. Auch wenn der Titel nach 80er-Eurovision schreit, kann man ihn sich heute noch ohne bedenken anhören und beginnt ein wenig mit dem Bein zu schwingen.

Teil des Erfolgsrezepts waren auch die charismatischen Sängerinnen Hanne Krogh und Elisabeth Andreasson, die den Titel voller Elan präsentierten, wodurch zum ersten mal ein skandinavischer Back to Back Erfolg (nach dem schwedischen Erfolg 1984) erreicht werden konnte. „La det Swinge“ wurde zum kommerziell erfolgreichsten ESC-Song des Jahrzehnts und später auch auf Englisch veröffentlicht. Komponist Rolf Lovland konnte zehn Jahre später wieder für einen norwegischen Sieg sorgen, als er Secret Gardens „Nocturne“ mitkomponierte.

 

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