Inhalt

Paris 1895: Der jüdische Hauptmann Alfred Dreyfus (Louis Garrel) wird wegen Spionage für Deutschland zu lebenslanger Haft verurteilt. Dreyfus beteuert seine Unschuld, Marie-Georges Picquart (Jean Dujardin), zum Leiter der militärischen Spionageabwehrarbeit befördert, schenkt dem zunächst keinen Glauben. Er findet jedoch Beweise, die Dreyfus Unschuld belegen…

Kritik

In Venedig mit dem Großen Preis der Jury bedacht, in den USA teilweise verrissen, Roman Polanskis neuester Film polarisiert. Dabei erscheint die in den USA ihren Ursprung findende Kritikerkontroverse, ob Polanski hiermit seine Meinung zu seinem Gerichtsprozess in den USA ausdrückt, fast schon interessanter als das Historiendrama selbst.

Vollkommen gleich, wie man zu Polanski als Person und zu seinen Taten steht, sollte man seine Filme als Filme bewerten, nicht als Ausdruck seines Geistes, denn auch ohne die Kontroverse zu suchen, kann man „J´Accuse“ (Originaltitel) einiges vorwerfen. Sicherlich handelt es sich hierbei nicht um einen schlechten Film, aber der Film ist doch schon sehr schnarchig. Wer sich einen Historienthriller erhofft wird enttäuscht, der Film ist ein Drama, dabei aber behäbig und zu sehr auf seinen Protagonisten Picquart fokussiert. Dieser ist in nahezu jeder Szene präsent, man erlebt die Geschichte aus seiner Sicht. Dabei ist der Film am stärksten, wenn er die gesamte Gesellschaft in den Blick nimmt, so schimmert immer wieder durch, dass der Judenhass im Frankreich des späten 19. Jahrhunderts weit verbreitet war. Auch ist der Plot um den Love Interest von Picquart zu lang geraten, man schafft es nie so ganz eine Verbindung zu Picquart aufzunehmen, obwohl dieser mit seiner Integrität und der Überwindung eingefahrener antisemitischer Standpunkte zum Sympathieträger taugen sollte.

Abgesehen davon erzählt der Film eine hochbrisante Geschichte, auf zurückgenommene Art. Technisch ist das alles sehr solide, auch wenn der Schnitt etwas hart wirkte. Der Film ist mit seinen 132 Minuten zumindest in dieser Erzählform deutlich zu lang (es hat sich eher wie drei Stunden angefühlt). Die Schauspielleistungen sind solide bis gut, auch wenn Jean Dujardin arg limitiert ist.

Fazit

Zu behäbig, zu sehr auf seinen Protagonisten bezogen, Roman Polanskis „Intrige“ behandelt einen hochinteressanten Fall, ist selbst aber nur ein solider Film. 6/10

Daten & Fakten

Originaltitel: J`Accuse

Regie: Roman Polanski (Chinatown, Der Gott des Gemetzels, Der Pianist uw)

Drehbuch: Robert Harris (Der Ghostwriter ua) & Roman Polanski

Produktionsland: Frankreich

Darsteller: Jean Dujardin, Louis Garrel, Emanuelle Seigner, Mathieu Amalric, Melvil Poupaud ua

Länge: 132 Minuten

Genre: Historienfilm, Drama

Werbung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s