Manchmal habe ich Personen, denen vertraue ich in Sachen Popmusik blind. Wenn diejenigen sagen „Hör dir den und den Song an, der ist super“, mache ich das sofort, eine dieser Personen ist mein ehemaliger Musiklehrer. Als der mir irgendwann zwischen Tür und Angel sagte, dass „You´re The Voice“ ein Supersong sei, wurde ich stutzig. John Farnhams 80er-Hit war für mich bis dahin Inbegriff des langweiligen 80er Radiosongs. Ähnlich ungläubig wie ich war damals Chris Thompson. Der ehemalige Manfred Manns Earth Band Frontmann war schockiert als er hörte wer seinen Song, den er eigentlich selbst singen wollte, interpretieren wollte. Der Australier Farnham war als Fernsehstar bekannt und hatte als Jüngling mit „Sadie the Cleaning Lady“ einen belanglosen Bubblegumtophit. Thompson wollte, dass ein relevanterer Künstler seinen Protestsong singt, wenn die Plattenfirma ihn schon davon abhält.

Farnham war jedoch war der einzige ernsthafte Interessent. Der im englischen Dagenham, den britischen Pendant zu Wolfsburg und Detroit, geborene Sänger und Schauspieler war beim Hören von Thompsons Demo von der Energie des Songs ebenso begeistert, wie von der Botschaft die eigene Stimme zu erheben, sodass er der Überzeugung war, dass er den Song singen müsse. Thompson willigte widerwillig ein mit der Einschränkung, dass sie die Version von ihm absegnen lassen müssen, bevor sie in den Druck geht. Farnhams Version übernahm von der Demo die kräftige Drummaschine, die charakteristische Melodie im Refrain ebenso wie das lautmalerische „Ohooo-Wohoo“, kurzum die Version war bis auf eine Stelle sehr nah an Thompsons Version dran. Nur die gesmapleten Dudelsäcke ab der Bridge weichen von der Vorlage ab, sie sind das Sahnestück des Songs, heben ihn von den guten 80er Songs und machen ihn zu einem Klassiker. Das habe ich dann auch gemerkt, als ich den Song konzentriert mit ordentlich Lautstärke gehört habe. Erst dann überträgt sich die Kraft des Songs, genauso wie John Farnhams leidenschaftlicher Gesang.

„You´re The Voice“ wurde 1987 zu einem der größten Hits des Jahres, nicht nur in Farnahms Heimat Australien, sondern auch im deutschsprachigem Raum. Mit Neununddreißig Jahren gelang Farnham der internationale Durchbruch. Nur in den USA war der Song weitestgehend erfolglos. Farnham macht bis heute Musik und belegte mit seinen Duettalben mit Olivia Newton-John zuletzt 2015 und 2016 Platz Eins der australischen Albumcharts. Chris Thompson war begeistert von Farnhams Version, die genau das vermittle, was er mit dem Son ausdrücken wollte und ich bin inzwischen auch restlos überzeugt.

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