Der NDR hat auf One gestern den deutschen ESC-Beitrag vorgestellt und auch wenn es sich dabei um keinen potenziellen Siegertitel handelt, ist das Anlass genug auf den ersten deutschen ESC-Sieg zu blicken. In den Frühjahren des Eurovision Grand Prix de la Chanson war Deutschland mehrmals auf einem Top Drei Platz zu finden, zum Sieg sollte es allerdings erst im 27. Anlauf reichen. Bis dahin war es ein weiter weg. Nachdem die sechzehnjährige Nicole 1981 mit „Flieg nicht so hoch mein kleiner Freund“ einen ersten  Erfolg erreichen konnte, wurde sie für den Vorentscheid für den Grand Prix 1982 ausgewählt. Dort trat sie mit der Friedensballade „Ein bisschen Frieden“ an, einen Titel den sie zunächst nicht singen wollte, zu einfach erschien das Lied. Das (damals) kongeniale Team aus Bernd Meinunger und Ralph Siegel bestand jedoch auf den Titel. Bei der vorgelagerten Radiovorstellung belegte das Lied nur den letzten Platz, dennoch trat Nicole mit dem ihr immer noch nicht wirklich passenden Titel in der Fernsehsendung „Ein Lied für Harrogate“ an und gewann.

Musikalisch ist „Ein bisschen Frieden“ kein Hexenwerk, eine simple Ballade, die vom pazifistischen Text und Nicoles Jugendlichkeit profitiert. Wären die Zeiten nicht so hitzig gewesen, das Lied wär vermutlich untergegangen. Großbritannien befand sich gerade im Falklandkrieg, der Kalte Krieg wurde wieder präsenter, die Friedensballade passte zur Zeit. Im beschaulichen Kurort Harrogate zeigte sich ein eher schwächerer Eurovisionsjahrgang. Frankreich und Griechenland zogen sich zurück, sodass der Grand Prix mit achtzehn Teilnehmern von statten ging. Besonders war der spanische Beitrag, der vom argentinischen Tango inspiriert wurde, was nicht nur im Vereinigten Königreich, welches mit Argentinien im angesprochenen Falklandkrieg stand, als politisches Statement bzw als Affront gewertet wurde. Deutschland kam entgegen, dass Nicole den letzten Startplatz erhielt. Nach ihrem Auftritt erhielten sie und ihr Lied von jeder Jury außer jener aus Luxemburg Punkte, mit 61 Punkten Vorsprung (damals ein Erdrutschsieg) gewann sie den Grand Prix.

Die Durchschnittspunktzahl pro Wertung ist die bis heute höchste, es kam alles zusammen, das Lied, die Zeit, der Startplatz, der Auftritt mit der weißen Gitarre jedoch nicht die Mehrsprachigkeit. Diese inzwischen weit verbreitete Mär stimmt nicht so ganz. Nicole sang das Lied erst mehrsprachig, als sie den Song das zweite Mal, dieses Mal als Siegertitel des Grand Prix präsentierte. Es sollte 28 Jahre dauern, bis Deutschland wieder den dann Eurovision Song Contest heißenden Wettbewerb gewinnen sollte.

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