Der Coronavirus hat auch den ESC im Visier, auch wenn ich persönlich noch davon ausgehe, dass die größte Eurovisionssendung im Mai steigen wird. Warum und wie ich zu Corona stehe werde ich morgen genauer erklären (Ist nämlich etwas komplizierter). Heute aber soll es um die ESC Geschichte gehen.

Wann wurde eigentlich der moderne ESC geboren? Man könnte mit der Abschaffung des Orchesters 1998 oder der Abschaffung der Landessprachenregel 1999 oder mit dem ersten Sieg eines ostruropäischen Landes 2001 argumentieren. Ich argumentiere mit dem Sieg Carolas 1991, der die dritte Phase des Eurovision Song Contests einleitet (Die zweite Phase leitet Abba ein, die vierte Loreen, nicht gerade zufällig alles schwedische Sieger…), die Phase der Modernisierung. Auch wenn der folgende Dreifachsieg Irlands nach muffeligen ESC Achtziger Konzept dagegen spricht, aber Carolas Auftritt hat den ESC weit mehr geprägt. Carola war 1983 als sechszehnjährige das erste mal für Schweden angetreten, der eingängige aber auch biedere Schlager „Främling“ erreichte den dritten Platz. „Fangad av en stormvind“ war hingegen ein klassischer Dansband, eine flotte Schlagervariante, die im deutschsprachigen Raum auch als „Schwedenschlager“ bezeichnet wurde. Hörbar von Abba inspiriert entsteht dadurch Tanzmusik, die sich durch eine hohe Instrumentendichte auszeichnet. Gerade da ist „Fangad av en stormvind“ ungewöhnlich, verlässt er sich größtenteils auf Piano auf melodischer und Schlagzeug auf rhythmischer Ebene. Im Vergleich zum restlichen Starterfeld war der Beitrag gerade zu erschreckend aufgeweckt, obwohl er weit weg vom zeitgemäßen Sound war.

Wahrscheinlich deshalb konnte er sich im engsten ESC Rennen aller Zeiten gegen einen französischen Chanson durchsetzen, bei Punktgleichheit und Gleichstand der Douze Points wurden damals die meisten 10-Punkter spontan als Entscheidungsregel auserkoren (heutzutage entscheidet die höhere Anzahl an Wertungen). Zum aufgeweckten Auftritt trug auch die Windmaschine (passend zum Stormvind) bei, die daraufhin ein Markenzeichen jedes ESCs wurde, ebenso wie die Rückung im letzten Refrain, bei der der letzte Refrain höher gesungen wird. Lange Jahre ein Markenzeichen von für die Tanzfläche geeichte ESC Songs, weswegen „Fangad av en Stormvind“ der für die musikalische Entwicklung wichtigste Siegersong war. Dennoch war der kommerzielle Erfolg des Beitrags außerhalb Skandinaviens nicht existent, obwohl Carola eine englischsprachige Version aufnahm. Auch auf Englisch sang Carola 2006 zum dritten mal für Schweden. Der an den Sound der 2000er angepasste Song „Invincible“ erreichte immerhin Platz Fünf, die beste Platzierung für Schweden zwischen 2002 und 2010.

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