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Mecklenburg-Vorpommern: Frenni, Martin und Eric sind seit der Kindheit eng befreundet. Erics Zwillingsbruder Basti hingegen ist schwierig einzuschätzen und irgendwann trennt sich Frenni von Eric und keiner weiß warum.

Kritik

Deutscher Film, Regiedebüt, geringes Budget, größtenteils unbekannte Schauspieler in den Hauptrollen, Mischung aus Thriller und Drama, das sind nicht unbedingt die Voraussetzungen für ein Filmhighlight. „Kahlschlag“ allerdings ist ein sehr guter Film.

Das beginnt mit der Erzählweise, die sehr verschachtelt erscheint, dabei aber nicht zu sehr erklärt. Dadurch ist „Kahlschlag“ sicherlich kein einfacher Film, in manchen Momenten wird das ganze auch zu sehr auf die Spitze getrieben, wie sich anhand einer sächsischen Familie zeigt. Diese wirkt zunächst fast schon als unnötiges Comic Relief, bevor es am Ende noch eine einzelne Szene mit der Familie im Rahmen einer Kollage gibt. Diese Szene zeigt auch, dass der Film ein Drama im Gewand eines Thrillers ist und dass das dominierende Figurentrio dafür exemplarisch steht. Während der bekannteste Darsteller Florian Bartholomäi noch am wenigsten glänzen darf, aber dennoch den fürsorglichen aber auch unentschlossenen Martin überzeugt darstellt, hat Bernhard Conrad eine Rolle, die ihn wahrscheinlich in Zukunft einige Rollen bescheren wird. Seine Doppelrolle ist von allen möglichen Emotionen getragen und Conrad findet das richtige Maß an Schauspiel, subtil und doch eindringlich. Ebenso überzeugend ist Maike Johanna Reuter (die kurz nach den Dreharbeiten bei einer RTL Soap anfing, welch eine Verschwendung) als Frenni, die eine besonders ausdrucksstarke Szene, welche den Dreh- und Angelpunkt des Films darstellt, hat. Dieser Drehpunkt wird im richtigen Moment enthüllt, wodurch einem die Charaktere nah gehen und man in den Film hineingezogen wird. Dabei hilft auch eine in den meisten Momenten gelungene Regie, obwohl der Film keine Glanzproduktion ist, sind ausdrucksstarke Bilder (vor allem im Wald) und der ein oder andere inszenatorische Kniff (z.B. eine Szene im Splitscreen) zu finden. Typisch für einen Debütfilm geht das manchmal schief oder wirkt überflüssig, allerdings ohne den Film aus dem Konzept geraten zu lassen.

Dazu ist der Film ohnehin zu spannend, auch wenn der Film sich nicht mit einem klassischen Thriller vergleichen lässt, „Kahlschlag“ wirkt eher wie Thrillerdrama, welches sich in der zweiten Hälfte verdichtet. Auch wenn die Kampfszenen eher mittelmäßig wirken, bleibt der Film auch dort gut. Hervorragend funktionieren einzelne Szenen, die die Beziehung der drei unter die Lupe nehmen ohne zu viel vorzukauen, denn wer aufpasst wird schon ahnen, wie ein gewisser Anruf gegen Ende verlaufen wird. Der Prolog, der den Film einleitet und Teile vorwegnimmt erscheint hier unnötig. Die überdurchschnittliche Nacktheit hingegen hat hier nicht gestört, lassen sich auch hier weitere Anzeichen über die Charaktere finden. Auch steht die Nacktheit dafür, dass sich hier ein frisches Team getraut hat einen wertigen, einnehmenden Film zu drehen. Positiv ist auch die Musik hervorzuheben, die zwar ungewöhnlich ist, aber die Stimmung oft perfekt unterstützt bzw transportiert,

Fazit

Starkes Regiedebüt mit kleinen Schwächen. „Kahlschlag“ verdient definitiv Aufmerksamkeit. Ein bemerkenswertes Stück deutsches Genrekino. 8/10

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland

Länge: 98 Minuten

Regie & Drehbuch: Max Gleschinski

Darsteller: Florian Bartholomäi, Maike Johanna Reuter, Bernhard Conrad uw

Genre: Thriller, Drama

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