Grand Prix

8/10 John Frankenheimer inszeniert einen Formel 1 Film in den Sechzigern als Monumentalfilm. Dabei wird an originalen Rennstrecken gedreht (sogar der reale belgische GP 1966 findet sich im Film wieder) zu einer Zeit als Rennsportübertragungen noch als Fantasie abgetan wurde. Mithilfe von Panavision Kameras wird ein Eindruck hergestellt, der selbst Fernsehübertragungen weit überholt. „Grand Prix“ ist technisch ein Meisterwerk, der Schnitt, die Kamera, der Ton überragend. Da muss man verschmerzen können, dass die narrative Ebene eher Staffage ist und kaum über Seifenopernniveau hinauskommt, aber allein für die Rennsportszenen und dafür ein Verständnis für die 60er Jahre Formel 1 zu bekommen lohnt sich dieser Klassiker.

Das Fest (Festen)

9/10 Einer der ersten nach der Dogma 95 Regel entstandenen Filme, inszeniert von Thomas Vinterberg (Die Jagd). Vinterberg erweist sich auch hier als kluger Beobachter vom Zusammenbruch zwischenmenschlicher Beziehungen. Beginnt „Das Fest“ als Komödie über eine Familie aus der Oberschicht, entwickelt sich im Verlauf des Festes ein ebenso intelligentes wie packendes Psychodrama, in dem die Charaktere höchst ambivalent sind, in dem eine kuriose Eigendynamik Einzug hält, in dem Beziehungsmechanismen offen gelegt werden und in dem am Ende der Zusammenbruch einer Familie steht. Die Dogma Regeln, wie der Verzicht auf künstliches Licht oder der Einsatz von Handkameras unterstreichen diese Vorgänge. Schauspielerisch wird der Film von Ulrich Thomsen getragen, dessen Figur mit einer Enthüllung das ganze Schlamassel in Gang tritt. Unbedingt angucken.

Rat mal wer zum Essen kommt (Guess whos coming to Dinner)

10/10 Stanley Kramer hatte mich ja schon mit „Wer den Wind sät“ überzeugen können, aber „Rat mal wer zum Essen kommt“ hat mich nochmal deutlich mehr überzeugt. Joanna, oft Joey genannt, verliebt sich hals über Kopf in den dunkelhäutigen Arzt Dr.Prentice und will ihn so schnell wie möglich heiraten. In den USA der Sechziger sind jedoch selbst die äußerst liberalen Eltern der lebensfrohen jungen Dame skeptisch. Daraus entspinnt sich ein liebenswerter Film mit Kammerspielelementen. Vor allem die Schauspielleistungen von Hochkarätern wie Katherine Hepburn (Oscar-prämiert), Sidney Poitier und Spencer Tracy (in seiner letzten Rolle) lassen diesen ambivalenten Film lebendig werden. Die Charaktere hier sind nicht gut oder schlecht, sie sind ungewöhnlich und in einer ungewöhnlichen Situation, die gehändelt werden muss. Dabei setzt Kramer auf eine unaufgeregte Regie, die die Darsteller und die Dialoge in den Vordergrund stellen, wodurch nicht nur Rassismus sondern auch Generationsfragen gestellt werden. Selbst Szenen, die zunächst überflüssig erscheinen, haben einen interessanten Kern und spätestens wenn Spencer Tracy zu einem Abschlussmonolog für die Filmewigkeit ansetzt weiß man, dass „Guess whos coming to Dinner“ ein ganz großer Film ist, nicht weil er weise ist, sondern weil er ungeheuer menschlich ist.

Aliens – Die Rückkehr

5/10 Ein heißgeliebter 80er-Klassiker hat mich absolut kaltgelassen. Wieso? Das Pacing des Films ist eine Katastrophe, 137 Minuten sind viel zu lang für einen Actionfilm, vor allem die erste Hälfte ist teilweise gähnend langweilig. Da versucht Regisseur James Cameron nämlich den ersten Alien zu kopieren. Wenn nicht Ridley, deren Figur die einzig gut geschriebene und ebenso gut performte ist, ist der Film weit weg von gut. In der zweiten Hälfte wird das Pseudowissenschaftliche mehr und mehr einer Krachbummaction geopfert, die zwar gekonnt inszeniert ist, aber auch vollkommen egal, da man ahnt, dass sich das ganze genauso abspielen wird wie in Alien, nämlich das Ridley das Alien durch Cleverness und Fortune besiegen kann. Überraschung, genau so kommt es.

Mulan

7/10 Ich war als Kind nie großer Fan der Disneyfilmklassiker und beim Rewatch des mir sehr gut in Erinnerung gebliebenen „Mulan“ habe ich festgestellt warum, da ist viel zu viel gesinge, selbst in „Mulan“, der nur drei Songs hat. Mulan ist eine interessante Figur, es gibt ein paar lustige Momente, einen typischen Tiersidekick und auch storytechnisch ist das typisch Disney, aber mit interessanter Genderthematik, die aber natürlich nicht vollends ausgespielt werden kann, wodurch auch dieser Film etwas schlechter als erwachsene Person als als Kind wirkt und dass das nicht so sein muss beweist Pixar oft genug. Aus der Geschichte kann man jedoch prima einen Realfilm machen, vielleicht schafft man es ja diesmal ein künstlerisch eigenständiges Werk aus der Vorlage zu zaubern

 

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4 Kommentare zu „Klassikerparade (6) – Grand Prix, Das Fest, Rat mal wer zum Essen kommt, Aliens – Die Rückkehr, Mulan

    1. Ehrlich gesagt habe ich auf weitere Alienfilme keine Lust, da guck ich lieber nochmal den einen sehr guten. Ich kann Aliens kaum etwas abgewinnen und dann sehe ich reihenweise fünf Sterne auf Letterboxd und denke mir, dass kann doch nur Nostalgie sein.

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