Heat

7/10 In der angloamerikanischen Filmkritik zum Zeitpunkt des Erscheinens umstritten, hat sich Michael Manns episches Gangsterwerk „Heat“ inzwischen als Konsens für Filmklassiker durchgesetzt. Der erste Film mit Robert De Niro UND Al Pacino hat die Erwartungen hoch getrieben und so hoch gepriesen „Heat“ auch ist. Die zeitgenössische Kritik ist nachvollziehbar. „Heat“ breitet neben der Konkurrenz zwischen einem gewitzten Gangster (De Niro) und seiner Crew gegen einem wahnwitzigen Cop (Pacino) auch noch Privatleben der beiden in den Film, wodurch „Heat“ knapp drei Stunden geht und als nach knapp zwei Stunden der berüchtigte Shootout beendet ist, fragt man sich, warum der Film noch fast ne ganze weitere Stunde geht. Dazu findet „Heat“ kein zufriedenstellendes Ende und die Tatsache, dass Al Pacino das Verhalten des Cops im Nachhinein mit seiner Drogensucht erklärt, diese aber nicht einmal angedeutet wird, zusammen geben doch Makel auf einen guten Gangsterfilm, der virtuos inszeniert ist, dabei aber erzählerisch holprig verläuft.

Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug (Airplane!)

5/10 Mit Filmen wie „Airplane“ werde ich einfach nicht warm. Fernab jeglicher Logik ist dies eine Gagkanonade mit gefühlt 60 Gags pro Minute von denen einer zündet. Sicher gibt es dafür ein Publikum und handwerklich ist das ein gut gemachter Film, aber ein wenig Fleisch (Charaktere, Narrative) hätte ich schon gerne, um bei einer Komödie herzhaft lachen zu können. Vielleicht war dieser Humor früher auch irgendwie modern, schließlich hat er ja auch noch in anderen Filmen Anwendung gefunden, aber Ulk ohne Sinn und ohne Hirn brauche ich für mich nicht.

Der Mann, der zu viel wusste (The Men who knew too much) (Schwarz-Weiß Film aus 1934)

7/10 Diesen Film sollte Alfred Hitchcock deutlich länger und in Farbe zwanzig Jahre später remaken, aber schon hier zeigen sich die besonderen Fähigkeiten des Meisterregisseurs. Szenen sind hochspannend inszeniert, visuell beeindruckt der Film auch, nur ist die Handlung etwas sprunghaft, wodurch der Sehgenuss getrübt wird. Dafür überragt vor allem der Österreicher Peter Lorre in der Rolle des geheimnisvollen Schurken.

A Beautiful Mind

8/10 Ron Howard ist der typische Handwerker unter den Regisseuren. Howard verzichtet auf eine spezielle Handschrift, dennoch sind viele seiner Filme sehenswert, so wie dieser Oscar-Gewinner mit Russell Crowe in der Hauptrolle. „A Beautiful Mind“ ist die Biographie über den Mathematiker James Nash, dessen Lebensgeschichte einen besonderen Aspekt hat. Wie dieser in die Erzählung und Inszenierung eingewoben wird ist brillant, auch wenn Howards Film etwas zu weich ist, so werden Passagen beschönigt, um gerade gegen Ende einen Feel-Good Charackter zu haben, nachdem der Film zu Beginn zwischen Drama, Biographie und Spionagethriller hin und her pendelt. Neben Russell Crowe überzeugt der hochkarätig besetzte Cast (ua Jennifer Connelly und Ed Harris) in vollsten Zügen.

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6 Kommentare zu „Klassikerparade (8) – Heat; Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug; Der Mann, der zu viel wusste; A Beautiful Mind

  1. Heat sollte ich endlich mal gucken, aber die lange Laufzeit hält mich irgendwie dann doch immer ab, obwohl der Film vom Cast und Genre eigentlich genau mein Ding sein sollte.

    Zugegeben, ich habe „Airplane“ sehr, sehr lange nicht mehr gesehen, aber was kann es denn besseres geben als von jedem Sinn befreiten Humor 😀

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    1. War bei mir dasselbe, Heat war der erste Film den ich auf meine Prime Watchlist gepackt habe, das war vor anderthalb Jahren. Ich bin mir nicht sicher, ob dir Heat gefällt.

      Zu Airplane hat Benni viel gesagt

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  2. „Ulk ohne Sinn und ohne Hirn“

    Auch wenn das jetzt stark in die Richtung „mi, mi, mi, du hast ihn bloß nicht verstanden“ geht, muss ich das trotzdem loswerden, denn der Satz wird dem Film in keinster Weise gerecht.
    Er schafft es, obwohl er in den sehr vielen Szenen eine 1:1-Umsetzung des FIlmes Zero Hour! ist, die von dir angesprochene Gagkanonade abzufeuern. Und das mit platten Gags, kreativen Wortspielen (im Original), parodistischen Elementen, Slapstick und Kleinigkeiten, die im Hintergrund passieren. Da sind heutige Parodien meilenweit von entfernt. Er nimmt sich seine Vorbilder und macht etwas Neues daraus, ohne die Geschichte und die Charaktere aus den Augen zu lassen. Du hast nach wie vor einen alkoholkranken Ex-Piloten, der mit der größten Herausforderung seines Lebens zu kämpfen hat. Da muss man auch mal an den Witzen vorbeischauen können.
    Wenn du sagst, der Humor gefällt dir nicht, okay, aber ohne Sinn und ohne Hirn nehme ich bei diesem (und ähnlichen) Film(en) fast schon persönlich. Denn wie man immer wieder sehen muss (Stichwort: Friedberg/Steltzer) ist es eine große Kunst, eine funktionierende Parodie auf die Beine zu stellen mit kreativen Ideen abseits von Schauspieler X sieht dem Original ähnlich und reibt sich mit Öl ein aufwarten zu können.

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    1. Von allen Filmen, die ich bisher besprochen habe, würde ich bei dem Film am ehesten sagen, dass du Recht hast, bezüglich ich hätte ihn nicht verstanden.
      Ich hatte auch überlegt ihn gar nicht zu besprechen, weil meine Kritik vor allem persönlich ist. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es einen Film mit derart dummer Handlung gibt. Deine Erläuterung gibt mir mehr Respekt vor dem Film und dass der Film viel viel besser ist als Filme, die sich aktuell als „Parodie“ schimpfen ist eindeutig

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  3. Man kann „Airplane!“ sicher schwer – ohne die Vielzahl an Katastrophen/Flugzeugabsturzfilmen, die seinerzeit den Kinomarkt (und später logischerweise auch das Fernsehen) überschwemmten und auf die der Film abzielt – bewerten. Diese Filme hatten keinen Inhalt und waren dumm und daher war „Airplane!“ als Parodie auch lustig. Es ist schon ne Weile her, dass ich die Parodie im Original mal wieder gesehen habe, vieles fand ich immer noch sehr lustig, insbesondere, weil ich mich so gut an diese vielen blöden Katastrophenfilme erinnerte. Ich weiß nicht, wie die Synchro ist.

    „Heat“ habe ich damals im Kino gesehen, fand ihn sehr gut, vor allen Dingen weil man beide Schauspielgiganten erstmals gesehen hat. De Niro fand ich einen Tick besser als Pacino.

    „A Beautiful Mind“ ist so ein Film, den ich seinerzeit nicht schlecht fand, aber nie wieder das Bedürfnis hatte, ihn erneut zu schauen.

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    1. Ja, Airplane kann ich kaum beurteilen, ich kann kaum glauben, dass es ernst gemeinte Filme mit solch dümmlicher Handlung gab, höchstens als Trash.

      „Heat“ ist gut keine Frage, aber für mich nicht so gut, wie er teilweise gemacht wird, gerade visuell und schauspielerisch überzeugend (ich würde auch De Niro einen ticken besser sehen als Pacino)

      Ich weiß auch nicht, ob ich „A Beautiful Mind“ nochmal gucken werde, aber ich hätte gedacht, dass der schwächer ist, obwohl er ja Oscar-Prämiert ist.

      Gefällt 1 Person

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