Inhalt

Eine Gruppe Jugendlicher befindet sich in ihrer Ausbildung zu Guerillakämpfern. Die „Monos“ müssen eine Wissenschaftlerin auf einem Berg als Geisel halten und eine Kuh pflegen. Nach einer wilden Nacht erschießt einer der Acht die Kuh, woraufhin sich der Anführer der Truppe umbringt.

Kritik

Trotz der Covid 19 Pandemie hat der deutsche Verleih bei „Monos – Zwischen Himmel und Hölle“ am angedachten deutschen Kinostart 04.06. festgehalten, sodass dieser kolumbianische Film in einigen Lichtspielhäusern bewundert werden kann. Am ehesten kann man diesen Film wahrscheinlich so beschreiben, dass jemand sich gedacht hat, Warum verfilmen wir nicht einfach „Apocalpyse Now“ mit jugendlichen Guerillakämpfern. Natürlich hinkt der Vergleich ein wenig, jedoch kann gerade in der psychischen Komponente des Films der Einfluss von Francis Ford Coppolas Klassiker nicht abgestritten werden.

„Monos“ ist sicher kein Film für die Massen, aber es ist ein Film, der über die Laufzeit von knapp mehr als anderthalb Stunden eine massive Sogwirkung entfalten kann. Wie gut ich ihn fand, wurde mir besonders deutlich als mich der Filmvorführer im örtlichen Arthousekino nach meiner Meinung gefragt hat und ich fast schon geschwärmt habe. Dabei ist „Monos“ trotz der vergleichsweise kurzen Laufzeit ein langsam erzählter Film, die Plotpoints des Films hätte man auch in der Hälfte der Zeit abarbeiten können, jedoch nimmt sich Alejandro Landes bei seinem Regiedebüt Zeit, um das Setting zu präsentieren und den psychischen Verfall seiner neunköpfigen Gruppe, die mit der Zeit dezimiert wird, zu zeigen. Dabei werden auch sexuelle Bezüge eingestreut, die den aufkommenden Wahnsinn unterstreichen. Während die Geisel immer wieder ausbrechen will, versucht die Gemeinschaft der Jugendlichen sie irgendwie aufzunehmen, aber dennoch die Oberhand über sie zu behalten. Das führt dann zu absurden Szenen, wie die Tradition, dass das Geburtstagskind von jedem zwei Mal heftig auf den Po geschlagen bekommt, wo sich „Doctora“ zunächst weigert und widerwillig dennoch zuschlägt. Mit zunehmender Laufzeit beginnend mit dem Suizid des eigentlich zum Anführer auserkorenen Jugendlichen bröckelt die familiäre Einheit der Jugendlichen immer mehr dahin.

Zunächst wird darüber diskutiert, ob gelogen werden soll oder ein weiteres Mitglied der Gruppe für die Wahrheit geopfert werden soll, dann bauen sich die schon erwähnten sexuellen Spannungen auf und nach einem Settingwechsel und einem zunächst erfolgreichen Fluchtversuch der gekidnappten Wissenschaftlerin entlädt sich der zunehmende Hass und das fehlende Vertrauen ineinander. Die Gruppe implodiert zusehends, sodass Außenseiter „Rambo“ (Sofia Buenaventura) auch die Flucht ergreifen will, nachdem er trotz seiner Härte am meisten Verletzlichkeit zeigt. Die Figur des Rambo ist zunächst schwer zu greifen, entwickelt sich jedoch zum Mittelpunkt des Films, woran die Darstellung seiner Darstellerin große Bedeutung hat. Buenaventura schafft es die Ungewissheit des Rambo, einer Figur die von den Machern als „Post-Gender“ beschrieben wird, in kleinsten Gesten zu übertragen.

Während das Psychogramm mit zunehmender Laufzeit sich mehr in den Vordergrund spielt, ist das Kriegssetting oftmals kaum greifbar. Bis auf einen Angriff auf das Lager auf dem Berg, welcher zu einem Schauplatzwechsel führt, ist der Krieg mehr eine Schattenbedrohung fernab des gezeigten Mikrokosmos, wodurch der Film sich entpolitisiert. Dennoch kann „Monos – Zwischen Himmel und Hölle“ kriegsfilmtypisch mit beeindruckenden Bildern und ohrenbetäubendem Sound überzeugen. Wie der Nebel auf der Bergspitze eingefangen wird ist ebenso beeindruckend wie die Bilder aus dem Dschungel, in dem sich die Handlung des Films verlagert. Nicht nur in der beschriebenen Kampfszene kommt ebenso ein wuchtiger Sound zur Geltung, sondern auch in sonst stillen Szenen, in denen der Sound den Wahnsinn widerspiegelt. Garniert wird dieses Sounddesign mit einem atmosphärischen kaum als solchen wahrnehmbaren Score, der bis zum Anschlag gedreht wird, um dann plötzlich aufgelöst zu werden. Einzig der etwas zu harte, leicht unrunde Schnitt fällt technisch gesehen ab. Dennoch sollte man „Monos“ wenn möglich auf großer Leinwand mit bestmöglichem Soundsystem sehen.

Fazit

Der erste Kinostart in den wiedereröffneten Lichtspielhäusern ist direkt ein Highlight. „Monos – Zwischen Himmel und Hölle“ ist ein beeindruckendes Spielfilmdebüt, welches besonders durch seine Atmosphäre besticht, auch wenn der Film sicher nicht den Massengeschmack bedient. 8/10

Daten & Fakten

Originaltitel: Monos

Produktionsland: Kolumbien (diverse Fördergelder aus europäischen Ländern)

Regie: Alejandro Landes

Drehbuch: Alejandro Landes, Alexis Dos Santos

Darsteller: Moises Arrias, Juliane Nicholson, Sofia Buenaventura uw

Länge: 95 Minuten

Genre: Thriller, Drama, Kriegsfilm

13 Kommentare zu „Monos – Zwischen Himmel und Hölle

            1. Das kommt manchmal schneller als man denkt. Ich würde spätestens vom 2.7 (Termin der Kino Gilde) ausgehen. Wahrscheinlich wird bis dahin aber auch in Mainz und Umgebung zumindest ein Teil der Kinos offen sein.

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        1. Da ich nicht auf die zweite Frage eingegangen bin, es war wie erwartet leer. Ich kenne das ja nicht anders, aber da das eine Abendvorstellung war, habe ich ein paar mehr Leute erwartet. Maske auf, Maske ab finde ich gerade in solchen Bereichen lächerlich, aber es ging.

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  1. Den wollte ich mir letztes Jahr eigentlich auch unbedingt anschauen. Dann bin ich aber wieder davon abgekommen, glaube, auf den Film muss man wirklich Lust haben. Ein Kinostart jetzt kommt dem natürlich entgegen, so „ausgehungert“ wie viele von uns Kinomäßig gerade sind. :)) Ich werde ihn wahrscheinliche eher auf VOD gucken. Wieviele Kinos haben bei Euch denn wieder auf?

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    1. Ja ein wenig Lust muss man schon haben, wollte eigentlich The Gentlemen gucken, der lief an dem Tag aber nicht. So kam es spontan zu Monos.
      Hier in Aachen haben tatsächlich alle Kinos, wenn auch zeitlich deutlich eingeschränkt geöffnet. Dafür sind die temporären Autokinos aber auch wieder Geschichte. Über die Grenze hinaus sind die Kinos glaube ich noch zu und bei den drei anderen Kinos in der Euregio weiß ich nur von einem, welches auch wieder geöffnet hat.

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