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Lars (Will Ferrell) und Sigrid (Rachel McAdams) haben seit ihrer Kindheit einen Traum: Den Eurovision Song Contest zu gewinnen. Als sie zum isländischen Vorentscheid eingeladen werden, haben „Fire Saga“ eigentlich keine Chance, da alle anderen Teilnehmer bei einem Bootsunglück ums Leben kommen, müssen sie ihr Land bei der größten Musikshow der Welt vertreten.

Kritik

Man muss schon einiges schlucken, um an „Eurovision Song Contest: Fire Saga“ nachhaltig Spaß zu haben. Natürlich macht es Sinn den Abba-Sieg 1974 als Inspirationsmoment für die Charaktere zu nutzen und gleichzeitig dem Zuschauer einen vertrauten Einstieg zu bieten. In der Folge der Filmlogik bedeutet das jedoch, dass Rachel McAdams eine Ü-50 Jährige spielt. Da das im Film keine Rolle spielt, könnte man da leicht hinweg sehen, jedoch häufen sich solche Kleinigkeiten. Die Punktevergabe des ESC aus filmdramaturgischen Gründen ins Halbfinale zu packen (und dann auch noch falsch zu zeigen) gehört dazu, genauso wie ein mehrminütiges Musicalsingalong Intermezzo, welches viele Cameos beinhaltet, den Rhythmus des Films jedoch zerstört.

An sich ist der Film nicht schlecht, er ist aber unausgegoren. Erstaunlich wenig scheint der typische Will Ferrell (welcher dank seiner schwedischen Ehefrau großer ESC-Fan sein muss) Humor durch, dafür wechselt der Film jedoch die Tonalität. Wirkt das ganze zunächst wie eine Satire, vor allem dank des musikalischen Auftretens von „Fire Saga“ und einigen Island-Klischees, wird spätestens mit dem schon erwähnten Cameo klar, dass dieser Film viel mehr eine Hommage an den Eurovision Song Contest sein will. Dafür fängt der Film jedoch zu wenig die Faszination des ESCs, der Jahr für tausende Hardcorefans verrückt macht und hunderte Millionen am Finalabend vor den Fernseher zieht, ein. Stattdessen darf immerhin Dan Stevens herrlich Overacten, auch wenn es mutlos ist, die Figur nicht als homosexuell zu outen (so klar wird das durch das Spiel von Stevens). Die eigentliche Story des Films um Lars Erickssong schafft es nicht, den Film zu tragen, weder der Vater-Sohn Konflikt (als Vater herrlich Pierce Brosnan) noch die Liebesgeschichte mit Sigrid (zumindest in der ersten Hälfte) bauen den Film auf.

Dazu ist „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“ mit knapp zwei Stunden Laufzeit viel zu lang, dennoch funktioniert der Film irgendwie auf drollige Art und Weise. Das liegt zum einen an der fabelhaften Rachel McAdams, die Sigrid als naiv-unsicher und doch oder gerade dadurch ungeheuer liebenswert anlegt, zum anderen daran, dass der Film eine schöne Hommage an den ESC bietet und an den wirklich gut getroffenen Songs (allen voran „Jaja Ding Dong“ und „Volcano Man“). Daneben schafft es der Film erstaunlich oft komische Momente (am besten wie Will Ferrell Amerikaner beleidigt) zu kreieren und gegen Ende sogar zu rühren. Irgendwie kann man dem ganzen auch nicht böse sein, auch wenn dieser Film mehr Potenzial gehabt hätte.

Fazit

Eher wenig Will Ferrell Humor, dafür trotz Logikfehler phantastische Hommage an den Eurovision Song Contest. Abgerundet durch eine wunderbare Rachel McAdams und einen herrlich überdrehten Dan Stevens unterhält „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“ trotz seiner unübersehbaren Schwächen nicht nur ESC-Fans. 6/10

Daten & Fakten

Regie: David Dobkin

Drehbuch: Will Ferrell, Andrew Steele

Darsteller: Rachel McAdams, Will Ferrell, Dan Stevens, Demi Lovato, Pierce Brosnan uw

Länge: 123 Minuten

Genre: Komödie, Musikfilm

6 Kommentare zu „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga

  1. „An sich ist der Film nicht schlecht“

    Mehr als eine halbe Stunde am Stück habe ich bislang nicht ausgehalten von diesem unlustigen Liebesgedöhns zweier nicht zusammen passender Charaktere, bei dem einzig die Songs was taugen. Macht bei zwei Abenden eine Stunde. Folgen also nochmal zwei Abende, bis ich mich durchgequält habe…. puh.
    Für eine Hommage ist er zu abgedreht, für eine Parodie viel zu wenig, für eine Satire nicht bissig genug, für eine Komödie fehlen die Gags, für einen Liebesfilm die Chemie, für einen Musikfilm gibt es zu viel unnötiges drumherum und eine krude Mischung aus alldem hat von vorneherein wenig Chance.
    Germany mit 4 Points bislang.

    Und interessant, dass uns der Abschlusssatz deiner Rezension in der gestern aufgenommenen Folge bereits beschäftigt hat 😉

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    1. Dann lass es doch, anstatt dich weiter durchzuqüalen^^
      Ich finde nicht, dass er zu abgedreht als Hommage ist. Wo ich zustimme ist, dass der Film unhomogen ist. Wie gesagt, der Film ist irgendwie drollig, was die ganze Rezension etwas netter gestaltet.
      Jetzt baust du aber Spannung für Freitag auf.

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      1. Ich mag Frau McAdams (wenn auch nicht ihren Akzentversuch, den sie nicht zu 100% durchzieht) und auch Dan Stevens. Und ich habe die Hoffnung, dass sie am Ende Jaja DingDong singen. Daher quäle ich mich noch zwei Male.

        Gut, der ESC ist sehr abgedreht, daher liegt es vielleicht nahe, wobei ich damit eher die Akzente, die Wale, die Intrigen, das Lachen ob der Toten, die Elfen, die Pimmelwitze, etc. meine, die nicht ins Bild passen.

        Ach, Frau W. hat einen ähnlichen Satz, wie du ihn geschrieben hast, bei Kino+ gesagt. Aber die hat den Film ja auch völlig abgefeiert.

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        1. Bezüglich Jaja DingDong müsste ich lügen, wenn ich dir Hoffnung nehmen wollen würde.

          Nimmt der Film sich einen Funken mehr Ernst, fliegt ihm das alles komplett um die Ohren. Da der Film aber schon mit nem Chronologiefehler anfängt, war mir das schon Schnuppe. Hätte er sich vollends auf die Hommage konzentriert, wäre der Film nicht nur drollig sondern richtig gut.

          Ich finde ja, dass Schröckert und ich ja schon sehr nett zum Film waren, aber das war schon lächerlich, wie hoch sie den Film gelobt hat

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  2. Also ich habe mich bestens bei dem Film amüsiert, auch wenn zu wenig von dem Ferrell drin war, den ich so mag. Jaja DindDong hätte für mich das Zeug zum Sommerhit ☀️

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    1. Für mich war es schon fast zu viel Ferrell. Ich mag aber von ihm sonst auch nur Anchorman, Ricky Bobby und wegen der Musik A Night at the Roxbury. Auch alles Filme, die ich bis auf Anchorman mehr als drollig denn als gut bezeichnen würde.

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