Asphalt-Cowboy (Midnight Cowboy)

9/10 Der einzige Oscar Bester Film Gewinner, der ein x-Rating erhalten hatte, was aus heutiger Sicht völlig übertrieben erscheint. Der Film, der Jon Voight den Durchbruch brachte und für die Szene in der Dustin Hoffmans Charakter Rizzo einen Taxifahrer mit den „I´m walking here“-Monolog anpampt bekannt geblieben ist, ist wahrlich nicht einfach zu gucken. Das Erzähltempo ist langsam, der Film macht keinen wirklichen Spaß, aber es ist ein hervorragender Frühbeitrag im New Hollywood, der den American Dream dekonstruiert und als Illusion brandmarkt. Jon Voights Joe Buck schmeißt zu Beginn des Films seinen Job als Tellerwäscher hin, um ohne Rücklagen nach New York zu reisen und dort als Gigolo erfolgreich zu werden. Dort wird sein idealistisches Bild erschüttert, welches im Grunde genommen vor allem ein Kindheitstrauma verdeckt, welches Joe immer wieder einholt und welches wie sein unbeholfenes, naives auftreten im starken Kontrast zu seiner Cowboyerscheinung steht. Immer wieder schöpft Joe neue Hoffnung, gibt Rizzo, der ihn zunächst ausnutzt eine zweite Chance. Gemeinsam bauen sie eine neue Hoffnung auf, Florida als Gegenpol zum hektischen New York soll der Ort des Glücks werden. jedoch wirkt die fast schon nihilistische Grundhaltung des Films dagegen. „Asphalt-Cowboy“ ist ein großartiger Film, auch wenn er in der zweiten Hälfte etwas zu sehr zerfasert.

Network

10/10 Im Filmdiskurs wird „Network“ oftmals als Mediensatire bezeichnet, meiner Meinung nach trifft das jedoch nicht zu. Sicher hin und wieder finden sich satirische Spitzen in diesem Film. Jedoch vermacht es Regisseur Sidney Lumet diesen Film dennoch einen emotionalen Kern zu geben in Form von Max Schumacher, verkörpert von William Holden, der dem ganzen Treiben ungläubig gegenüber steht und an die Menschlichkeit appelliert. Schauspielerisch ist dieser Film absolute Spitzenklasse, Faye Dunaway ist elektrisierend und zugleich abstoßend in ihrer Rolle als diabolische Programmdirektorin, Peter Finch als irgendwo zwischen Depression und Wut gefangener Nachrichtensprecher, der als Karrikatur vom Sender ausgenutzt wird ist ebenso faszinierend. „Network“ ist erschreckend aktuell, man kann schon sagen, dass wir hier eine Fernsehdystopie sehen, Nachrichten werden nicht wiedergegeben, sie werden inszeniert zur Unterhaltung, zur Meinungsmache in einem leeren System. Der Oppurtunismus siegt über die Moral, mit Terroristen wird zusammengearbeitet, um eine Nachrichtenshow zu Quoten zu verhelfen. Wie hier die Bedeutungslosigkeit direkt zu Beginn inszeniert wird sorgt für satirische Lacher, die aber sofort in erstaunen umschlagen. Ein Effekt, der immer wieder erzielt wird. Dazu das knallharte Ende, welches im Grunde genommen in „Joker“ variiert wird, welches von der Realität entrückt wirkt, metaphorisch gesehen, aber nicht weit entfernt wirkt, lassen „Network“ zum besten Film über das Medium Fernsehen werden.

Ein Ticket für Zwei (Planes, Trains & Automobiles)

7/10 John Hughes hat sich mit den Coming Of Age Filmen der Achtziger einen Namen gemacht, bevor er mit Steve Martin und John Candy diese Roadtripähnliche Feiertagskomödie gedreht hat. Man kann dem Film sicher vorwerfen, dass er einfach funktioniert, ein miesgrämiger Geschäftsmann trifft aus Zufall auf einen Lebemann, der seinen Charakter ein wenig verbessert. Diese Moral spielt „Ein Ticket für Zwei“ auch offensiv aus, auch weil die Chemie zwischen Steve Martin und John Candy stimmig ist und die Annäherung der grundverschiedenen Charaktere funktioniert. Da hat es mich mehr gestört, dass das Humorlevel der ersten zwanzig Minuten nicht gehalten wird, die Balance zwischen Komödie und Charakterentwicklung geht nicht ganz auf, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass auch wenn der Film an Thanksgiving spielt, gerade in Europa für viele zum (Vor-)Weihnachtsprogramm dazu gehört.

Alles über Eva (All About Eve)

9/10 Ich bin mir sicher, heutzutage werden viele mit diesem Klassiker nichts mehr anfangen können, aber mich konnte dieses Intrigendrama überzeugen. Wo andere Filme, mit der Vorwegnahme des letzten Aktes verlieren, gewinnt „All about Eve“ dadurch, weil sich der Fokus verschiebt. Der Zuschauer weiß wohin der Hase läuft, wenn die unschuldig wirkende Eve Harrington auf ihr großes Idol Margo Channing trifft, während letztere noch nicht ahnt, in welches Intrigenspiel sie hineingerät und zumindest karrieretechnisch als Verliererin hervorgehen wird. Bette Davis spielt den alternden Theaterstar Margo Channing mit der benötigten Divenhaftigkeit, die auch diese besondere Aura hervorhebt. Davis muss nicht groß changieren, damit wir verstehen, was in ihr Vorgeht, das schafft sie dank ihres ausdrucksstarken Gesichts mit subtilem Spiel, weswegen sie aus einem starken Ensemble heraussticht. Regisseur Joseph L. Mankiewicz versteht es das Theater als Intrigenstadl zu inszenieren, mit wechselnden Loyalitäten und mit einer Arroganz, sodass „All about Eve“ zurecht als bissige Satire auf das Theatergeschäft gesehen werden konnte. Während Channing entdeckt, dass das Leben auch andere gute Seiten hat als auf den Theaterbühnen der Welt aufzutreten, versucht Eve Harrington nach ihrem kometenhaften Aufstieg schnell aus dem Theatergeschäft auszusteigen, um in Hollywood Fuß zu fassen, sie hat ja selbst daran gewerkelt, jemanden zu Fall zu bringen und wie Anne Baxter diese so unschuldig wirkende Eve verkörpert ist auch hervorragend, funktioniert der Film vor allem dadurch, wie subtil der Fall von Margo Channing durch Eve Harrington eingeläutert wird.

Der Marathon Mann (Marathon Man)

8/10 John Schlesinger erschafft hiermit die Verschmelzung vom 70er-Paranoiathriller mit typischen Hitchcockmotiven, so wird der Protagonist „Babe“, ein studentischer Lebemann, in eine Verschwörung rund um einen ehemaligen KZ-Arzt (gespielt von Laurence Olivier) und dessen Diamantenversteck hineingezogen wird. Währenddessen arbeitet der Geschichtsstudent „Babe“ sich an der McCarthy-Ära, in der sein Vater Selbstmord begangen hatte. Es hätte mich schon verwundert, wenn ich den Film nicht gut gefunden hätte und auch wenn ich gerade die erste halbe Stunde etwas holprig erzählt fand, die zwei da noch parallel laufenden Erzählstränge werden nicht gut verwebt. Dafür überzeugt von Anfang an das Spiel Dustin Hoffmans, der mit seinem Method-Acting gerade bei den Laufszenen (Babe trainiert für den New York Marathon) für Unmut in der Crew gesorgt haben soll, der leicht naiv wirkt und so in das Verderben reinstolpert. Je näher die Gefahr rückt, desto spannender wird „Marathon Man“, was nicht zuletzt an Laurence Olivier liegt, auch wenn seine Screentime vergleichsweise gering ist, schafft er es mit seinem Spiel dem Film seinen Stempel aufzurücken (nicht nur in der „Is It Safe“ Folterszene). Hinzu kommt, dass Musik, Kamera, Schnitt wunderbar ineinandergreifen und der Film ein spannendes Finale an einem ungewöhnlichen Schauplatz spendiert bekommt.

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7 Kommentare zu „Klassikerparade (13) – Asphalt-Cowboy, Network, Ein Ticket für Zwei, Alles über Eva, Der Marathon Mann

  1. Asphalt Cowboy: der Film hat mich von Anfang an total gepackt und über die ganze Laufzeit ziemlich runtergezogen. Durchgehend berührend und voller Melancholie. Das ist eines dieser Werke bei denen ich mich nicht wirklich an eine 2. Sichtung herantraue. Eben weil der wirklich ne Menge in mir auslöst.
    Marathon Mann: „Der weiße Engel“……einer der besten Filmschurken, die ich kenne. So bieder und gleichzeitig so abgrundtief böse…..Herrlich, wenn es viel zu wenig von ihm zu sehen gibt. Nicht umsonst gilt Olivier auch heute noch als einer der mit Abstand besten „klassischen“ Schauspieler. Auch wunderbar, wie hier das „solide Handwerk“ Oliviers auf das „freie improvisieren“ Hoffmans trifft.

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    1. Bei Asphalt Cowboy stimme ich zu, beeindruckender Film, finde fast schon, dass die „I’m Walking here“ Szene dem etwas schadet, weil sich die Rezeption darauf stützt.
      Ich hab noch die Anekdote aufgeschnappt, dass Olivier Hoffman gesagt hat, probiere es doch Mal mit Schauspiel. Aber es funktioniert wunderbar. Herr Szell ist aber auch ein perfekter Filmschurke.

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    1. Naja, ich hab hier die besten Filme, bzw die, wo ich mehr als drei Sätze schreiben konnte genommen. Hab noch ein paar andere ältere Filme gesehen, zB die beiden großen Cher-Filme oder No Way Out von 1987. „Planes, Trains, Automobiles“ ist ja auch ein guter Film, nur hat Mr. Hughes zwei nochmal deutlich bessere Filme gedreht. „Midnight Run“ setze ich mir Mal auf die Watchlist.

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  2. Oh da freu ich mich noch umso mehr auf Network, den ich jetz seit einiger Zeit als BluRay bereitliegen habe 🙂 klingt auch passend zu dem, was ich letztens erst durchgesuchtet habe und dir nahelegen kann: The Newsroom von Aaron Sorkin

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    1. Darfst dich drauf freuen, hoffentlich sind die Erwartungen nicht zu hoch. Antje Wessels hat dem ne 5/10 gegeben…
      Da ich fast keine Serien gucke, werde ich da eher nicht reingucken, ich freue mich aber schon auf den neuen Sorkin Film „The Trial of Chicago 7“ auch wenn der zu Netflix kommt…

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      1. Tatsächlich steigert die antje wertung meine erwartung, das bedeutet nur dass der wirklich gut ist 😁
        Und mit den serien gehts mir eigentlich auch so, aber die ist nicht sooo lang und abgeschlossen! Und aaron sorkin ist viel zu unterhaltsam 🙂

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