Vor ein paar Wochen habe ich mich mit Blondie Punkern zugewendet, die eine Disconummer par exzellence aufnahmen, damit kommerziell erfolgreich wurden und von den Punkern fortan verachtet worden. Letzte Woche ging es dann um die nachhaltig bewegendste Punknummer „London Calling„. Heute soll es um eine Band gehen, bei der man keine Punkverbindung sehen kann, die für sich aber eine „Punkattitüde“ beansprucht hat. Jetzt kann man sich darüber streiten, ob eine Band deren Frontfrau sich „Mieze Katz“ nennt eine Punkattitüde haben kann. Wenn man gehässig sein will, könnte man auch sagen MIA. ist, als wenn man bei Wish Blondie bestellt hat.

Die Parallelen sind deutlich, beide Bands haben als Punkband angefangen, sind dann aber schnell dem Mainstream verfallen. MIA. konnte durch den Song „Was es ist“ immerhin einen Skandal provozieren, wurden sie für den Text von der politischen Linken als nationalistisch kritisiert. 2004 wurden Auftritte der Band von Protesten begleitet und was macht man dann um zu zeigen, dass man eigentlich eine brave Band ist: Man nimmt an der Vorentscheidung zum ESC teil, wobei dieser 2004 auch außergewöhnlich schräg war, unter anderem waren Scooter als Teilnehmer in der von VIVA und der ARD organisierten Vorentscheidung, jedoch konnte „Hungriges Herz“ ein erster mittelgroßer Erfolg werden. Nachdem MIA. ihre Musik auf den ersten Alben als Elektropunk bezeichneten, haben sie für das folgende Album „Zirkus“ sich davon distanziert. Die Punkattitüde sei eher in der Herangehensweise zu finden. Stilistisch fallen die Elektroelemente heraus und es entsteht ein Popalbum, ein zugegebenermaßen gutes, aber eines, das auch von einer gewöhnlicheren Band kommen könnte. Die Leadsingle „Tanz der Moleküle“ steht exemplarisch dafür.

Musikalisch klingt der Song wunderbar verspielt, die Kombination aus den pulsieren Synthies und den luftig klingenden Rhythmus bringt eine Leichtigkeit in den Song. Dazu kommt die Gitarre, die sich ab dem ersten Pre-Chorus in das Klanggebilde einfügt. Über den Text brauchen wir nix zu sagen, denn wenn man ehrlich ist, bis auf das chemische Klangbild („Moleküle“, der Neologismus „Positron“), welches teilweise Verbindung findet, ist das ein typischer Schlagertext. Exemplarisch dafür steht der folgende Ausschnitt:

Glaubst du wie ich daran
Das alles gut sein kann
So lange wir zusammen sind

Warum das kein Schlagertext aus den frühen Neunzigern, ist mir ein Rätsel, warum eine Band, die sich selbst als Punk bezeichnet auf so etwas kommt weiß ich noch viel weniger, aber vielleicht ist es ja auch dieser Widerspruch, der den Song hörenswert macht. Ich mag den, wirklich.

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