Der allwöchentliche Musikfreitag hat lange keinen Schlager mehr gesehen und wer verkörpert den deutschen Schlager mehr als Wolfgang Petry? Der 1951 in Köln geborene Sänger verkörperte ab Anfang der Achtziger einen neuen Typus Schlagersänger, der sich von den geleckt aussehenden Schwiegermutterlieblingen sowie den etwas pummeligen aber sympathischen Männern unterschied. Petry, ausgebildet zum Feinmechaniker, verkörperte den Arbeiter, den Malochertyp. Passend dazu auch sein Auftreten in Jeans und Holzfällerhemden sowie die Freundschaftsarmbänder, die sich über die Jahre angesammelt haben. Vielleicht ein Grund, warum heutzutage das Ruhrgebiet eine Hochburg des deutschen Schlagers ist, nicht nur nach Spotify Auswertungen. Neben dem 83er-Hit „Wahnsinn“ erweist sich in der Rückschau „Verlieben, verloren, vergessen, verzeih´n“ als Petrys wichtigster Hit. Ende der 1980er begann Petrys Popularität zu sinken als ihm von Jürgen Dönges dieser Song angeboten worden ist. Zunächst sollte Jürgen Drews diesen interpretieren, der lehnte jedoch ab. Mir fällt es schwer, mir diesen Song mit Drews (auch wenn der eindeutig der bessere Sänger ist) vorzustellen, was aber auch daran liegt, dass ich den Song mit dem Alliterationstitel noch mehr mit Petry verbinde als das noch bekanntere „Wahnsinn“.

Meine persönliche Beziehung zum Song begann 2009 als mein Vater sich in irgendeinem Elektronikmarkt einen Sampler namens „Die ultimativen Discofoxhits“ kaufte. Dieser Sampler beinhaltete unter anderem Haddaways „What is Love“, Blue Systems „My Bed is Too Big“, Fancys „Bolero“ und Zlatkos „Ich vermiss dich wie die Hölle“. Eröffnet wurde die CD durch „Verlieben, Verloren, Vergessen, Verzeih´n“, wodurch meine Hassliebe zum  deutschen Schlager um eine weitere Facette erweitert wurde. Dieser Song mit seinem Pianoeinstieg (der natürlich aus einem Synthi kam), dem typischen leicht angecrunchten Wolfgang Petry Schlager Gitarrensound und dem Text, der wiedermal die Liebe behandelt, ist so etwas wie ein „Guilty Pleasure“ von mir, zumindest wenn ich etwas auf diese Bezeichnung geben würde. Von daher sag ich einfach, es ist ein exorbitant guter Schlager und Nein, das sag ich nicht nur, weil ich den auch betrunken komplett mitsingen kann. So simpel ist das manchmal mit der Musik und ja man kann auf den auch Discofox tanzen.

1992 wurde dieser Schlager zu Petrys großen Comeback in den Charts und leitete seine zweite Karrierehochphase ein, die in der längsten Single der Welt 1996 ihren Höhepunkt fand und 1999 mit dem Abschiedskonzert auf Schalke endete. Daraufhin wurden die Freundschaftsbänder für einen guten Zweck versteigert. Es folgte das Comeback zunächst mit englischsprachigen Texten als Pete Wolf und dann das Comeback im Petrysound und der (ehemalige) Lockenkopf erfreut sich heute noch großer Beliebtheit.

Und weil es so schön ist auch die LIVE Version auf Schalke:

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