Vor ein paar Monaten hab ich für einen Kumpel mein persönliches Ranking der Filme von Quentin Tarantino geschrieben. Im folgenden bekommt ihr die Top 7 davon präsentiert:

Platz 7: The Hateful Eight (2015)

Samuel L Jackson spielt ein wenig Inspector Poirot inmitten eines Schneewesterns, der schenll zum letztendlich blutigen Kammerspiel mutiert. Sind die Schauspielleistungen teilweise überragend, krankt dieser Film an seiner Struktur (der langsame Aufbau sowie der Überraschungseffekt) sowie an eher langweiligen Dialoggefechten sowie der großen Forcierung des blutigen Endszenarios. Dafür hat „The Hateful Eight“ durch den Einsatz von Paravisionkameras einen ganz eigenen Schauwert, dem man sich nie entziehen kann.

Platz 6: Inglourious Basterds (2009)

Nach eigener Aussage, hätte Tarantino für diesen Film den Hauptpreis bei den Oscars abräumen sollen, doch war „Inglourious Basterds“ weder der beste Film des Oscarjahrgangs noch einer der besten Filme des Kultregisseurs. Dabei sticht ein Kapitel besonders ins Auge. Die Barszene, die knapp ein Drittel des Films ausmacht ist nahezu vollständig redundant und lässt den Film beinahe auseinanderfliegen. Ansonsten ist „Inglourious Basterds“ hochwertig gemachtes Märchenkino auf Tarantinoart mit mindestens einem Charakter für die Ewigkeit: Christoph Waltz als Hans Landa.

Platz 5: Pulp Fiction (1994)

Jener Film, der Tarantino auf dem Filmradar explodieren ließ und dessen Plakat in der Folgezeit unzählige Studentenbuden aufhübschte. „Pulp Fiction“ zieht seine Kraft aus seinem Kultfaktor, erfordert von seinem Zuschauer aber große Konzentration und verpackt deine Geschichten aus Groschenromanen zu einer Allegorie auf das Leben zwischen Gut und Böse. Dabei zeigt die letzte halbe Stunde auf, wie genial Tarantino sein kann, wofür es immerhin einen Drehbuchoscar gab. Mehr Preise blieben wegen des Siegeszuges von „Forrest Gump“ verwährt.

Platz 4: Django Unchained (2012)

Hatte „Inglourious Basterds“schon Westernanleihen, ist „Django Unchained“ ein waschechter Western, inspiriert von den Italowestern von Sergio Leone verbirgt sich unter jenem Gewand jedoch die Übertragung der Nibelungenliebesgeschichte auf das Amerika des 19. Jahrhunderts. Wie nahezu alle Filme Tarantinos lebt dieser von den grandios geschriebenen Chrakteren, die vor allem Samuel L Jackson, Leonardo DiCaprio und Christoph Waltz elektrisierend interpretieren. Wenn man das Haar in der Suppe suchen will, findet man es sicher bei Jamie Foxx, der neben den Schauspielgiganten erschreckend blass bleibt.

Platz 3: Reservoir Dogs (1992)

Tarantinos Langfilmdebüt (theoretisch gibt es noch einen verschollenen Film, aber sei es drum) ist der kürzeste seiner Filme, aber dennoch spannungsgeladen und gewaltreich. Einer der Clous des Films, ein Raubüberfallfilm zu sein ohne den Raubüberfall zu zeigen. Verkommen in späteren Werken die Dialoge zu überlangen Gimmicks, zeigt sich hier in den Dialogen, die fernab der Handlung liegen, Tarantinos Stärke Charaktere zu schaffen. Daneben ist die Gewalt härter, realer als im Großteil seiner Spätwerke und die Musikauswahl ebenso perfekt.

Platz 2: Once Upon A Time In…Hollywood (2019)

Je mehr Tarantino Filme für sich selbst macht, desto besser geraten sie. „Once Upon A Time In…Hollywood“ verweigert sich konsequent der Narrative, stattdessen gewährt der Film einen Einblick auf Tarantinos Fantasien über das Hollywood der Sechziger. Aufgrund des dynamischen Hauptdarstellerduos gelingt dieses Experiment famos, so war Brad Pitt nie besser als in der Rolle des Stuntmanns Cliff Booth. So akkurat und so voller in sich grandioser Szenen war kein anderer Film des großen Filmfans.

Platz 1: Jackie Brown (1997)

Hält Tarantino normalerweise bei der Gewaltdarstellung voll drauf, verweigert er sich bei seiner einzigen Romanverfilmung diesem Vorgehen. Gewalt spielt dennoch im von Blaxpoitlation geprägten Film eine Rolle, aber nie mehr danach standen die Charaktere so im Vordergrund eines Tarantinofilms. Dementsprechend sind die Dialoge länger als sonst, der Film die Vorwegnahme der Langsamkeit des Spätwerkes und das Protagonistenduo herzhafter als sonst. Spielen Stars wie Michael Keaton, Samuel L Jackson (hier herrlich überdreht) und Robert DeNiro Nebenrollen, sind die Hauptrollen mit den B-Film Ikonen Pam Grier und Robert Forster besetzt, gerade sie machen „Jackie Brown“ zu einem ganz eigenem Erlebnis.

Wie immer könnt ihr gerne eure Einschätzung zum Ranking in den Kommentaren abgeben

8 Kommentare zu „Die glorreichen Sieben (81) – Filme von Quentin Tarantino

    1. Ich denke eigentlich, dass wenn man OUATIH super findet auch viel mit Jackie Brown anfangen kann, andererseits ist das der am wenigsten Tarantinoeske Film, weswegen ich auch glaube, dass der vergleichsweise weniger gut wegkommt.

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