Inhalt

Martin (Mads Mikkelsen) befindet sich mitten in der MidLife-Crisis. Seine Schüler sind gelangweilt von seinem Geschichtsunterricht und fürchten schlechte Endnoten. Seine Ehe ist auch in einer Sackgasse, da kommt die Idee seines Kollegen Nikolaj, die Theorie eines norwegischen Philosophen, dass der Mensch mit einer halben Promille Blutalkohol zu wenig geboren wird, gerade Recht. Die ebenfalls anwesenden Kollegen Tommy und Peter sind ebenso schnell überzeugt…

Gedanken zum Film

Bei manchen Faktoren helfen weiche Faktoren dabei, dass der Film auf einen besser wirkt, bei „Another Round“ gab es einige. Zum einen war da die Dame rechts von mir, die hemmungslos vom Film begeistert war, dann die Tatsache, dass ein kurzes Q & A mit Regisseur Thomas Vinterberg und Hauptdarsteller Mads Mikkelsen gab, die Tatsache, dass mich Mads Mikkelsens Figur an einen meiner ehemaligen Lehrer erinnert oder überhaupt die Tatsache, dass es um vier Lehrer geht. Daneben ist noch der Kredit, den Vinterberg dank der hervorragenden Filme „Das Fest“ und „Die Jagd“bei mir hat und die Tatsache, dass dies passend zur Prämisse des Films der erste Kinofilm ist, bei dem ich während der Sichtung ein Bier getrunken habe. Allerdings würde das alles nichts helfen, wenn dieser Film hier nicht gelungen oder mittelmäßig geraten wäre.

Auf den ersten Blick erscheint „Another Round“ nicht wie ein typischer Thomas Vinterberg Film, behandeln die oft schwere Stoffe auch in einem schweren Gewand, wohingegen „Another Round“ als Komödie beginnt. Wie Mikkelsen im Q & A jedoch herausstellte sind Filme von Vinterberg immer Filme über das Leben an sich. „Another Round“ bildet da keine Ausnahme, auch wenn der Film einen weniger düsteren Blick wagt, stattdessen ungeheuer lebensbejahend ist. Während in der ersten Hälfte der Alkoholkonsum positiv konnotiert wird, unsere schnell ans Herz wachsende Gruppe Lehrer fast schon euphorisiert wird und gerade Martin wieder Spaß und Erfüllung an seinem Dasein als Geschichtslehrer findet, wandelt sich das Bild zunächst schleichend, jedoch gibt es einen festen Wendepunkt, den aufmerksame Zuseher auch sofort als solchen identifizieren werden, an dem die Schattenseiten des Alkoholkonsums mit teilweise drastischen Konsequenzen dargestellt werden. Dadurch wirkt „Another Round“ deutlich kompletter und ehrlicher als wenn der Film Alkohol einfach dämonisieren würde. Stattdessen lässt Vinterberg den Zuschauer erst daran teilhaben, dass die Trinkkultur in Dänemark speziell ist. So beginnt „Another Round“ mit einer Sequenz in der Jugendliche einen Kastenlauf um einen See veranstalten, bei dem bei jeder Runde ein Kasten Bier von der Gruppe getrunken werden muss (Im Q&A bestätigte Vinterberg, dass dies in Dänemark ein geläufiges Ritual ist und die Diskussion darüber mit einer amerikanischen Freundin den Ausgangspunkt für die Arbeit am Film bildete). Dies ist nur eine von unzähligen Sequenzen die wahnsinnig witzig geraten ist, ebenso sticht gegen Mitte des Films eine Kollage an betrunkenen Politikern heraus. Mit Ausnahme dieser Sequenz wird jedoch davon abgesehen sich über alkoholisierte lustig zu machen. Besonders die Unterrichtssequenzen (nicht nur die, in der Martin seinen Schülern vor eine Wahl stellt) sind voller cleverer Dialoge und gut ausgespielter Komik. Daneben entwickelt sich besonders zwischen den befreundeten Protagonisten ein humorvoller Umgang, der auch den Zuschauer gefangen nimmt. Die vier Freunde wachsen durch dieses Experiment zunächst zusammen, bevor der Alkoholkonsum Überhand nimmt. Wer es sich leicht macht greift den Film dafür an, dass der Alkoholkonsum solch positive Folgen hat, jedoch schafft es „Another Round“ spielerisch darzustellen, dass der Alkohol nur ein scheinbares Mittel der Verbesserung der Lebensumstände ist. Der Alkoholkonsum steigert bei den Teilnehmern des Experiments die Lebensfreude ebenso wie in der Folge die Leistungsbereitschaft, wobei der Alkohol dazu eigentlich nicht nötig gewesen wäre, aber wer kennt es nicht, dass mit einem gewissen Alkoholpegel eine Gelassenheit und höhere Zufriedenheit einhergeht. Gerade Mads Mikkelsens Martin stellt heraus , dass es egal ist, ob er gerade getrunken habe oder nicht, er fühlt sich besser. Dort schwingt die versteckte traurige Botschaft mit, dass manche Menschen Alkohol brauchen um zufriedener zu sein. Dadurch wird subtil eingewoben, warum Alkoholsucht so schnell einen Menschen zerstören kann, wie im Film dann in der zweiten Hälfte auch gezeigt wird.

Dennoch schafft es „Another Round“ erstaunlicherweise versöhnlich zu enden, ohne dass der Film seine Linie verliert. So endet dieser Film mit einer fantastischen Tanzsequenz zum im Trailer auch genutzten Song „What A Life“ von Scarlet Pleasure. Ich wusste nicht, dass Mads Mikkelsen eine Ausbildung im Ausdruckstanz hat, jedoch ist seine Tanzperformance nicht nur beeindruckend, sondern fasst auch auf, dass man das Leben genießen muss ohne zu verpassen, den Menschen die einen etwas bedeuten, dies auch zu zeigen. Nicht nur in dieser Szene überzeugt Mikkelsen, der wieder einmal unter der Regie Vinterbergs zu schauspielerischer Hochform aufläuft. Auch wenn Mikkelsen am ehesten der Hauptdarsteller ist, so ist dies eindeutig ein Ensemblefilm, in dem alle Darsteller zu überzeugen wissen (weswegen der Cast zurecht mit dem Darstellerpreis in San Sebastian bedacht worden ist). Gerade den konstanten Pegel und das zugehörige Verhalten so genau zu treffen, erfordert sehr präzises Schauspiel, genauso wie die diversen komischen Szenen.

„Another Round“ befindet sich in der Cannes-Selection für 2020 und lief auf diversen Filmfestivals wie unter anderem in Toronto, Hamburg und San Sebastian. Es ist davon auszugehen, dass „Another Round“ der offizielle dänische Oscarbeitrag wird.

Fazit

Auf den ersten Blick ein über Alkohol, entpuppt sich „Another Round“ nicht nur als fabelhafte Tragikomödie, sondern auch als Botschaft das Leben trotz aller Tragik zu genießen und zu zelebrieren. Thomas Vinterberg ist wieder in Hochform und kann auch auf ein hervorragendes Ensemble bauen. 9/10

Daten & Fakten

Originaltitel: Druk

eventueller deutscher Titel: Der Rausch

Erscheinungsdatum in Deutschland: 28.01.2021

Regie: Thomas Vinterberg (u.a. Die Jagd, Das Fest)

Drehbuch: Thomas Vinterberg, Tobias Lindholm

Produktionsland: Dänemark

Darsteller: Mads Mikkelsen, Thomas Bo Larsen, Magnus Milang, Lars Ranthe uva

Genre: Tragikomödie

Gesehen am: 07.10.2020

Gesehen im: Filmpalast Köln im Rahmen des Cologne FilmFestival in der dänischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln, anschließend gab es noch ein kurzes Q & A mit Regisseur Thomas Vinterberg und Hauptdarsteller Mads Mikkelsen

5 Kommentare zu „Another Round

  1. „…dass der Alkohol nur ein Mittel der Verbesserung der Lebensumstände ist.“ Ernsthaft, nicht wirklich der Lebensumstände, oder?

    Waren Mads und Vinterberg tatsächlich im Saal anwesend oder per Zoom zugeschaltet? Bei dem Filmfest Hamburg gab es vor jedem Film leider nur ein, zuvor aufgezeichnetes, kurzes Statement des Filmemachers.

    Finde ich übrigens gut, dass Du jetzt scheinbar immer dazu schreibst, wo Du den Film in welcher Fassung gesehen hast. Gerade letzteres hilft, zumindest mir, bei der Einordnung.

    Gefällt 1 Person

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