Barry Lyndon

7/10 Hätte man mir vor ein paar Jahren von allen Stanley Kubrick Filmen einen kurzen Handlungsabriss gegeben, hätte ich ziemlich sicher gesagt, dass mir „Barry Lyndon“ am meisten gefallen müsste. Nun habe ich „Barry Lyndon“ gesehen und muss sagen, es ist bestenfalls der fünftbeste Kubrick und das von sechs Filmen, die ich vom Regiegroßmeister gesehen habe. Woran das liegt? Ich kann es kaum sagen, am ehesten würde ich sagen, dass „Barry Lyndon“ zu lang ist, wobei das ja Konzept ist, so kann man diesen Historienstreifen durchaus als Monumentalfilm zählen. Hier kam ich lange Zeit nicht wirklich in den Film hinein, auch möchte ich betonen, dass mir die zweite Hälfte des Films, welche den Fall des Barry Lyndons behandelt, wesentlich besser gefallen hat als die erste. Daneben muss natürlich das Set-/Kostümdesign ebenso wie die Kameraarbeit gelobt werden. Handwerklich kann sich jeder Filmemacher noch zur Weiterbildung „Barry Lyndon“ ansehen, so grandios ist dieses opulente Werk gefilmt. Jedoch funktioniert für mich die Hauptfigur nicht über den gesamten Zeitraum, weswegen „Barry Lyndon“ doch ein etwas zähes Filmerlebnis wurde.

Die Reifeprüfung (The Graduate)

9/10 Nachdem Regisseur Mike Nichols letztes Mal mit dem bitterbösen „Who´s Afraid Of Virginia Woolf ?“ hier vertreten war, folgt nun mit „The Graduate“ sein bekanntester und wahrscheinlich auch sein bester Film. Erstaunlicherweise ist dieser Film vor allem eine fantastische Regieleistung. Man könnte ein 1 zu 1 Remake machen und er würde inszenatorisch auch in der heutigen Zeit genauso gut funktionieren. Hinzu kommt der großartige Soundtrack von Simon & Garfunkel, der die Machart garniert. Daneben hat dieser Film trotz seiner „leichten“ Inszenierung gesellschaftlichen Sprengstoff. Dustin Hoffman in der Rolle, die ihn berühmt werden ließ, spielt einen Collegeabsolventen, der sich leichtfertig von Mrs. Robinson verführen lässt, dabei noch wie ein formbarer Jüngling wirkt und sich im Laufe des Films seine Persönlichkeit entwickelt. Dabei passiert hier etwas besonderes, so wird ein sympathischer Charakter immer unsympathischer. Vor allem sein Verhalten gegenüber Elaine Robinson ist in einigen Szenen fragwürdig, genauso wie seine Entscheidung die Hochzeit zu stürmen. Kaum ein Film hat so ein gutes Endbild wie „Die Reifeprüfung“, wie hier der Zwiespalt akustisch aber auch inszenatorisch eingefangen wird, ist brillant.

Fahrstuhl zum Schafott (Elevator To The Gallows)

6/10 Das Regiedebüt von Louis Malle ist mit der Zeit in seinem Ansehen gewachsen. Zeitgenössische Kritiker empfanden „Fahrstuhl zum Schafott“ als zu spannungsarm und elegisch und nun ja ich bin geneigt dem zuzustimmen. Sicherlich ist dieser Film eine außerordentliche Regieleistung, aber obwohl der Plot ein klassischer Thriller ist, wirkt dieser Film wie ein Melodram, wodurch die Spannung radikal abnimmt, das Melodram aber nicht so gut funktioniert um den Spannungsverlust aufzufangen. Die Novelle Vague hat deutlich bessere Filme hervorgebracht als diesen Komplottfilm, bei dem ein Unternehmer ermordet wird, der Mörder jedoch dadurch in Bredouille gerät, dass er in einem Fahrstuhl feststeckt und sein Wagen von einem zum Killerpaar mutierenden Liebespaar geklaut wird.

Lost in Translation

8/10 Bei dieser Zusammenarbeit von Regisseurin Sofia Coppola und Bill Murray habe ich mich gefragt, ob dieser Film schon als Klassiker gelten kann, doch so prägnant wie das fast schon antik erscheinende Faxgerät hier auftritt, kann ich das verantworten. Daneben gilt der Film auch als einer der besten der letzten zwanzig Jahre und nun kann man darüber diskutieren. Sicherlich kann man sich beklagen, dass dieser Film Langeweile einfängt und dementsprechend langweilig ist. Jedoch ist „Lost In Translation“ ein faszinierendes Beispiel dafür, wie die Chemie zwischen zwei Darstellern einen Film aufwerten kann. So wird „Lost in Translation“ zu einem eindeutigen Darstellerfilm, obwohl abgesehen von der Karaoke-Szene vordergründig subtiles Spiel stattfindet. Dadurch bekommt „Lost in Translation“ auch im letzten Drittel eine Wehmut, die diesen Film zu einem besonderen macht, sowie zu einem macht, der zumindest gegen Ende mich vollkommen mitgenommen hat und das obwohl die Handlung eigentlich nur ist, dass ein Filmstar auf Werbetour auf eine junge Frau trifft und sie sich genau in dieser Situation brauchen.

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