Als ich vor einigen Wochen die besten Songanfänge gekürt habe, war das sehr rocklastig. Jedoch hat auch Disco ein paar hervorragende Songanfänge zu bieten, so wie das fiebrige Anfangsriff zu „Gloria“. Als ich den Song letzte Woche nach einigen Synthpop-Klassikern bei einem kleinen Treffen spielte, sagte jemand „Du hast einfach einen hervorragenden Musikgeschmack!“. Das hört man natürlich gern und von daher soll es heute um Laura Brannigans Version von „Gloria“ gehen. Während in Großbritannien Ende der Siebziger die Punkwelle nicht nur die Musikbranche, sondern die Gesellschaft in Aufruhr versetzte, war Kontinentaleuropa immer noch im Discofieber. In Italien begann sich das Subgenre Italo Disco zu entwickeln. Italo Disco begann die synthetische Klangerzeugung in den Mittelpunkt zu stellen.

Einer der ersten Italo Disco Songs ist „Gloria“ vom damals siebenundzwanzigjährigen Umberto Tozzi, der in den Achtzigern balladesk zusammen mit RAF (dessen Hit „Self Control“ auch von Branigan gecovert worden ist) den damals noch als Grand Prix Eurovison de la Chanson bekannten Wettbewerb beinahe gewonnen hätte. Obwohl „Ti Amo“ der erfolgreiche Song war, gilt „Gloria“ als wichtigster Song in Tozzis Diskografie. Dank Jonathan King gab es auch eine englischsprachige Version des Textes, welche 1982 Basis für den kanadischen Autor Trevor Veitch war. Veitch entwickelte aus dem seichten Liebeslied eine eindringliche Warnung. Währenddessen wurde das Arrangement nur geringfügig adaptiert, so fetzt das Riff zu Beginn noch ein Stück mehr und gewinnt das Lied insgesamt an Explosivität. Hinzu kommt Laura Brannigans Stimme, die aus einem guten Song einen hervorragenden macht (und vollkommen zurecht für einen Grammy für die beste Gesangsleistung im Bereich Pop nominiert worden ist) sowie die Produzententätigkeit von Jack White. „Gloria“ schaffte es in dieser Version bis auf Platz Zwei der US-Charts, wohingegen in Deutschland vorwiegend die deutschsprachige Version (ebenso von White produziert) interpretiert von Lena Valaitis promotet wurde. Branigan erlangte so in Deutschland erst zwei Jahre später den wohlverdienten Ruhm mit „Self Control“.

Der Song führt auch weiter ein Eigenleben, so unterlegt „Gloria“ in Craig Gillespies Satire und Tonya Harding Biopic „I, Tonya“ jene Szene in der die Attentäter zum Eisstadion fahren und wurde mehrmals gecovert, unter anderem auch wieder von Umberto Tozzi für dessen Best Of Album. Das sensationelle Riff tauchte schon zwischen Original und Cover in Olivia Newton-Johns „Physical“ auf. Auch Fans des Britpops werden das Riff schon gehört haben, nutzt auch Pulps Partykracher „Disco 2000“ das Riff als Basis. Laura Branigan hatte zwar weitere Erfolge in den Achtzigern, zog sich dann jedoch aus der Musikbranche zurück und verstarb 2004 an einer Hirnblutung.

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