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Hagen (Moritz Bleibtreu) leidet an unkontrollierten Schlafphasen, oftmals taucht ein Kleinkrimineller (Jannis Niewöhner) auf, der eine Affäre mit Hagens Ehefrau (Nadja Uhl) hat. Schnell gerät die Situation außer Kontrolle…

Gedanken zum Film

Auch wenn Moritz Bleibtreu Journalisten wohl erlaubt hat eine entscheidende Wendung (Lehrbuchmäßig bei Minute Zwölf), die diesen Film einleitet vorweg zu nehmen, werde ich darauf verzichten, auch wenn es die Besprechung dieses Mindfuckthrillers deutlich erschwert. Zum einen ist das gemeinte Element normalerweise eher in Komödien zu finden, zum anderen ist dies das Element, das diesen Film einzigartig macht. Wenn man sich sonst diesen Film Revue passieren lässt, fällt auf, dass Bleibtreu seinen Film irgendwo zwischen Christopher Nolans „Memento“ und Danny Boyles „Trance“ ansiedelt, wobei hier auch noch immer wieder Lyncheske Ideen hineingeworfen werden. Dies führt dazu, dass man den Film mögen will, schließlich sind Mindfuckthriller aus Deutschland eher selten und die handwerkliche Wertigkeit kann man „Cortex“ auch nicht absprechen, aber bei nüchterner Betrachtung muss man sagen, Bliebtreu nimmt sich große Vorbilder, scheitert aber fast schon kolossal.

Das liegt zum einen daran, dass man bei „Cortex“ nie weiß, ob der Film zwar den Geist verwirren will, aber doch eine durchgängige Narrative hat oder komplett freidrehen will. Dadurch entsteht kein Fluss, der einen durch den Film trägt. „Cortex“ wirkt dadurch trotz einer knackigen Laufzeit von 97 Minuten deutlich länger und stellt sich mehr oder minder als Luftnummer hinaus. Ist es gerade bei diesem Genre üblich, dass sich Momente einbrennen und zum Nachdenken anregen, verpufft „Cortex“ in dem Moment in dem man den Kinosaal verlässt und so fragt man sich ein paar Tage später, wieso man den Film beim Schauen gar nicht so übel fand. Den Kredit muss ich „Cortex“ als geben, beim Sehen unterhält der Film trotz der Schwächen schon. Das liegt vorwiegend daran, dass Bleibtreu handwerklich einiges drauf zu haben scheint oder weiß, wen er braucht, um einen Film mit internationalen Look zu kreieren. Zudem verzichtet Bleibtreu auf zu viel Expositionsdialoge, abgesehen von der Erklärung des „Cortex“ und des luziden Traums. Dafür ist der Film auf einem Gebiet schwach, das man bei einem Regiedebüt eines Schauspielers als Stärke annehmen würde: Das Schauspiel. Bleibtreu sollte, wie auch ursprünglich von ihm selbst angedacht, nicht in den eigenen Filmen die Hauptrolle übernehmen. Emotionen werden auch kaum (abgesehen von Emily Kusche als Tochter, die zu wenig Screentime bekommt) transportiert und irgendwann im Film kommen Komiker Martin Klempnow (bekannt für Dennis aus Hürth) und ein vollkommen im Overacting verfangener Nicolas Ofzcarek vor, die die tonale Unebenheit noch weiter verstärken.

Fazit

Handwerklich gut gemacht und auch zumindest bei der Sichtung auch unterhaltsam, aber auch eine verhobene Luftnummer. Das ist „Cortex“, das ambitionierte Regiedebüt von Moritz Bleibtreu. 5/10

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland

Regie & Drehbuch: Moritz Bleibtreu

Darsteller: Moritz Bleibtreu, Jannis Niewöhner, Nadja Uhl, Nicolas Ofzcarek, Emily Kusche, Martin Klempnow, Anna Bederke uw

Länge: 97 Minuten

Genre: Thriller

Gesehen am 26.10 im Cineplex Aachen

4 Kommentare zu „Cortex

  1. Da ging es mir ganz ähnlich wie dir. Der fühlte sich echt sehr lang an und am Ende war mir auch nicht mehr so klar, was mir der Film eigentlich sagen wollte. Zumindest fängt das Ganze ziemlich gut die Grundstruktur eines Traums selbst ein. Das fand ich dann doch ganz cool.

    Gefällt 1 Person

    1. Ja sicher, es fängt gut an und da sind auch gute Elemente, aber letztendlich verheddert sich Bleibtreu doch ordentlich und am Ende muss auch nicht klar sein, was der Film sagen wollte. Blöd nur, wenn der Zuschauer den Film danach vergisst und nicht weiter sich damit auseinandersetzt.

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