Braveheart

gesehen in der englischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln

6/10 Es wurde ja mit den Jahren immer wieder über „Braveheart“ geunkt, Mel Gibsons Akzent sei kaum anzuhören, der Film ist eine riesige Fiktion (wahrscheinlich könnte ich über die Unterschiede zwischen „Braveheart“ und den historisch angenommen Geschehnissen schreiben) und die Oscar-Gewinne ungerecht. Kurz gesagt, ich stimme zu, „Braveheart“ ist damals maßlos überschätzt worden, auch wenn der Film gerade in den Schlachtszenen eine opulente Inszenierung zu bieten hat und die letzte halbe Stunde das beste am Film ist. „Braveheart“ ist ein Monumentalfilm in der Aufmachung, aber im Kern ein Schlachtdrama, dessen Exposition sich zu sehr zieht und der deswegen in der Narrative schwächelt. Ansehen kann man sich „Braveheart“ dennoch immer noch.

Zeugin der Anklage (Witness for the Prosecution)

gesehen in der deutschen Synchronfassung

9/10 „Witness for the Prosecution“ endet mit der Bitte den aufregenden Schluss nicht zu verraten und selten war diese Bitte so verständlich. Billy Wilders Justizdrama basierend auf einer Kurzgeschichte von Agatha Christie bietet einen wie für Christie üblich einen überraschenden Schluss, der sich in die Patina einbrennt. Die ersten siebzig Minuten sind spannend und gleichsam unterhaltsam, doch in dem Moment, in dem die Zeugin der Anklage aufgerufen wird, beginnt der Film noch einmal eine Schippe draufzulegen und die letzten knapp vierzig Minuten sind nahezu perfekt. Billy Wilder beweist sein unglaubliches Gespür für die richtige Inszenierung und für das Einfangen von darstellerischer Brillanz (gerade Charles Laughton hat eine unheimliche Präsenz) und dennoch ist „Witness for the Prosecution“ nur der zweitbeste Justizfilm aus dem Jahr 1957, „Die Zwölf Geschworenen“ ist halt noch einen Tick besser.

Rebecca

gesehen in der deutschen Synchronfassung

8/10 Dies ist der Film von Alfred Hitchcock, der den Oscar als Bester Film gewonnen hat und sein erster in den USA gedrehter Film war. Auch wenn Hitchcock ganz andere Großtaten (Psycho, Vertigo etc.) vollbracht hat, ist auch „Rebecca“ ein spannender und atmosphärisch dichter Film. Das Setting strahlt immer noch dieselbe Kälte wie 1940 aus und auch der durchaus romantische Beginn des Films glückt. Hier zeigt sich besonders gut, dass Hitchcocks späterer Stammkomponist Bernard Herrmann mit seiner Aussage, Hitchcock sei vor allem ein romantischer Regisseur Recht hat. Natürlich ist dieser Film auch wieder einmal gut gespielt und spielt seine Wendungen gut aus, ein paar Minuten weniger hätten der Spannungskurve aber gut getan. Bevor die Frage in den Kommentaren aufkommt, Nein ich werde mir (trotz Lily James) nicht das Remake auf Netflix ansehen.

In der Hitze der Nacht (In The Heat Of The Night)

gesehen in der deutschen Synchronfassung

8/10 Noch ein Oscarsieger hinterher, dieses Mal der Gewinner aus dem Jahr 1968. Zur Einordnung: Dieser Film hat sich unter anderem gegen „Die Reifeprüfung“ sowie „Rat mal, wer zum Essen kommt“ durchgesetzt. Auch wenn ich diese beiden Filme besser fand, kann ich diese Entscheidung sehr gut nachvollziehen. So ist dieser Film in erster Linie ein Krimi, wo auch die kleineren Schwächen liegen, denn die Kriminalhandlung ist solide, aber trägt den Film nicht besonders. Norman Jewisons Film besticht jedoch durch Detective Virgil Tibbs (dargestellt von Sidney Poitier), der zunächst zu Unrecht im zutiefst rassistischen Handlungsort in Mississippi für den Mörder eines Industriellen gehalten wird. Tibbs stellt sich zügig als Mitarbeiter der Mordkommission in Philadelphia heraus. Viel mehr stellt sich heraus, dass Tibbs ein hervorragender Detective ist, der zunächst verhindert, dass ein Bauernopfer für den Mord verantwortlich gezeichnet wird. Die einflussreiche Witwe stellt daraufhin die Bedingung, dass Tibbs die Ermittlungen leiten soll. Immer wieder wird der latente Rassismus der lokalen Ordnungshüter offengelegt, jedoch nähern sich gerade Chief Gillespie (Rod Steiger gewann hierfür unter anderem den Academy Award) und Tibbs im Laufe der Ermittlungen an, sodass sie am Ende tiefen Respekt füreinander zeigen. Hier liegt die Stärke dieses genau beobachten Spielfilms, nicht nur Rassismus zu zeigen zu verurteilen sondern auch zu zeigen, dass eine Annäherung möglich ist, ohne in ein zu großes Hurra (wie in Filmen wie „Green Book“) zu verfallen.

Der Tod steht ihr Gut (Death Becomes Her)

gesehen in der deutschen Synchronfassung

6/10 Robert Zemeckis hatte ab Mitte der 80er einen Lauf. Nahezu alle seiner Filme bis einschließlich „Cast Away“ waren von Kritikern geschätzt und auch kommerziell erfolgreich. Von all diesen Filmen ist „Der Tod steht ihr Gut“ sein schwächster. Auch wenn dieser Film einen schwungvollen Auftakt und einige clevere Ideen hat, ist er als Gesamtwerk oberes Mittelmaß. So hat der Film gegen Mitte eine klare Schwächephase, wenn die Fronten geklärt sind und der Verjüngungstrank, den die beiden Damen, die um Bruce Willis Charakter buhlen, seine Nebenwirkung zeigt. Auch wenn der Streifen gegen Ende an Zug gewinnt und von Meryl Streep (die für das grandiose Opening zuständig ist) getragen wird, ist er letztendlich für eine Satire zu zahm und zu sehr an technischen Spielereien interessiert.

Werbung

2 Kommentare zu „Klassikerparade (18) – Braveheart, Zeugin der Anklage, Rebecca, In der Hitze der Nacht, Der Tod steht ihr gut

  1. Ich liebe „Braveheart“: Der Score, der Pathos, die unfassbaren Schlachtszenen. Hach, großartig. Dabei bin ich mir voll und ganz bewusst, dass er historisch unkorrekt ist und Gibson eigentlich ein No Go. Aber der Film ist eine Wucht!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s